Bundesbank Armer Dollar, stolzer Euro

Hans Reckers sieht die Position des Euro gegenüber dem Dollar als "gerechtfertigt" an. Auf einer Veranstaltung der "manager-lounge" in Frankfurt ließ der Bundesbank-Vorstand keinen Zweifel daran, dass der Dollar in absehbarer Zeit nicht an Stärke gewinnen wird.
Von Rita Syre

Frankfurt am Main - Die Bilanz fällt positiv aus. Acht Jahre nach der Einführung der europäischen Einheitswährung als Buchgeld und fünf Jahre nach der als Bargeld könne eine "positive Zwischenbilanz" gezogen werden, sagte Bundesbank-Vorstand Hans Reckers exklusiv auf einer Veranstaltung der "manager-lounge" in Frankfurt. Die Geldwertstabilität sei vorhanden. Und das ist schließlich das entscheidende Kriterium für einen Notenbanker.

Das Ziel der Geldwertstabilität sei mit einer Inflationsrate von knapp 2 Prozent im Euro-Raum so gut wie erreicht. In den acht Jahren seit der Euro-Einführung habe die Teuerungsrate im Schnitt bei rund 2,1 Prozent gelegen. Selbst in der 50-jährigen Geschichte der Mark habe die Inflationsrate durchschnittlich 2,8 Prozent erreicht. Reckers attestierte der Währung denn auch die "gleiche Qualität" wie der Mark.

An der Euro-Stärke wird sich seiner Ansicht nach so schnell auch nichts ändern. Aufgrund der fundamentalen Daten im Euro-Raum und dem amerikanischen Leistungsbilanzdefizit sei die Stärke der europäischen Währung "gerechtfertigt". Sorgen um etwaige Belastungen beispielsweise für die Exportwirtschaft wegen des hohen Wechselkurses macht sich der Bundesbanker nicht. "Mit dem derzeitigen Wechselkursniveau können alle gut leben", meinte er. Zudem bestehe die Gefahr einer importierten Inflation, wenn der Kurs deutlich sinken würde. Der Euro wird derzeit zum Dollar bei etwa 1,32 Dollar notiert.

Die zunehmende Infragestellung der Unabhängigkeit der Europäischen Zentralbank (EZB) durch die französischen Präsidentschaftskandidaten sorgt Reckers noch nicht besonders. Die Präsidentschaftskandidaten wie Ségolène Royal, Nicolas Sarkozy und Premierminister Dominique de Villepin forderten politischem Einfluss auf die EZB vor allem in Wechselkursfragen. "Die Einstellung in Frankreich zur Unabhängigkeit der EZB ist noch nicht gekippt", meint er, aber das dortige Geschehen müsse beobachtet werden.

Wichtiger ist für den Bundesbanker eine andere Entwicklung. Mehrere Finanzminister der Euro-Gruppe hatten kürzlich in Richtung EZB adressiert, dass die Inflation im Euro-Raum derzeit keinen Anlass zur Sorge sei. In der Euro-Gruppe versammeln sich die Finanzminister der Staaten mit der Euro-Währung. Der Vorsitzender dieser Euro-Gruppe, Jean-Claude Juncker, hatte vorgeschlagen, die Diskussionen über Wechselkurse vertieft und fester Bestandteil der Sitzungen der Euro-Gruppe werden sollen, wenn diese über die makroökonomische Situation debattiert. Der Spielraum für die Mitsprache der Regierungen in der Wechselkurspolitik solle "voll ausgeschöpft" werden.

Das Verhältnis der Euro-Gruppe zur EZB, so Reckers, müsse genau beobachtet werden. "Es ist sehr wichtig, dass die Euro-Gruppe nicht in eine Position gelangt, von der aus sie Druck auf die EZB ausüben kann", warnte der Notenbanker.

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