EADS Airbus vernichtet Gewinne

Das Tochterunternehmen Airbus hat die Gewinne des EADS-Konzerns drastisch reduziert. Nur die übrigen Geschäftsbereiche von EADS haben den Verlust des Flugzeugbauers im vergangenen Jahr ausgleichen können. Für 2007 erwartet der Konzern weiter Verluste bei Airbus - und neue Investoren.

München - Der Luft- und Raumfahrtkonzern EADS  hat im vergangenen Jahr wegen der Krise bei seiner Flugzeugbau-Tochter Airbus einen dramatischen Gewinneinbruch erlitten. Nach einem Überschuss von 1,8 Milliarden Euro im Vorjahr sei 2006 nur noch ein Gewinn von 99 Millionen Euro angefallen, teilte das Unternehmen am Freitag in Oberschleißheim bei München mit.

Der operative Gewinn vor Firmenwertabschreibungen und außerordentlichen Posten, bei EADS als Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) ausgewiesen, sank von 2,9 Milliarden auf 399 Millionen Euro. Der Umsatz kletterte um 15 Prozent von 34,2 auf 39,4 Milliarden Euro.

Bei Airbus, der mit seinem umstrittenen Sparprogramm Power 8 wieder aus der Krise fliegen will, stiegen die Umsätze zwar um 14 Prozent auf 25,2 Milliarden Euro, das Ebit aber brach nach einem Gewinn von 2,3 Milliarden Euro im Vorjahr ein. Hier wurde unter anderem wegen der Verzögerungen beim A380 und wegen negativer Währungseffekte ein Verlust von 572 Millionen Euro verbucht.

Die momentane Schwäche ist für industrielle Investoren aber offenbar weniger abschreckend, denn einladend. EADS will ihren Kreis der industriellen Investoren erweitern. Es würden bereits Vorgespräche geführt, sagte EADS-Co-CEO Tom Enders. Er sei sicher, dass der Kreis der industriellen Investoren erweitert werden könnte. Das Interesse im Markt sei vorhanden.

Kostenvolatilität durch Produktionsprobleme

Derzeit erwartet EADS, dass die Anzahl der Flugzeugauslieferungen weiter steigt. Die Wachstumsraten sollen aber geringer ausfallen. Der Umsatz von Airbus werde sehr wahrscheinlich von einem weniger vorteilhaften Flugzeug-Mix und zudem von der Preisgestaltung der jüngsten Aufträge beeinflusst werden.

Bei den Aufwendungen für Forschung und Entwicklung (F&E) ist laut EADS ein schrittweiser Anstieg geplant, resultierend aus der Entwicklung des Flugzeuges A350XWB und steigenden Aufwendungen für Forschung und Technologien (F&T).

Aufgrund des veränderten Airbus-Managements und der Kostenvolatilität im Zuge der aktuellen industriellen Problemen bei Flugzeugprogrammen arbeite das Management an der Erstellung einer zufrieden stellenden langfristigen Planung für Airbus. Es konzentriere sich derzeit darauf, die Kostenbasis neu zu ordnen mit dem Ziel, eine Ebit-Marge im mittleren einstelligen Prozentbereich zu erreichen.

Für alle anderen Geschäftsbereiche erwartet EADS insgesamt steigende Umsatz- und Ebit-Beiträge für die nächsten Jahre. Ziel des EADS-Managements sei es, die Ebit-Margen konzernweit wieder zu stärken, wenngleich auf ein niedrigeres Niveau als 2005. Einen Dividendenvorschlag machte EADS noch nicht. Dieser soll bei der nächsten Sitzung des Verwaltungsrat besprochen werden.

"Ein schlankeres Unternehmen formen"

"Ein schlankeres Unternehmen formen"

Die Umsetzung des Sparprogramms Power 8 bei Airbus hat für EADS absolute Priorität. Wie die Co-Vorsitzenden des Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS, Louis Gallois und Thomas Enders, anlässlich der Bilanzvorlage erklärten, "ist es dringend notwendig, das Power-8-Programm nun umzusetzen und Airbus neu aufzustellen. Dies wird einige Zeit in Anspruch nehmen, aber durch Power 8 wird Airbus deutlich stärker integriert und effizienter werden."

Nach den Plänen der Airbus-Mutter EADS sollen europaweit 10.000 Stellen gestrichen werden, davon 4300 in Frankreich und 3700 in Deutschland. Für die deutschen Werke in Varel und Laupheim mit zusammen 2500 Beschäftigten sowie St. Nazaire-Stadt sucht Airbus Käufer, für Nordenham mit 2200 Beschäftigten sowie Fulton in Großbritannien und Méaulte in Frankreich Industriepartner.

Die Prioritäten für 2007 seien klar: "Wir müssen uns operativ weiter verbessern, das Vertrauen in die EADS wiederherstellen und ein schlankeres, dynamischeres Unternehmen formen", erklärten die Vorstandschefs.

Die Schwierigkeiten bei Airbus hätten den Auftragseingang für mehr als 790 Flugzeuge, die Rekordzahl von 434 ausgelieferten Maschinen, den Programmstart für den A350XWB und die Musterzulassung der A380 im vergangenen Jahr überschattet, teilte das Unternehmen mit. Für 2007 erwartet Airbus 440 bis 450 Auslieferungen.

Für mehr Effienz Geduld aufbringen

Für mehr Effienz Geduld aufbringen

EADS blieb trotz steigender Gewinne der Rüstungs- und Hubschraubersparten unter dem Strich 2006 nur ein Mini-Gewinn von 99 Millionen Euro, nach 1,67 Milliarden im Vorjahr. Der auf 10 Milliarden Euro gestiegene Umsatz in der Rüstungs- und Hubschraubersparte soll im laufenden Jahr auf dieser Höhe bleiben und der operative Gewinn von 810 Millionen auf eine Milliarde Euro steigen.

Es werde nun "einige Zeit in Anspruch nehmen", bis Airbus mit der neuen Struktur effektiver arbeite, sagten Enders und sein französischer Kollege Gallois, der zugleich Airbus-Chef ist. Die Co-Chefs von Airbus räumten auch ein, dass eine schlechte Absicherung gegen den hohen Dollarkurs mitverantwortlich dafür sei, dass Airbus 2007 tief in den roten Zahlen stecken bleiben werde. Die technischen Verzögerungen bei der A380 und die Strafzahlungen an Kunden kosteten 2,5 Milliarden Euro. Mit zwei Jahren Verspätung soll die erste A380 im Oktober ausgeliefert werden. Im kommenden Jahr will Airbus die Auslieferungen auf 440 bis 450 Flugzeuge steigern.

Das Auftragsbuch erreichte 2006 mit 2.533 Flugzeugen für 210 Milliarden Euro einen Rekordwert. Die Kasse von EADS ist mit Barmitteln über 4,2 Milliarden Euro derzeit noch gut gefüllt. Aber der Free Cash Flow werde 2007 wegen Airbus ins Minus rutschen, kündigte EADS an. Frankreich will bei einer Kapitalerhöhung seine Anteile erhöhen und die Vormacht übernehmen, die Bundesregierung hat jedoch ihr Veto angekündigt.

manager-magazin.de mit Material von dpa, dow jones, reuters

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