Deutsche Börse Hlubeks leiser Abschied

Die Zahlen der Deutschen Börse waren im Grunde Nebensache. Die Aufmerksamkeit in Frankfurt galt an diesem Tag vor allem einem Mann: Mathias Hlubek. Nüchtern und kurz beantwortete der Finanzvorstand die Fragen. Doch dann fielen diese letzten Sätze.
Von Rita Syre

Frankfurt am Main - Als Reto Francioni auf der Bilanzpressekonferenz der Deutschen Börse  nach ein paar einleitenden Sätzen das Wort an Mathias Hlubek übergibt, huscht andeutungsweise ein Lächeln über sein Gesicht. Der Schweizer Börsenmanager weiß, unter welcher Anspannung sein Finanzvorstand (43) steht. Nur einmal blickt er kurz zu Hlubek rüber - genau in dem Moment, als sich dieser während seines Vortrages kurz verhaspelt. Hlubek fängt sich sofort wieder. Ab diesem Zeitpunkt seiner gut einstündigen Präsentation meidet er jeden Blickkontakt zu Francioni.

Seit knapp einer Woche wird über den Verbleib Hlubeks im Vorstand der Deutschen Börse spekuliert. Nach den geplatzten Fusionsplänen mit der Vierländerbörse Euronext macht der Frankfurter Börsenbetreiber in erster Linie mit Spekulationen über Vorstandspersonalien und eine neue Organisationsstruktur von sich Reden.

Hlubek steht dabei im Mittelpunkt. Als Hedgefonds im Mai 2005 den Rücktritt von Börsenchef Werner G. Seifert erzwungen hatten, sprang der Zahlenmensch Hlubek kommissarisch ein bis ihn Francioni im November 2005 als Vorstandschef wieder ablöste. Beobachter bescheinigten Hlubek, dass er in dieser Zeit nicht nur eine gute Figur, sondern auch einen guten Job gemacht habe.

Doch jetzt gelten seine Stunden im Vorstand der Deutschen Börse als gezählt und womöglich auch die seines Kollegen Matthias Ganz. Der verantwortet als Chief Operation Officer (COO) das Ressort Operations und Organisation. Seifert hatte den Bereich vor vier Jahren bei der letzten Umstrukturierung eingerichtet, jetzt soll er wieder abgeschafft werden.

In Francionis Plänen ist für Hlubek kein adäquater Platz

Verständlicherweise wären die beiden Manager, die noch Seifert in den Vorstand geholt hatte, mit einem Machtverlust nicht einverstanden. Dieser wäre aber unausweichlich, wenn Francioni seine Vorstellungen über die Strategie und die Führungsstruktur der Deutschen Börse durchsetzen kann. Dem Schweizer soll ein Holdingmodell mit den vier Sparten Kassamarkt, Terminmarkt, Informationstechnologie und dem Wertpapierabwickler Clearstream vorschweben.

Die Spekulationen über die beiden Manager wie auch über die künftige Konzernstruktur schafft Francioni an diesem Donnerstag nicht aus der Welt. Es sei richtig, dass die Führung aktuell die Möglichkeiten prüfe, die gesellschaftsrechtliche Struktur zu ändern. "Wir wollen Handlungsspielraum zur Erweiterung unseres Programms zur Optimierung der Kapitalstruktur gewinnen", bleibt Francioni abstrakt. Finanzielle Aspekte und strategische Flexibilität für organisches und anorganisches Wachstum, also Zukäufe, müssten gegeneinander abgewägt werden.

Der Vorstandschef versichert schließlich das Selbstverständliche, nämlich dass eine Entscheidung der Zustimmung von Aufsichtsrat und Aktionären bedarf und das Ergebnis sorgfältiger Arbeit sein wird. Wenn der Aufsichtsrat am 19. März getagt habe, solle Genaueres bekannt werden. Immerhin: Francioni fühlt sich sicher genug, um Spekulationen über eine Zerschlagung des Unternehmens eine klare Absage zu erteilen. Schließlich sei das Ganze nach der Überzeugung von Vorstand, Aufsichtsrat und der großen Mehrheit der Aktionäre mehr wert als die Teile.

"Ich war stets loyal zum Unternehmen"

Auf mögliche personelle Veränderungen im Führungsgremium geht Francioni nicht ein. "Das sind Spekulationen, die wir grundsätzlich nicht kommentieren." Das braucht er auch gar nicht. Denn die Antwort gibt Hlubek schließlich dann indirekt doch selbst.

In den 45 Minuten des Frage- und Antwortspiels zwischen Vorstand und Journalisten beschränkt er sich zunächst auf die kurzen und bündigen Antworten eines Finanzvorstands. Dann aber, kurz vor Ende der zweistündigen Pressekonferenz, hebt er doch noch zu einem Statement an - es gleicht einer Abschiedsrede.

Seine Rolle als Finanzvorstand sei für ihn eine große Herausforderung gewesen. Er sei stolz darauf, was in den Jahren seit dem Börsengang der Deutschen Börse auf die Beine gestellt worden sei. In all den Jahren habe er der Firma mit ganzer Kraft zur Verfügung gestanden. "Ich war stets loyal zum Unternehmen, bis auf den heutigen Tag", sagt Hlubek.

Dieses Mal deutet sich kein Lächeln auf dem Gesicht von Francioni an.

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