Konjunktur Autobahn in Sicht

Die deutsche Konjunktur wird nur kurz runterschalten müssen. Denn nach Ansicht von Citigroup-Chefvolkswirt Jürgen Michels ist die Autobahn schon wieder in Sicht.
Von Rita Syre

Frankfurt am Main - "Deutschlands Konjunktur befindet sich in einer verkehrsberuhigten Zone, also mit ein Paar Pollern auf der Strasse, aber die Autobahn ist wieder in Sicht", fasst Jürgen Michels seine Sicht der Konjunktur bildlich zusammen. Nach Ansicht des Citigroup-Chefvolkswirts für Deutschland wächst die Wirtschaft in diesem Jahr um 2,5 Prozent und damit 0,2 Prozentpunkte schwächer als 2006. Im nächsten Jahr wird dann wieder etwas stärker aufs Gaspedal gedrückt und das Tempo steigt auf 2,7 Prozent.

Sorgen, die kräftige Erhöhung der Mehrwertsteuer könnte den Spaß der Deutschen am Konsum empfindlich bremsen, haben sich nicht bewahrheitet. Das liegt weniger daran, dass Unternehmen die höhere Steuerlast aufgefangen hätten, meint Michels. Besonders für Alkohol, Tabak, Bekleidung sowie Hotels und Restaurants wurde der Großteil der Steuererhöhung an die Kunden weitergegeben.

Vielmehr rechneten die Deutschen mit einem steigenden realen Einkommen. Das verhindere ihr Abgleiten in eine Konsumdepression. Der private Konsum wird, wenn die Prognose von Michels eintrifft, am Ende des Jahres um 1,3 Prozent gewachsen sein, 2008 sogar um 1,8 Prozent. "Die gute Stimmung im Unternehmenssektor kommt nun auch im Konsumsektor an", leitet Michels aus dem Auf und Ab der Klimaindizes vom ifo-Institut und der Gesellschaft für Konsumforschung ab. Dahinter steht vor allem die brummende Exportwirtschaft. Die Unternehmen investieren mit Blick auf die Kapazitätsgrenzen kräftig und das strahlt positiv auf den Arbeitsmarkt ab - und hebt die Kauflaune.

Kräftig steigende Einkommen der größten Volkswirtschaft im Euro-Raum können indes auch die Europäische Zentralbank (EZB) auf den Plan rufen, die Geldversorgung zu verknappen, um so einer zu hohen Inflation vorzubeugen. Das allerdings erwartet der Citigroup-Chefvolkswirt nicht. Die EZB werde den Leitzins erst im vierten Quartal 2007 von derzeit 3,75 Prozent auf 4 Prozent erhöhen. Das werde dann der letzte Schritt in diesem Zinszyklus, prognostiziert Michels.

Denn insgesamt sei in Europa das Risiko zu stark steigender Löhne und Gehälter gering. Nicht das Treten auf die geldpolitische Bremse sei das Motto der Zentralbanker in diesem Jahr, sondern das "Finetuning", wie es Michels nennt. Schließlich seien die Notenbanker weltweit nicht geneigt, das Wirtschaftswachstum abzuwürgen.

Auch Amerika legt wieder zu

Auch Amerika legt wieder zu

Eine heikle Aufgabe, seit es nicht mehr so ungestüm aufwärts geht. Auch wenn die neuen Wachstumsmärkte immer wichtiger für die Drehzahl des globalen Konjunkturmotors werden - im Fokus stehen nach wie die USA, und dort vor allem die Entwicklung auf dem Immobilienmarkt. "Das Schlimmste scheint überstanden zu sein", meint Michels mit Blick auf die Kreditausfälle auf dem so genannten Subprime-Hypothekenmarkt.

Beim "Subprime lending" werden Hypothekenkredite an Hausbesitzer mit geringer Kreditwürdigkeit vergeben. Die Schieflage der auf dieses Geschäft spezialisierten New Century  hat eine Krise am US-Hypothekenmarkt losgetreten. Seitdem diskutieren Volkswirte, ob durch die Subprime-lending-Schieflage die US-Wirtschaft in eine Rezession abgleitet.

Michels hält den Warnern entgegen, dass die finanzielle Lage der amerikanischen Haushalte "noch recht gesund" sei. Ernsthafte Schwierigkeiten sieht er erst dann auf die USA zukommen, wenn die Arbeitslosigkeit im Zuge der Krise am Hypothekarmarkt deutlich steigen sollte. "Aber die Unternehmen scheinen in einer recht komfortablen Situation zu sein", schiebt er schnell nach.

In seiner Konjunkturwelt wird sich das Kapitel Subprime lending deshalb auch nur in einer kurzfristigen Abschwächung des Wirtschaftswachstums niederschlagen. Spätestens gegen Ende des Jahres werde die Dynamik wieder größer, demonstriert er Zuversicht. Für 2007 prognostiziert er ein US-Wachstum von 2,4 Prozent und für 2008 von 3 Prozent. "Sollte die Konjunktur aber doch abtauchen", meint Michels, "dann steht die US-Notenbank unterstützend bereit."

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