Puma Übernahmegerüchte treiben Kurs

Um mehr als zehn Prozent ist der Aktienkurs des Sport- und Modekonzerns Puma am Donnerstag gestiegen. Angeblich soll es einen Kaufinteressenten in Frankreich geben, dem bereits die Marke Gucci gehört. Eine Ad-hoc-Mitteilung von Puma am Abend klärte die Frage, ob es tatsächlich eine Offerte gibt, allerdings nicht.

Frankfurt am Main - "Es kann einfach nicht sein, dass es nichts gibt", kommentierte ein Händler den steilen Anstieg der Puma-Aktie  am Gründonnerstag. Derartige Kursbewegungen seien nicht von erfunden Gerüchten zu erzeugen. Am Markt hielten sich hartnäckig Spekulationen, der französische Luxusgüterkonzern Pinault-Printemps-Redoute  (PPR), Besitzers des Luxusgüterherstellers Gucci , sei ernsthaft an einem Kauf interessiert. Die Franzosen wollte den nach Umsatz drittgrößten Sportartikelhersteller übernehmen, hieß es.

Eine Ad-hoc-Mitteillung von Puma um 20.55 Uhr barg allerdings eine andere mögliche Erklärung für den starken Kursanstieg: Der Konzern kündigte an, 1,27 Millionen seiner Aktien einzuziehen. "Dies wird in den kommenden Werktagen umgesetzt", sagte ein Puma-Sprecher gegenüber manager-magazin.de.

Das Grundkapital sinkt durch die von Vorstand und Aufsichtsrat getroffene Entscheidung um 7,4 Prozent, eine Einziehung von bis zu 10 Prozent wäre nach einem Beschluss der Hauptversammlung aus dem vergangenen Jahr möglich gewesen. Das Management soll während der kommenden Hauptversammlung am Mittwoch erneut ermächtigt werden, bei Bedarf weitere zehn Prozent eigener Aktien zurück zu kaufen.

Aktien im Wert von 400 Millionen Euro verschwinden

Puma teilte mit, dass der Wert des Grundkapitals durch die Einziehung der 1,27 Millionen Aktien um 3,25 Millionen Euro sinke. Diese Angabe bezieht sich (juristisch und buchhalterisch korrekt) auf den Nennwert der Puma-Aktie. Rechnet man jedoch mit dem Aktienkurs vom Gründonnerstag - 314,25 Euro -, ergibt sich eine Summe von knapp 400 Millionen Euro, die den aktuellen Wert des Aktienpakets widerspiegelt. Die eingezogenen Aktien werden vernichtet. Durch die Verringerung der Stückzahl (hier auf unter 16 Millionen) steigt der Kurs der verbleibenden Aktien automatisch, da der Börsenwert des Konzerns (hier 5 Millarden Euro) auf weniger "Portionen" verteilt wird.

Zum Thema PPR gab Puma auch nach Veröffentlichung der Ad-hoc-Mitteilung keinen Kommentar. Laut "Wall Street Journal" (WSJ) befinde sich PPR offenbar in fortgeschrittenen Verhandlungen mit dem größten Einzelaktionär bei Puma, der Hamburger Mayfair GmbH, schreibt die Zeitung unter Berufung auf mit dem Vorgang vertraute Personen. Zuerst solle dieses Viertel der gesamten Puma-Aktien erworben werden. Durch die Reduzierung der Aktienanzahl schwoll das Mayfair-Paket an Puma allerdings von 25,1 auf 27,1 Prozent an. Nach dem Erwerb dieses Pakets wolle PPR eine Offerte für die restlichen Anteile abgeben, so das WSJ. Mayfair ist größter Einzelaktionär bei Puma und Vermögensverwalter der Tchibo-Erben Günter und Daniela Herz. Die beiden Herz-Familienmitglieder stünden kurz vor einer Verkaufsvereinbarung mit PPR, schreibt das "WSJ".

Entscheidung noch vor der HV möglich

Die Transaktion sei noch vor der Hauptversammlung von Puma am kommenden Mittwoch möglich, so das Blatt weiter. Das Vorhaben könne aber auch scheitern. PPR verhandele über einen Preis, der einen Aufschlag auf den Schlusskurs von Puma vom Donnerstag beinhalte. Damit werde der Sportartikelhersteller mit mehr als 5,4 Milliarden Euro bewertet. Sollte eine Vereinbarung zustande kommen, so würde den restlichen Aktionären der gleiche Preis geboten. Ein Sprecher von Puma wollte keinen Kommentar abgeben.

Dem Blatt zufolge könnten weitere Bieter für Puma auftauchen. Allerdings hätten sie es schwer, sollte PPR eine Kaufvereinbarung mit den beiden Mitgliedern der Herz-Familie gelingen. In der Vergangenheit war allerdings auch spekuliert worden, dass die Herz-Geschwister ihren Anteil an Puma aufstocken wollen. Mayfair-Geschäftsführer Rainer Kutzner, der auch im Puma-Aufsichtsrat sitzt, lehnte ebenso wie Unternehmenssprecher Ulf Santjer einen Kommentar ab.

Händler: "Systematische Aufkäufe in Puma-Aktien"

Die im MDax  notierten Aktien des Sportartikelherstellers schossen um zehn Prozent auf 314,25 Euro nach oben. Die an der Pariser Börse gelisteten PPR-Aktien gewannen 0,8 Prozent. "Es ist über den Tag zu systematischen Aufkäufen in Puma-Aktien gekommen", beobachteten verschiedene Händler. Mit Charttechnik wäre der Kursanstieg nicht zu erklären. Der Widerstand bei 312 Euro wurde durchbrochen. Das Papier schloss vor den Osterfeiertagen bei 314,25 Euro, 10,3 Prozent höher als am Mittwoch.

Gerüchte, der Sportartikelhersteller aus Herzogenaurach könnte übernommen werden, sind in den vergangenen Monaten häufig aufgekommen, haben sich bislang aber als gegenstandslos erwiesen. Insbesondere der nach Umsatz weltweit größte Sportartikelhersteller Nike  wurde als Aufkäufer genannt.

manager-magazin.de mit Material von ddp, reuters