Greenspan Zuviel Vertrauen in die Börse

Die Investoren sind beim Aktienkauf unkritischer geworden, meint US-Notenbankchef Greenspan. Eine plötzliche Panik sei durchaus möglich. Die Finanzbranche sei gut beraten, dafür Reserven aufzubauen.

Washington - Fed-Chairman Alan Greenspan hat indirekt die Frage aufgeworfen, ob US-Aktien nicht überbewertet seien. In einer Rede vor Bankmanagern zum Risk-Management warnte er am Donnerstagabend, dass mit steigenden Aktienkursen die Risiken für Investoren und Anleger zunähmen. Er empfehle deshalb, die Reserven aufzustocken.

Nicht die Notenbank, sondern die Finanzinstitute müssten bewerten, ob die Aktienmärkte überbewertet seien oder nicht. Sie sollten dabei auch an weltweite Krisen denken.

Verluste seien von Zeit zu Zeit unausweichlich, wenn Investoren das Vertrauen in die Finanzmärkte verlören, meinte Greenspan. Das sei etwa zuletzt vor einem Jahr der Fall gewesen, als Russland in die Schuldenkrise rutschte.

Zur Zeit würden Anleger Aktien eher unkritisch kaufen. Die Kernfrage, so Greenspan, sei deshalb, ob sich das so genannte "Equity Premium" weiter verkleinere. Damit wird die Extra-Rendite bezeichnet, die Anleger verlangen, damit sie in Aktien investieren und nicht in etwas sichere Anleihen. Dieses Premium war von einem historischen Hoch von sieben Prozentpunkten auf vier Prozentpunkte gefallen. Häufig werden Aktien auf lange Sicht sogar als ähnlich sicher bezeichnet wie US-Staatsanleihen.

Ein abrupter Anstieg bei den Equity Premiums würde bedeuten, dass die Nachfrage an den Börsen zurückginge und die meisten privaten Anleger bei ihren Aktien Kursverluste hinnehmen müssten, erklärte Greenspan.

Sollte der Rückgang der Equity Premiums nur vorübergehend sein, gehen Risikomanager möglicherweise in die falsche Richtung. Eine klassische Diversifizierung des Portfolios - der Einkauf vieler verschiedener Aktien und Anleihen, um das Risiko zu minimieren - dürfte kaum ausreichen, wenn es zu einer Panik käme. Banken und Versicherer sollten einkalkulieren, dass bei einer Panik alle Instrumente, also auch liquide und im allgemein als risikolos angesehene Geldanlagen betroffen wären.