Subprimary Loans Das Kreditkarussell der Wall Street

Die Krise am US-Immobilienmarkt ist für die Wall Street ein mehrfaches Risiko. Investmentbanken und Hedgefonds haben das Immobilien-Monopoly in der Vergangenheit mit freigiebigen Krediten befeuert und dabei bestens verdient: Fallen die Problemkredite nun aus, bricht das Kreditkarussell zusammen.

Hamburg - Die Schwierigkeiten bei zahlreichen US-Hypothekenanbietern wie New Century werfen ein Schlaglicht darauf, mit welch hohem Risiko Geldverleiher, Investmentbanken und Hedgefonds in den vergangenen Jahren gespielt haben. Es geht um den Handel mit Krediten mit geringer Sicherheit (Subprimary Loans): Solange die Immobilienpreise in den USA immer weiter stiegen und die Kreditnehmer nicht in Schwierigkeiten gerieten, war damit glänzend Geld zu verdienen.

Anbieter wie New Century  sind im sogenannten "Subprime"-Markt tätig: Sie vergeben Kredite an Häuslebauer und Konsumenten, die eine geringe Bonität haben und entsprechend wenig finanzielle Sicherheiten für ihre Kredite bieten können. Entsprechend höher sind die Kreditzinsen, die die Kunden zahlen müssen.

Während im Jahr 2001 die Subprime Loans noch 5 Prozent ausmachten, waren es nach Angaben von ABN Amro im Jahr 2006 bereits 20 Prozent.

In der Vergangenheit hat dieses Geschäft in den USA glänzend funktioniert. Da die Häuserpreise immer weiter stiegen, konnten die Kreditnehmer ihre Darlehen bedienen und im Einzelfall sogar noch weitere Konsumentendarlehen aufnehmen, da sie mit dem gestiegenen Preis ihres Hauses höhere Sicherheiten bieten konnten. Hohe Darlehenszinsen bei geringen Ausfallraten: Dieses spekulative, aber extrem lukrative Geschäft zog auch Investmentbanken und Hedgefonds magisch an.

Hedgefonds kaufen Darlehen auf

Hedgefonds kaufen Darlehen auf

Investmentbanken wie Morgan Stanley , Goldman Sachs , Merrill Lynch  oder Citigroup  haben sich nach Angaben von CNN in der Vergangenheit auch deshalb als "Gewinnmaschinen" gezeigt, weil sie viel Geld in dieses spekulative Darlehensgeschäft gesteckt haben. In der Regel kaufen Investmentbanken diese Kredite von den Hypothekenanbietern auf, schnüren sie zu neuen Paketen zusammen und reichen sie an Hedgefonds oder auch US-Pensionsfonds weiter.

Der vom Konkurs bedrohte Hypothekenanbieter New Century bestätigte, dass er enge finanzielle Verbindungen mit zahlreichen großen Investmentbanken pflege.

Die US-Banken Lehman Brothers  sowie Bear Stearns gehören nach Einschätzung von CNN zu den aggressivsten Spielern, wenn es darum geht, Problemkredite aufzukaufen, sie neu zu organisieren und weiterzuverkaufen. Banken wie Morgan Stanley  und Merrill Lynch  haben sich nicht darauf beschränkt, die Kredite der Hypothekenanbieter zu übernehmen und damit immer neues Geld zur Verfügung zu stellen: Sie kauften selbst einige der Kreditgeber, um noch stärker in dem Spiel mitzumischen.

Wo bei der ständigen Weitervergabe von Problemkrediten letztlich das Risiko hängenbleibt, gerät in den Hintergrund - so lange sich das Kreditkarussell noch dreht. Nach Schätzungen der Ratingagentur Moodys könnte sich die Zahl der Kreditausfälle im Hypothekensegment nun jedoch auf rund 800.000 verdoppeln - und auch die Zahl der Zwangsversteigerungen bei Immobilien dürfte rasant steigen.

Schluss mit dem leichten Geldverdienen

Ende des hoch lukrativen Geschäfts

Mit der Abkühlung am US-Immobilienmarkt sind nun auch die Investmentbanken doppelt verwundbar. Zum einen droht ihnen der Ausfall von Krediten in Milliardenhöhe, sollten zahlreiche US-Hypothekenanbieter Konkurs anmelden und das ihrerseits von den großen US-Banken geliehene Geld nicht zurückzahlen können.

Zweitens droht dem Kreditkarussell eine Vollbremsung: Angesichts der steigenden Zahl fauler Kredite wird sich kaum noch jemand finden, der die neu verpackten Kredite der Investmentbanken seinerseits übernehmen will. Das Spiel mit dem Risiko funktioniert so lange, wie der Ernstfall nicht eintritt. "Es geht nicht nur um die Verluste, welche die Banken durch den Ausfall der Kredite erleiden", sagte US-Analyst Dick Bove gegenüber CNN. "Es geht auch darum, dass ein lukratives Geschäft zum Stillstand kommt."

Häuserpreise fallen weiter

Selbst wenn die großen Investmentbanken diesen Verlust verschmerzen: Für den Konsum in den USA ist eine drastische Abkühlung des Immobilienmarkts eine große Gefahr.

Nach Angaben des Center for Economic Research sind die Leerstände in den USA bereits deutlich gestiegen, während die Preise um rund 3 Prozent gefallen sind. Jetzt, da viele Hypothekenanbieter in Schwierigkeiten geraten sind, dürfte es für sehr viele Häuslebauer in den USA sehr schwierig werden, überhaupt noch ein Darlehen zu bekommen.

Damit könnte die Zahl der potenziellen Hauskäufer nach Schätzungen des Instituts um rund eine Million zurückgehen. Weniger Käufer und steigende Kreditzinsen bedeuten: Die Preise für US-Immobilien dürften weiter fallen.

Wenn zudem die Kredite platzen und die Schuldner ihren Konsum einschränken, bekommt die Gesamtwirtschaft die Folgen zu spüren. Einer neuen Studie des Center for Responsible Lending zufolge werden in den USA in naher Zukunft 2,2 Millionen Häuser gerichtlich beschlagnahmt.

Dämpfer für US-Konsum

Die entscheidende Frage, die über die Entwicklung an den Aktienmärkten in den kommenden Tagen bestimmen wird, lautet: Wie stark werden die Probleme am US-Immobilienmarkt auf den Konsum in den USA durchschlagen? Indizien für einen Dämpfer gibt es genug.

Viele US-Bürger haben einen Teil ihres privaten Konsums mit Hilfe steigender Immobilienpreise finanziert. Sie haben zusätzliche Konsumentenkredite auf ihre Häuser aufgenommen, da der Wert der Immobilie gestiegen war.

Dieser Variante des Konsums auf Pump droht nun das Aus - mit entsprechenden Folgen für die US-Wirtschaft. Der private Konsum ist für zwei Drittel der Wirtschaftsleistung in den USA verantwortlich. Warnende Stimmen, dass ein Platzen der Immobilienmarktblase auch empfindlich auf die allgemeine Konsumnachfrage durchschlagen könnte, gab es genug.

manager-magazin.de mit Material von CNN

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