Jahresbilanz Merck erhöht Dividende

Der Darmstädter Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck strebt nach einem Rekordgewinn 2006 und der Übernahme des Schweizer Biotechnologie-Unternehmens Serono weitere Steigerungen bei Umsatz und Ergebnis an. Zur erhöhten Ausschüttung kommt eine Bonusdividende hinzu.

Darmstadt - Wie die Merck KGaA am Donnerstag in Darmstadt mitteilte, soll im laufenden Geschäftsjahr das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) vor Sondermaßnahmen im gut zweistelligen Bereich zulegen. Der Umsatz soll ohne Berücksichtigung der für 11 Milliarden Euro übernommenen Serono und der zum Verkauf stehenden Generikasparte im oberen einstelligen Prozentbereich zulegen.

Nach endgültigen Zahlen für 2006 verbuchte Merck einen Umsatzanstieg von 8,5 Prozent auf 6,258 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis verbesserte sich um 25,1 Prozent auf 1,105 Milliarden Euro, während das Ergebnis nach Steuern um 48,8 Prozent auf 1,001 Milliarden Euro kletterte.

Merck hatte bereits Mitte Januar vorläufige Zahlen für 2006 vorgelegt. Das Unternehmen will nach dem Milliardengewinn die Dividende auf 0,90 Euro je Aktie erhöhen.

Zusätzlich zu dieser Ausschüttung will Merck eine einmalige Bonusdividende von 0,15 Euro pro Aktie zahlen. Im Vorjahr hatten die Darmstädter 0,85 Euro pro Anteilsschein ausgeschüttet.

Rückläufiger Nettogewinn in 2007

Die Merck KGaA wird im laufenden Jahr einen "merklichen" Rückgang des Gewinns vor und nach Steuern verbuchen, wie aus dem am Donnerstag veröffentlichten Jahresbericht hervorgeht. Hintergrund ist die Übernahme des schweizerischen Biotechnologieunternehmens Serono und dabei anfallende Sonderposten.

Auf operativer Ebene und damit vor Sondermaßnahmen und ohne die zur Disposition stehende Sparte "Generics" rechnet Merck (ohne Serono) dagegen mit einem Anstieg des EBIT im gut zweistelligen Prozentbereich und einem Umsatzplus im oberen einstelligen Prozentbereich. Für Serono allein prognostizierte Merck am Donnerstag für EBIT und Umsatz die gleichen Steigerungsraten.

Abschreibungen belasten

Das operative Ergebnis der Gruppe werde 2007 von zusätzlichen Abschreibungen der im Rahmen der sogenannten Kaufpreisallokation angesetzten immateriellen Wirtschaftsgüter und Sachanlagen belastet, begründete Merck die Erwartund von Einbußen.

Nach Steuern werde das Ergebnis 2007 ferner von rund 0,7 Milliarden Euro einmaligem Aufwand aus der Amortisierung der neu bewerteten Serono-Vorräte negativ beeinflusst. Wegen ihrer Einmaligkeit und Höhe will Merck die Beträge in den Sondermaßnahmen ausweisen. Darüber hinaus drückt die Zinsbelastung aus der Finanzierung von Serono das Ergebnis nach Steuern.

Analysten mit Ausblick zufrieden

Analysten mit Ausblick zufrieden

Analysten beurteilten den Ausblick von Merck in ersten Einschätzungen dennoch positiv. Bei den Vorgängen handele es sich um buchhalterische Vorgänge, die bei großen Zukäufen notwendig würden und die jedoch nichts mit der operativen Performance des Unternehmens zu tun hätten, sagte beispielsweise Analyst Carsten Kunold von Merck Finck & Co.

Der Vorsitzende der Geschäftleitung des Unternehmens Michael Römer gabe sich weiter zuversichtlich für 2007. "Wir können optimistisch in die Zukunft blicken, wenn man sich den Trend in unseren Veröffentlichungen der letzten Zeit sowie unsere Pipeline an innovativen Produkten sowohl für Pharma als auch für Chemie anschaut", sagte er anlässlich der Bilanzpressekonferenz laut Pressemitteilung.

Positiv äußerte sich Analyst Karl-Heinz Scheunemann vom Bankhaus Metzler. Der Ausblick für 2007 sei solide und deute auf einen guten Start in das laufende Jahr hin. Auch die Angaben zu Serono wirkten ansprechend. Der Umsatz liege über dem des Pharmamarktes, die Marge habe sich sehr gut entwickelt. Hinzu komme die Dividende für Merck, die sich mit dem Bonus recht gut gestalte. Dass das berichtete Nettoergebnis von Einmaleffekten im Zusammenhang mit der Serono-Übernahme belastet und 2007 deutlich zurückgehen wird, ist für Scheunemann keine Überraschung. Merck werde 2007 Abschreibungen über die Kaufpreisallokation haben, sagte er.

Einen Teil der Belastungen dürfte Merck mit seiner operativen Stärke kompensieren können, die der Konzern mit Serono noch ausgebaut habe.

Quartalszahlen für Serono

Zahlen für Serono

Für das von Merck für 10,6 Milliarden Euro geschluckte schweizerische Biotechnologieunternehmen Serono legten die Darmstädter am Donnerstag erste Zahlen für 2006 und das vierte Quartal vor.

Serono hat danach signifikante Zuwächse bei der operativen Marge sowie bei den Gesamterlösen erwirtschaftet und ein starkes Nachsteuerergebnis erzielt. Die Gesamterlöse kletterten 2006 um 8,5% auf 2,8 Milliarden Dollar. Für das vierte Quartal allein weist Serono ein Umsatzplus von 10,4% auf 739 Millionen Dollar aus. Nach Steuern und Fremdanteilen verbesserte sich das Ergebnis 2006 auf 735,4 Millionen USD, nach einem Verlust von 106,1 Millionen Dollar im Jahr zuvor.

Im vierten Quartal stieg das Nettoergebnis um 35,8% auf 195,7 Millionen Euro. Die Gesamterlöse setzten sich bei Serono aus Produktumsätzen und Patenterlösen zusammen. Weitere Zuwächse konnte Serono mit seinem wichtigsten Produkt dem Medikament gegen Multiple Sklerose "Rebif" erzielen. Die Umsätze stiegen im Gesamtjahr um 14% auf 1,45 Milliarden Dollar. Im vierten Quartal legten die Erlöse um 16% auf 388 Millionen Dollar zu.

Merck selbst hat bereits vorläufige Zahlen für das vierte Quartal und das Gesamtjahr 2006 ohne Serono am 18. Januar veröffentlicht. Im vierten Quartal konnte Merck, hauptsächlich angetrieben von der guten Geschäftsentwicklung in seiner Flüssigkristallsparte, das operative Ergebnis um 58,2% auf 303,3 Millionen Euro steigern. Nach Steuern und Fremdanteilen erhöhte der Konzern das Ergebnis um 18,2% auf 129,5 (109,5) Millionen Euro. Der Umsatz legte um 9% auf 1,625 Milliarden Euro zu.

Für das Gesamtjahr wies Merck ein Umsatzplus von 8,5% auf 6,259 Milliarden Euro aus. Das operative Ergebnis legte um 25% auf 1,105 Milliarden Euro zu. Nach Steuern und Fremdanteilen verdiente der Konzern mit 983 Millionen Euro 49,2% mehr als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum.

manager-magazin.de mit reuters und vwd