Konjunktur ZEW-Index steigt stärker als erwartet

Die mittelfristigen Konjunkturerwartungen für Deutschland haben sich im März weiter verbessert. Der Index des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) stieg von 2,9 Punkten im Februar auf 5,8 Punkte. Die Bewertung der aktuellen Lage verschlechterte sich allerdings erstmals seit Juni 2005 wieder.

Mannheim - Die Konjunkturerwartungen deutscher Finanzexperten haben sich im März stärker als erwartet aufgehellt. Die ZEW-Konjunkturerwartungen stiegen von 2,9 Punkten im Vormonat auf 5,8 Punkte, wie das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag in Mannheim mitteilte. Es war der vierte Anstieg in Folge.

Volkswirte hatten Umfragen zufolge lediglich mit einer Verbesserung auf rund 3 Punkte gerechnet. Der Indikator liegt damit aber weiterhin unter seinem historischen Mittelwert von 33,2 Punkten.

Die aktuelle Lage schätzten die Umfrageteilnehmer erstmals seit Juni 2005 wieder negativer ein: Der Teilindex sank um 1,7 Punkte auf 69,2 - nach 70,9 Zählern im Vormonat. Diese Entwicklung hatte sich bereits im Februar mit einer nachlassenden Dynamik angedeutet: Der Indikator war nur geringfügig um 0,3 Punkte auf 70,9 Punkte gestiegen. Experten hatten daher einen stärkeren Rückgang auf 67,6 Punkte erwartet.

"Die deutsche Wirtschaft befindet sich weiterhin auf Expansionskurs, und die Nachfrage nach Arbeit steigt", kommentierte ZEW-Präsident Wolfgang Franz die Umfrage unter rund 300 Finanzmarktprofis. Dies sollte von den Tarifvertragsparteien jedoch nicht für überzogene Lohnforderungen missbraucht werden.

Die ZEW-Konjunkturerwartungen signalisierten, dass sich der Aufschwung der deutschen Wirtschaft fortsetze. So entwickelten sich die inländischen Auftragseingänge trotz der Mehrwertsteuererhöhung stabil, auch die Stimmung unter den Konsumenten habe sich dank guter Arbeitsmarktdaten beruhigt. "Nachdenklich stimmen hingegen nachlassende Auftragseingänge aus dem Ausland, die als Anzeichen für eine beginnende nachlassende weltweite Nachfrage interpretiert werden können", erklärte das ZEW. Ein weiteres Risiko bestehe in einem Ölpreisanstieg.

Deutschland als Konjunkturlokomotive

Deutschland als Konjunkturlokomotive

Der ZEW-Konjunkturindikator gilt als einer der wichtigsten Stimmungsindikatoren der deutschen Wirtschaft. Für ihn werden regelmäßig rund 300 Analysten und institutionelle Anleger befragt.

Auch das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) veröffentlichte am Dienstag Konjunkturzahlen. Demnach wird die Weltwirtschaft in diesem Jahr kräftiger wachsen als die Länder im Euro-Raum. Zwar hoben die Forscher ihre Prognose für das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes im Währungsgebiet von 2,4 auf 2,7 Prozent an. Der Weltwirtschaft werde aber ein Plus von 4,7 Prozent zugetraut, teilte das IfW mit. Bislang wurden 4,4 Prozent vorausgesagt.

Konjunkturlokomotive in der Euro-Zone ist den Forschern zufolge Deutschland, das mit 2,8 Prozent überdurchschnittlich zulegen sollte. Für 2008 sagt das IfW ein schwächeres Wachstum von 2,3 Prozent in der Euro-Zone voraus. Ein Grund dafür seien die steigenden Leitzinsen: Bis zum Jahresende werde die Europäische Zentralbank die Zinsen auf 4,25 von aktuell 3,75 Prozent anheben.

"Die Investitionen verlieren im Prognosezeitraum angesichts der höheren Zinsen und weniger günstiger Absatz- und Ertragsaussichten allmählich an Schwung", hieß es. Entsprechend werde die Gangart etwas langsamer. Die Weltwirtschaft dürfte auch 2008 dynamisch bleiben und ähnlich stark wachsen wie in diesem Jahr.

Die US-Wirtschaft habe zwar an Dynamik verloren, aber der Aufschwung in Japan und in der EU setze sich fort. Da die Unternehmen weltweit kräftig investiert hätten, expandiere die Weltwirtschaft weiter stark. "Für ein höheres Wachstumspotenzial spricht die zunehmende Integration Chinas und Indiens in die Weltwirtschaft, die über ein enormes Arbeitskräftepotenzial verfügen", erklärte das IfW. Entscheidend für den Aufschwung sei die moderate Inflation und der gesunkene Ölpreis. Auch die Geldpolitik der Zentralbanken stehe einem kräftigen Produktionsanstieg nicht entgegen.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx, reuters und ddp