Autoversicherer Klima wird rauher

Die Luft wird dünner bei den Autoversicherern: Immer mehr Kunden ziehen ihre Vorteile aus dem sich verschärfenden Wettbewerb und wandern zu günstigeren Anbietern ab. Das bekommt auch der Marktführer Allianz zu spüren.

Hamburg/München - Der Preiskampf in der Autoversicherung verstärkt den Abwanderungstrend der Kunden zu günstigeren Anbietern. Mehr als 82 Prozent der Vertriebskräfte bei Kfz-Versicherern gingen davon aus, dass dieser Trend andauere und massiven Einfluss auf die Marktentwicklung nehmen werde, ergab eine Studie der Unternehmensberatung Steria Mummert Consulting, die am Dienstag in Hamburg veröffentlicht wurde.

Auch die Vertreter des deutschen Marktführers Allianz  haben den scharfen Preis-Wettbewerb im vergangenen Jahr zu spüren bekommen und deutlich Volumen verloren.

Ein Allianz-Sprecher bestätigte am Dienstag einen Bericht der "Financial Times Deutschland" vom Dienstag, wonach die Vertreter durch Wechsel zur Konkurrenz zum Jahresende 2006 ein Minus von netto 90.000 Fahrzeugen verbuchten. Die Gesamtzahl der versicherten Fahrzeuge konnte die Allianz dennoch leicht steigern. Dazu habe vor allem der Verkauf über das Internet beigetragen, hieß es.

Verkauf per Internet auf dem Vormarsch

Ende 2005 kam die Allianz auf 8,89 Millionen versicherte Autos. Über Allianz 24 seien jetzt rund 60.000 Fahrzeuge versichert, im Vorjahr seien es erst rund 7000 gewesen, hieß es. Auch der Vertrieb über die Dresdner Bank, über Makler und über Kooperationsverträge mit Autoherstellern - vor allem VW - habe sich positiv ausgewirkt.

Die Allianz als deutscher Marktführer hatte den Preiskampf in der Branche unter anderem mit der Einführung eines Kompakttarifes im Herbst 2005 selbst mit angeschoben. Trotz eines leichten Anstiegs bei der Zahl der versicherten Fahrzeuge zum Jahresende 2006 dürfte der Abstand zum Marktzweiten HUK Coburg kleiner geworden sein, hieß es in dem Zeitungsbericht. Nach Angaben aus Marktkreisen weist die HUK Coburg einen Nettozuwachs von deutlich mehr als 100.000 versicherten Fahrzeugen auf. Der Versicherer habe sich dazu aber nicht äußern wollen.

Steria Mummert Consulting hatte für die Studie 126 Fach- und Führungskräfte aus der Versicherungsbranche in Deutschland, Österreich und der Schweiz befragt. Demnach werten 72 Prozent der Befragten den Anbieterwechsel als wichtigen Trend. Um gegenzusteuern, hätten 70 Prozent der Versicherer die Themen Kundenbindung und Kundenvertrauen ganz oben auf die Agenda gesetzt, hieß es. Noch höher sei der Anteil (83 Prozent) der Unternehmen, die das Budget für die Kundenbindung in den kommenden zwölf Monaten erhöhen wollten.

manager-magazin.de mit Material von dpa