Nobelpreis Robert Mundell ausgezeichnet

Der Kanadier Robert Mundell bekommt den diesjährigen Nobelpreis für Wirtschafts-Wissenschaften. Bekannt wurde der Finanz- und Währungsforscher bereits durch Arbeiten in den Sechziger Jahren, die letztlich zum Euro führten.

Stockholm - Der Professor von der Columbia-Universität in New York erhalte die Auszeichnung "für seine Analyse der Geld- und Fiskalpolitik in verschiedenen Wechselkurssystemen und für seine Analyse optimaler Währungsgebiete", erklärte die Akademie.

In der Begründung der Akademie heißt es, der 1932 geborene Mundell habe die "Grundlagen für eine Theorie gelegt, die bis heute die praktischen wirtschaftspolitischen Erwägungen im Bereich der Geld- und staatlichen Haushaltspolitik offener Volkswirtschaften beherrscht".

Seine Arbeiten zu den Problemen monetärer Dynamik und optimalen Währungsgebieten hätten Generationen von Wissenschaftlern inspiriert. "Obwohl seine Arbeiten mehrere Jahrzehnte zurückliegen, sind sie doch von überragender Bedeutung und stellen weiterhin den Kern der Lehre im Bereich der internationalen Makroökonomie dar", betonte die Akademie.

Ist der Euro optimal?

Mundells Arbeiten zu "optimalen Währungsräumen" haben derzeit vor allem in der angelsächsischen Welt einen hohen Stellenwert. Befürworter und Kritiker eines möglichen britischen Beitritts zur Währungsunion berufen sich auf die Arbeiten des Kanadiers - wie vor drei Jahren auch schon in der Diskussion in Deutschland. Wo sich die Befürworter durchgesetzt haben, gelten seine Arbeiten als wegweisend für den Euro.

Ein Mitglied der Stockholmer Akademie wiederum erinnerte daran, wie Schweden entgegen Mundells Theorie handelte. In den späten achtziger Jahren musste Schweden nach einer überhitzten Konjunktur die Krone freigeben - ein Schock, von dem sich das Land lange nicht erholte.

1961 veröffentlichte Mundell eine kurze Arbeit mit einer Theorie der "Optimalen Währungsgebiete". Sie beschäftigte sich vor allem mit der Frage, wie regionale Arbeitsmärkte in einem Währungsgebiet ökonomische Schocks absorbieren können.

Obwohl die Überlegungen später verfeinert wurden, blieb der Kern der Idee erhalten. Danach kann die Einführung einer gemeinsamen Währung zu messbaren Gewinnen führen - etwa durch Preistransparenz, geringeren Transaktionskosten, grösserer Sicherheit für Investoren sowie verstärktem Wettbewerb. Eine unabhängige Zentralbank muss dabei für die Stabilität der gemeinsamen Währung sorgen.

Dennoch können diese Gewinne aufgezehrt werden. Die beteiligten Staaten verlieren die Möglichkeit einer eigenen Geldpolitik sowie die Chance, durch Zinsanpassungen Wettbewerbsnachteile zu kompensieren. Mundell identifizierte "asymmetrische Schocks", die ein Land in einer Währungsunion treffen könnten. Diese sind dann wahrscheinlich, wenn in den Regionen der Union Konjunkturzyklen und Wirtschaftsaufbau voneinander abweichen.

Als Gegenmassnahmen gelten Freizügigkeit der Arbeitskräfte, die notfalls auch in anderen Regionen der Union arbeiten sollten, frei vereinbarte Löhne und Gehälter sowie ein Automatismus, der Subventionen in die benachteiligten Gebiete lenkt.

Für die Befürworter des Euro ist klar: all diese Mechanismen seien in der Währungsunion festgelegt und würden funktionieren. Die Gegner des Euro sehen das anders. Für sie ist allenfalls die USA ein "optimaler Währungsraum" im Sinne Mundells, das von Brüssel aus regierte Europa dagegen noch lange nicht.