Condomi Abgang eines Börsenlieblings

Bei seinem Börsendebüt wurde er belacht und gefeiert - jetzt ist der Kölner Präservativhersteller Condomi offenbar Pleite. Das Finanzamt Köln-Nord stellte einem Bericht zufolge Insolvenzantrag über das Vermögen. Die Deutsche Börse setzte den Handel mit den Papieren aus, die zuletzt nur noch schlappe 56 Cent wert waren.

Frankfurt - Der Kölner Präservativhersteller Condomi  ist offenbar pleite. Das Finanzamt Köln Nord stellte beim Amtsgericht Köln Insolvenzantrag über das Vermögen, wie das "Handelsblatt" am Dienstag berichtete. Die Aktie des einstigen Börsenlieblings wurde von der Deutschen Börse vom Handel ausgesetzt. Der Kurs, der zu besten Zeiten bei 31,50 Euro lag, ist bei 56 Cent eingefroren.

Das Amtsgericht Köln hat dem Bericht zufolge einen Gutachter bestellt, der prüfen soll, ob bei der Condomi AG ein Insolvenzgrund vorliegt und ob überhaupt noch genug Masse für ein solches Verfahren vorhanden ist. Condomi verstößt nach Recherchen der Zeitung seit längerem gegen mehrere gesetzliche Vorschriften für Aktiengesellschaften. Unter anderem legt das Unternehmen schon seit Jahren keine Bilanzen mehr vor. Der Vorstandschef sei trotz intensiver Nachforschungen nicht zu erreichen.

Eine Sprecherin der Deutschen Börse bestätigte dem "Handelsblatt", dass die Börse schon 2005 gegen die Condomi AG ein Ordnungsgeld in fünfstelliger Höhe verhängte. Die Zahlung stehe bis heute aus. Der Condomi-Aufsichtsrat wechselte allein 2005 drei mal, seine Zusammensetzung ist derzeit unklar. Für die Berufung des Aufsichtsrates ist laut Aktiengesetz die Hauptversammlung einer Gesellschaft zuständig. Die letzte Hauptversammlung bei der Condomi AG liegt aber schon vier Jahre zurück.

Die Condomi AG ist praktisch nur noch eine leere Hülle. Nachdem das Unternehmen durch eine verfehlte Expansionsstrategie in Turbulenzen geriet, kaufte die polnische Tochtergesellschaft Unimil den Gläubigerbanken die Schulden der Mutter ab. Anschließend übernahm die Unimil die Markenrechte von Condomi, die Kundenbeziehungen und die Mehrheit an der 35 Millionen Euro teuren neuen Kondomfabrik in Erfurt.

Marcus Sühling von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger recherchiert seit Monaten, ob es bei Condomi AG mit rechten Dingen zuging. "Ich vermute hier eine Aushöhlung der Aktiengesellschaft unter dem Deckmantel der Sanierung", sagte Sühling dem Blatt. Er habe inzwischen gegen sämtliche Organe der Gesellschaft Strafanzeige wegen Insolvenzverschleppung gestellt und prüfe eine Anzeige wegen Veruntreuung.

manager-magazin. de mit Material von reuters und ddp

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