DaimlerChrysler Kopilot im Anflug

Springbock- und Samba-Connection: Manfred Bischoff ist einer der wichtigsten Weggefährten von Jürgen Schrempp. Der hätte ihn auch gerne mal als Finanzchef gehabt.

Sie ergänzen sich wie Faust und Famulus, der Badener Jürgen E. Schrempp (54) und der Ur-Schwabe Manfred Bischoff (56). Beide sind trotz ihrer Herkunft bei Daimler etwas geworden: Schrempp, der gelernte Automechaniker, hat es zum Chef der Welt AG DaimlerChrysler gebracht. Bischoff, der Wirtschaftswissenschaftler, reüssierte als Unternehmenspraktiker.

Beide haben ihre Befähigung zum Vorstand in der Nutzfahrzeugdivision des Stuttgarter Konzerns erworben. Beide gehören komplementären Karriereseilschaften an; Schrempp führt die „Springbock-Connection“ ehemaliger Manager der Mercedes-Benz of South Africa an, Bischoff die „Samba-Connection“ (Mercedes-Benz do Brasil).

Und beide waren Gründungsvorstände der 1989 in München gestarteten Daimler-Tochter Deutsche Aerospace AG (heute: DaimlerChrysler Aerospace AG, Dasa). Dort erlebten sie Höhen, zum Beispiel die erfolgreichen Verhandlungen um die Airbus-Montagelinie in Hamburg; und Tiefen: die Fokker-Pleite, Milliardenverluste und dramatische Sanierungszeiten (Dolores).

Faust und Famulus – die Rollenverteilung war immer klar: Schrempp machte die Deals, Bischoff kümmerte sich um das Kleingedruckte und achtete darauf, daß der Chef nicht über den Tisch gezogen wurde – mal mit mehr, mal mit weniger Fortüne.

So sollte es auch weitergehen, als Dasa-Pilot Schrempp im Mai 1995 Vorstandsvorsitzender der Daimler-Benz AG wurde. Doch die Nähe der beiden ambitionierten Aerospace-Manager war Aufsichtsratschef Hilmar Kopper (63) dann doch suspekt. Bischoff wurde nicht Finanzchef der Daimler-Benz AG, sondern führte fortan die Dasa.

Der Banker an der Spitze des Kontrollgremiums war ein letztes Mal dem Rat Edzard Reuters (70) gefolgt und hatte von Anfang an für ein Spannungsverhältnis zwischen dem neuen Vorstandsvorsitzenden und dem Leiter des Finanz- und Controllingressorts gesorgt.

Manfred Gentz (56), der akkurate Mann fürs Detail, wurde dem ungeduldigen Schrempp im Sinne von Checks and Balances beigestellt.

Der vornehme Bedenkenträger Gentz paßt zu den hemdsärmeligen Vorständen um Schrempp wie Claudio Abbado in eine Autowerkstatt.

Der Finanzchef spürt das selbst. Im kleinen Kreis klagte er immer wieder über den schlechten Stil in Stuttgart. Doch von Daimler trennen mochte er sich selbst dann nicht, als er bei der Daimler-Chrysler-Fusion ehrenrührig übergangen wurde.

Bischoff wäre heute wahrscheinlich Finanzchef, wenn die Zusammenschluss mit British Aerospace zum europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern geklappt hätte. Dann hätten die Briten die Führung der neuen "EADA" übernommen. Bischoff wäre frei gewesen für neue Aufgaben an der Seite von Jürgen Schrempp. Bei der EADS sitzt Bischoff nun selbst dem Board vor.