Geldpolitik Anstieg auf das kaum Messbare

Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt erholt sich: Japans Unternehmen verdienen wieder mehr Geld, die Verbraucher des Landes kaufen kräftig ein - und schon muss die Notenbank in Tokio die Leitzinsen auf den höchsten Stand seit mehr als zehn Jahren anheben. Der allerdings ist knapp über Null.

Tokio - Japans Notenbanker haben ihre Leitzinsen heute um 0,25 Punkte auf 0,5 Prozent angebogen - und damit auf den höchsten Stand seit mehr als zehn Jahren. Die Währungshüter der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft äußerten Zuversicht, dass die Wirtschaft des Landes ihren Wachstumskurs fortsetzt. Gleichzeitig deutete sie jedoch an, die Kredite in Zukunft nur sehr behutsam weiter zu verteuern.

Die Märkte hatten die Entscheidung der Bank von Japan mit Spannung erwartet: Experten waren sich unsicher, ob die Währungshüter bereits jetzt ihre Geldpolitik weiter straffen. Erst Mitte vergangenen Jahres hatte die Bank von Japan ihre jahrelange Nullzinspolitik beendet.

Die Zinsentscheidung trieb den Topix-Index der Tokioter Börse auf den höchsten Stand seit mehr als 15 Jahren. Bankentitel profitierten, da Anleger davon ausgehen, dass die höheren Zinsen den Instituten höhere Kreditmargen erlauben. Der Yen gewann kurz nach der Zinserhöhung zunächst an Wert, sein Kurs gab später aber wieder nach, weil weitere Zinserhöhungen nun auf sich warten lassen dürften.

Mit der Entscheidung unterstrich die Notenbank ihre zuletzt in Zweifel gezogene Unabhängigkeit, da sich viele Politiker des Landes gegen eine Zinserhöhung ausgesprochen hatten. Analysten warnten jedoch, dass sich die Bank von Japan mit dem Schritt selbst ein Bein gestellt haben könnte, weil die Regierung bald zwei neue Ratsmitglieder bestimmen wird.

"Indem sie sich gegen die eindeutige Haltung der Regierung entschieden haben, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass zwei weniger harte Geldpolitiker nominiert werden", sagte Chefvolkswirt Glenn Maguire von SG in Hongkong.

Befürworter der Zinserhöhung hatten durch neue Konjunkturdaten in der vergangenen Woche Rückendeckung erhalten. Nach derzeitigem Stand expandierte Japans Wirtschaft im Jahresdurchschnitt 2006 real um 2,2 Prozent. Allerdings überarbeiten die Statistiker Japans ihre Schätzungen oftmals kräftig, und nicht selten nachträglich nach unten. Das Potenzialwachstum des Landes wird zumeist mit 1,3 bis knapp 2,0 Prozent angegeben.

manager-magazin.de mit Material von ddp, dpa und reuters

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