Märkte In die Tiefe

In New York taucht der Dow Jones im frühen Handel ab. Der Dax gibt zeitweise um mehr als 150 Zähler nach und fällt unter die Marke von 6600 Punkten. Der Ausverkauf sei noch nicht ausgestanden, heißt es.

New York / Frankfurt am Main - Der Dow Jones  verlor im frühen Handel knapp 1,6 Prozent, konnte sein Minus bis 16.30 Uhr jedoch auf 0,5 Prozent reduzieren. Händler verwiesen auf die starke Aufwertung des Yen: Dieser gab Händlern Anlass zur Sorge, die Auflösung so genannter Carry Trades in den USA könne einen weiteren Aktienmarktabsturz in Asien wie am Dienstag zur Folge haben.

Der Technologieindex Nasdaq Composite  konnte seine Verluste zuletzt ebenfalls reduzieren. Der breiter gefasste S&P-500-Index sank um 1,5 Prozent auf 1385 Zähler.

Bei Carry Trades leihen sich Anleger Geld in niedrig verzinsten Währungen wie dem Yen und legen die Mittel in Hochzinswährungen wie Euro oder Dollar an. Werden solche Positionen aufgelöst, führt dies automatisch zum Abfluss von Kapital aus dem Euro- und Dollar-Raum, was auch die Aktienmärkte trifft.

Gemischte Konjunkturdaten

US-Daten zur Entwicklung am Arbeitsmarkt sowie zu den persönlichen Einkommen fielen gemischt aus. Analysten zufolge sorgten die Einkommensdaten für Inflationssorgen, da sie höher ausfielen als erwartet. Die unerwartet hohe Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe schürte zudem Sorgen, dass sich die Lage am Arbeitsmarkt abschwächt.

Oracle -Aktien gaben um mehr als zwei Prozent nach auf 16,04 Dollar. Der Softwareriese hatte zuvor angekündigt, den Rivalen Hyperion Solutions für 3,3 Milliarden Dollar zu kaufen.

Dax fällt unter 6600 Punkte

Die Verluste in New York beschleunigten den Kursrutsch im Dax. Nach zeitweiligen Gewinnen von 0,6 Prozent rutschte der Dax  am Nachmittag wieder um 1,7 Prozent ins Minus und notierte um die Marke von 6600 Zählern.

Auch MDax  und TecDax , die zeitweilig deutlich im Plus gestanden hatten, rutschten mit 2 (TecDax) und 2,7 Prozent (MDax) in die Verlustzone.

Gewinne seit Jahresbeginn sind futsch

Der deutsche Leitindex rutschte damit unter den Schlussstand des vergangenen Handelsjahres. Händler sprachen von einem nervösen Handel und verwiesen auf die Verluste an der Wall Street. Zeitgleich gingen die Kurse an den europäischen Rentenmärkten nach oben.

Bereits am Vortag hatten US-Statistiker die geringsten Hausverkäufe in den USA seit 13 Jahren gemeldet. Die Zahl verkaufter Häuser sei im Vergleich zum Vormonat um 16,6 Prozent auf annualisiert 937.000 zurückgegangen, teilte das Handelsministerium mit.

T-Aktie verliert mehr als 4 Prozent

Die wenigen Gewinner im Dax  ließen sich gegen 14.20 Uhr an fünf Fingern abzählen. Henkel , Postbank  und Hypo Real Estate  verbuchten ein minimales Plus von jeweils rund 0,1 Prozent.

Am Dax-Ende ging es dagegen für die Aktien der Deutschen Telekom  rasant abwärts. Am frühen Nachmittag verloren die Titel in der Spitze 4,5 Prozent auf 12,99 Euro. Der scharfe Wettbewerb im Inland hat der Telekom im abgelaufenen Geschäftsjahr stark zugesetzt. Alle drei Sparten büßten sowohl beim Umsatz als auch beim Ergebnis im inländischen Geschäft ein. Im vierten Quartal rutschte der Konzern wegen hoher Kosten für den Personalabbau tief in die Verlustzone.

Allianz und Bayer unter Druck

Die Zahlen waren in etwa vom Markt so erwartet worden. Viele Investoren hätten aber offenbar darauf gesetzt, dass die Telekom dennoch ihre Dividende erhöhen wird. Der Konzern will für das abgelaufene Geschäftsjahr die Dividende bei 0,72 Euro belassen.

Deutliche Kursverluste verbuchten auch die Dax-Schwergewichte Allianz  und Bayer  mit jeweils rund 3 Prozent.

Aktien von Lufthansa  konnten sich noch mit einem Plus von 0,30 Prozent im grünen Bereich halten, zwischenzeitlich hatte der Kurszuwachs rund 2 Prozent betragen. Die BNP Paribas hatte zuvor die Lufthansa-Aktie von "Neutral" auf "Ouperform" angehoben und das Kursziel auf 27,50 erhöht. "Vor allem die Kursziel-Erhöhung ist ein Kurstreiber - immerhin liegt das neue Ziel um mehr als 30 Prozent über dem aktuellen Kurs", sagte ein Händler.

TecDax: Zweistellige Schwankungen

Im TecDax  hatten sich die meisten Technologie-Titel am Donnerstag von ihren herben Kursverlusten der vergangenen zwei Tage zunächst erholen können, rutschten dann aber ebenfalls deutlich ab.

Nachdem viele Solarwerte am Vormittag noch auf den Einkaufslisten vieler Anleger standen, gerieten die Papiere am Nachmittag stark unter Druck. So büßten die Titel von Solon  4,8 Prozent an Wert ein, die Anteilsscheine von Ersol gaben vier Prozent nach. Die Titel von TecDax -Schwergewicht Solarworld  gaben einen Großteil ihrer neun-prozentigen Gewinne wieder ab und notierten am Nachmittag noch 1,5 Prozent im Plus bei 55,40 Euro.

Analystenempfehlungen und der geplante Ausbau der Kapazitäten in den USA trieben nach Aussage von Händlern die Aktien des Solartechnik-Herstellers zunächst nach oben.

Gefragt waren nach besser als erwartet ausgefallenen Geschäftszahlen auch die Papiere von Tele Atlas , die sich um 1,8 Prozent verteuerten. Der niederländische Hersteller digitaler Landkarten für Navigationsgeräte hatte für 2006 ein Umsatzplus von rund 30 Prozent bekannt gegeben.

Im MDax zogen nach einer Anhebung des Kursziels durch die Analysten der DZ Bank die Aktien von Celesio  um 3,3 Prozent an.

Die Titel des Luftfahrt- und Rüstungskonzerns EADS  verloren dagegen 4,9 Prozent. Die Überwindung der Krise bei der Konzerntochter Airbus wird nach Worten von EADS-Co-Chef Tom Enders einige Zeit in Anspruch nehmen.

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen