Börsenschluss Dax halbiert Tagesverlust

Die Weltbörsen kämpfen weiter mit den Schockwellen des Kurseinbruchs in Schanghai vor einer Woche. Auch am deutschen Aktienmarkt ging es wieder abwärts. Metro und Commerzbank legten als einzige Dax-Aktien zu.

Frankfurt am Main - Die wichtigsten deutschen Börsenindizes lagen am Montag zunächst deutlich in der Verlustzone. Der Dax  verlor in der Spitze bis zu 2,4 Prozent, der MDax  gab um bis 16 Uhr 2,8 Prozent auf 9263 Punkte nach. Der TecDax  büßte 3,5 Prozent auf 768,34 Punkte ein.

Doch kurz vor Handelsschluss erholten sich die Indizes deutlich. Der Dax tendierte gegen 17.15 Uhr nur noch 0,6 Prozent im Minus, schloss dann angesichts der guten Entwicklung an den US-Börsen 1,04 Prozent schwächer bei 6534 Punkten und damit deutlich über seinem Tagestief bei 6.437 Zählern. Der MDax gab um 1,63 Prozent auf 9.367 Punkte nach. Der TecDax verlor 2,24 Prozent auf 778,10 Zähler.

Aktienstratege Ralf Zimmermann von Sal. Oppenheim nannte neben der Wall Street US-Konjunkturdaten als möglichen Grund für die geringeren Verluste am deutschen Aktienmarkt. "Die Beschäftigungskomponente beim Einkaufsmanagerindex ISM Dienste ist leicht nach oben gegangen - vielleicht hat der Markt das mit Blick auf die am Freitag anstehenden US-Arbeitsmarktdaten mit Erleichterung aufgenommen", sagte der Experte. Allerdings habe der Index insgesamt sich deutlich stärker als erwartet eingetrübt. Sollten die Arbeitsmarktzahlen daher negativ überraschen, gebe es weiteres Abwärtsrisiko für die Märkte. Dow Jones  und Nasdaq Composite  notierten aber am Montag zunächst leicht im Plus.

Eon-Aktien hielten sich mit minus 0,36 Prozent auf 97,44 Euro gegenüber dem Markt vergleichsweise gut. Nach dem überraschenden Einstieg des italienischen Energieriesen Enel  beim spanischen Stromversorger Endesa  planen die Düsseldorfer laut "SPIEGEL" angeblich, sich eine Beteiligung von bis zu 25 Prozent an Enel zu sichern. Zuletzt gab die italienische Regierung bekannt, sie wolle Eon  bei einem Einstieg bei Enel keine Steine in den Weg legen.

Im Bann der japanischen Stahltitel

Positiv beeinflussten andere Gerüchte, wonach die beiden Großaktionäre von Endesa, Acconia und Enel, eine Zerschlagung des spanischen Versorgers planten. Damit würde für Eon ein Konkurrent aus dem Weg geräumt.

Stahlwerte gehörten zu den größten Verlierern. Die Aktie von ThyssenKrupp  gab am Dax-Ende 3,3 Prozent auf 35,79 Euro ab. Für das Papier der MDax-notierten Salzgitter  ging es um 2,7 Prozent auf 91,07 Euro nach unten. Die Titel von Klöckner & Co.  verloren trotz einer positiven Studie 4,06 Prozent auf 36,35 Euro. Händler verwiesen auf Japan, wo die Stahltitel herbe Verluste erlitten hatten.

ThyssenKrupp und Henkel hinten

ThyssenKrupp und Henkel hinten

Die Henkel-Aktie  gab nach einem negativen Analysten-Kommentar 2,14 Prozent auf 103,31 Euro ab. Die Quartalszahlen seien von niedriger Qualität gewesen, schrieb Merrill Lynch in einer Studie. Zudem sei die Bruttomarge außergewöhnlich schwach gewesen.

Stada-Aktien  erholten sich nach der Vorlage von Zahlen von ihrem Tagestief bei 40,29 Euro und verzeichneten als einer der wenigen Werte ein deutliches Plus von 1,33 Prozent auf 43,55 Euro. Der Generika-Hersteller hat im abgelaufenen Geschäftsjahr Umsatz und operatives Ergebnis gesteigert und eine kräftige Dividendenerhöhung angekündigt.

Neben ThyssenKrupp, Henkel  und Lufthansa  bog auch MAN  auf die Verliererstraße ein - 3,8 Prozent auf 77,60 Euro verloren die Aktien bis zum Nachmittag. Metro  und Commerzbank  wurden mit kleinen Kurszuwächsen die Tagesgewinner, auf Platz drei folgte die Deutschen Telekom .

Unterstützung erst bei 6200 Punkten?

Viele Börsenexperten zeigten sich skeptisch. "Wir rechnen in der neuen Börsenwoche mit einer anhaltenden Korrektur", sagt beispielsweise Michael Köhler von der Landesbank Baden-Württemberg. Und die Landesbank Berlin ergänzt: "Beim Dax halten wir in den kommenden Wochen einen Rückfall bis zur Unterstützung um 6200 Punkte für durchaus möglich."

Einzig im TecDax verbuchen Freenet - und Mobilcom -Anleger leichte Gewinne von 0,5 sowie 0,15 Prozent, die Anteilsscheine aller anderen Firmen in den beiden Auswahlindizes MDax sowie TecDax der Frankfurter Börse stehen in den roten Zahlen.

Asiens tiefrote Vorgaben

Asiens tiefrote Vorgaben

Die Aktienmärkte in Asien waren erneut mit Kursverlusten in die neue Woche gestartet. Der Nikkei-Aktienindex  in Tokio fiel am Montag deutlich unter die Marke von 17.000 Punkten und damit auf den tiefsten Stand in diesem Jahr. Das 225 Werte umfassende Börsenbarometer schloss 3,34 Prozent im Minus bei 16.642 Punkten. Es war der größte prozentuale Tagesverlust seit neun Monaten. Der breiter gefasste Topix verlor 3,42 Prozent auf 1662 Zähler.

Ähnlich sah es an den anderen Börsenplätzen aus: In Südkorea ging es 2,7 Prozent bergab und in Hongkong knapp drei Prozent. Taiwan verlor 3,74 und Singapur gar 4,5 Prozent. "Es scheint irgendetwas Schlimmes zu passieren, aber es gibt keinen eindeutigen Grund. Das Unwissen macht die Lage schlimmer und so verkaufen die Leute einfach nur noch", sagte Lim Chang Gue von Samsung Investment Trust in Seoul.

Harte Zeiten für Devisenspekulanten

In Schanghai gab der chinesische SSE Composite 3,5 Prozent nach. Der dortige Kurssturz am Dienstag hatte für Verunsicherung bei den Anlegern weltweit gesorgt und zu den größten Verlusten seit 2001 geführt. "Heute wird es wehtun", hatte Shinji Igarashi von Chuo Securities die Entwicklung in Asien vorhergesagt. "Es gibt wirklich überhaupt keine Gründe, zu kaufen."

Für die Verluste wurden erneut auch Carry Trades verantwortlich gemacht. Dabei leihen sich Anleger Geld in niedrig verzinsten Währungen wie dem Yen und legen die Mittel in Hochzinswährungen wie Euro oder Dollar an. "Hedge-Fonds-Manager und Spekulanten, die Aktien mit Geld aus Carry Trades gekauft haben, müssen ihre Aktien jetzt verkaufen, um ihre Währungspositionen zu schließen", sagte Kenichi Hirano von Tachibana Securities.

manager-magazin.de mit Material von dpa, reuters

Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.