Telekommunikation Preiskrieg schwächt rosa Riesen

Die Deutsche Telekom büßt im Geschäft mit schnellen Internetverbindungen weiter an Stärke ein. Der Wettbewerb in der Branche ist allerdings so heftig, dass selbst Telekom-Angreifer wie United Internet mittlerweile nicht mehr so kräftig zulegen wie in den Vormonaten. Der United-Internet-Aktienkurs bricht deshalb heute ein.

Bonn - Europas größte Telefonfirma hat im DSL-Geschäft im vergangenen Jahr erneut Marktanteile an Konkurrenten verloren. Zum Jahreswechsel war nur noch jeder zweite DSL-Kunde direkt bei der Deutschen Telekom  unter Vertrag, ein Jahr zuvor lag ihr Marktanteil noch bei rund 60 Prozent.

Der Bonner Konzern hat allerdings über Wiederverkäufer wie United Internet  oder Freenet  weitere 3,2 Millionen Nutzer.

Die alternativen Netzbetreiber, darunter Arcor und Versatel, kamen mit 3,9 Millionen Kunden auf einen Marktanteil von 28 Prozent und machten damit gegenüber der Telekom weiter an Boden gut. Während die Telekom direkt 770.000 neue Nutzer gewann, kamen zu Wettbewerbern insgesamt drei Millionen Neukunden.

Telekom-Chef René Obermann will den Abwärtstrend mit Bündelprodukten und dem Bau des neuen, noch schnelleren VDSL-Netzes stoppen, für das er besondere Wettbewerbsvorteile per Gesetz erstritten hat. Die allerdings bekämpfen die Brüsseler Wettbewerbsbehörden.

Mittlerweile macht der heftige Wettbewerb in der Branche allerdings auch den Telekom-Angreifern mehr zu schaffen als noch vor einigen Monaten, beispielsweise dem TecDax-Unternehmen United Internet. "Der Fokus der Anleger richtet sich auf die Zahl der DSL-Neukunden - und da hat United Internet leicht enttäuscht", sagte ein Händler. Zudem sei der Umsatz lediglich wie erwartet ausgefallen und der Vorsteuergewinn habe sogar leicht unter den Schätzungen gelegen, stimmte ein Analyst zu.

Analyst Gerrit Rohleder von equinet stufte die Titel in einer ersten Reaktion von "Buy" auf "Hold" ab und setzte ein Kursziel von 14 Euro. In den ersten drei Quartalen habe das Unternehmen zwar die Schätzungen teilweise deutlich übertroffen, das vierte Quartal fiel allerdings lediglich wie erwartet aus

Selbst eine kräftige Dividendenerhöhung kann da heute nichts an den ungewöhnlich hohen Kursverlusten der United-Internet-Anteilsscheine ändern. Der Internetdienstleister (1 & 1, GMX, Web.de) will nach einem Rekordjahr die Dividende zwar fast verdreifachen, der Wert seiner Aktien fällt aber heute um 5,55 Prozent auf 14,15 Euro.

Der Präsident der Bundesnetzagentur zeigte sich derweil zufrieden über die Entwicklung des Breitbandgeschäfts hierzulande. Deutschland gehöre zu den am schnellsten wachsenden Märkten in Europa, sagte Matthias Kurth. Die Gesamtzahl der Breitbandanschlüsse hierzulande sei im vergangenen Jahr um 37 Prozent auf 14,1 Millionen gestiegen.

Nach Angaben der Bundesnetzagentur setzte die Telekommunikationsbranche in Deutschland im vergangenen Jahr insgesamt 67,5 Milliarden Euro um, das ist ungefähr so viel wie im Vorjahr. Nahezu unverändert sei auch die Mitarbeiterzahl der Branche geblieben. Bei den deutschen und internationalen Telefonfirmen in der Bundesrepublik arbeiteten zuletzt 223.500 Menschen.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx, dpa und reuters