Donnerstag, 17. Oktober 2019

Puma-Verkauf Noch mehr Geld für Günter

Günter Herz und seine Schwester Daniela sind durch den Verkauf der Puma-Anteile nicht reich geworden - sie waren vorher schon steinreich. Für den Tchibo-Erben Günter ist die Vermehrung des Milliardenvermögens kein Selbstzweck: Er hat seinen jüngeren Brüdern noch etwas zu beweisen.

Hamburg - 59 Prozent Gewinn innerhalb von knapp zwei Jahren sind nicht zu verachten. Vor allem dann nicht, wenn man 850 Millionen Euro eingesetzt hat. Tchibo-Erbe Günter Herz und seine Schwester Daniela haben ihren Anteil am Sportartikel- und Modehersteller Puma Börsen-Chart zeigen an den französischen Luxusgüterkonzern Pinault-Printemps-Redoute (PPR, Börsen-Chart zeigen) für geschätzte 1,35 Milliarden Euro verkauft - nach Abschluss der Transaktion dürften rund 500 Millionen Euro Gewinn für die beiden übrig bleiben.

Es ist nicht so, dass Günter und Daniela Herz diese Summe zwingend nötig hätten. Im August 2003 sind sie im Streit mit den drei jüngeren Tchibo-Brüdern entnervt aus dem Kaffeerösterimperium ausgestiegen - für rund vier Milliarden Euro gaben sie ihre Anteile an der Holding ab.

Doch jemand wie Günter Herz, der mit lukrativen Beteiligungen am Kosmetikhersteller Beiersdorf sowie am Zigarettenkonzern Reemtsma die Tchibo-Holding noch reicher gemacht hat, bleibt nicht einfach untätig auf vier Milliarden Euro sitzen. Er sieht sich nach neuen Zielen um - schon deshalb, um es den jüngeren Brüdern Michael, Wolfgang und Joachim Herz zu zeigen.

Ende des Kaffeekränzchens

Auch außerhalb des Kaffeekränzchens, wie die Familie Herz mit hanseatischem Understatement auch genannt wird, wurde Günter Herz schnell fündig. Eine starke Marke, ein solides Geschäft, langfristig attraktive Aussichten: Im Mai 2005 stieg Herz gemeinsam mit seiner Schwester mit knapp 17 Prozent beim Sportartikelhersteller Puma ein. Zu diesem Zeitpunkt notierte die Puma-Aktie Börsen-Chart zeigen bei rund 180 Euro; im September 2005, als die Herzens ihre Beteiligung auf 25 Prozent erhöhten, kostete sie 230 Euro. PPR wird nun 330 Euro pro Aktie zahlen.

Vermögenssprung: Günter Herz scheut Öffentlichkeit. Doch der Puma-Deal bringt ihn zurück in die Schlagzeilen.
Ein glänzendes Geschäft für die Vermögensverwaltung Mayfair, die das Geld von Günter und Daniela Herz anlegt. Ihr Geschäftsführer, der ehemalige Tchibo-Chef Rainer Kutzner, hat nun wieder reichlich Geld für Beteiligungen in der Kasse. Schließlich hält Mayfair, die der begeisterte Segler und Pferdenarr Günter Herz nach einem Vierbeiner aus seinem Gestüt benannt hat, außer der 98-Prozent-Beteiligung am Schiffsprüfkonzern Germanischer Lloyd nur noch einige "kleinere Beteiligungen".

Wobei der Begriff "klein" im Sinne der Familie Herz zu verstehen ist und Werte unter 100 Millionen Euro bezeichnet. Innerhalb der Konsumgüterbranche wolle er sich umsehen, berichtet Kutzner im Gespräch mit manager-magazin.de. Und ja, eine ähnlich starke Marke wie Puma dürfe es schon sein.

"Der Fähigste der Brüder"

Der 66-jährige Günter Herz hat zu lange und zu erfolgreich den Tchibo-Konzern aufgebaut, um sich nach dem erfolgreichen Puma-Investment zur Ruhe zu setzen. Problem für Mayfair ist nicht die fehlende Liquidität, sondern allenfalls der Anstieg der Preise für Unternehmenskäufe, die im Zuge des Übernahmefiebers der Private-Equity-Branche in Deutschland in die Höhe geschossen sind. Doch von Hektik lässt sich jemand wie Günter Herz nicht leiten.

Tchibo-Gründer Max Herz hatte in seinem Testament verfügt, dass "zwei meiner fähigsten Jungs mindestens 51 Prozent der Firmenanteile erhalten" sollen. Mit der Tchibo-Holding hat Sohn Günter nichts mehr zu tun. Doch der Nachweis, wer denn nun der Fähigste der Brüder sei, steht in seinen Augen noch aus: Mit einem ähnlichen Coup wie mit Puma dürfte er weitere Punkte sammeln.

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