Comdirect Rekordergebnis und Wachstumspläne

Die Commerzbank-Tochter Comdirect hat ein Rekordergebnis 2006 hingelegt. Der Hebel zu noch mehr Wachstum bleibe umgelegt, auch wenn die Stimmung an den Börsen kippe, betont Comdirect-CEO Andre Carls.
Von Rita Syre

Frankfurt am Main - Comdirect-Chef Andre Carls stutzt einen Moment als er bei der Präsentation der Bilanz 2006 gefragt wird, ob er irgendeine Entwicklung sehe, die sein Haus beim Wachstum bremsen könnte. Nein, er sehe nichts, was die Comdirect  aufhalten könne, gibt er überaus selbstbewusst zur Antwort. Der Hebel bleibe auf noch mehr Wachstum umgelegt.

2006 war erneut ein Rekordjahr für die Direktbanktochter der Commerzbank . Unter dem Strich erreichte der Jahresüberschuss 57 Millionen Euro - immerhin ein sattes Plus von 66,7 Prozent. Die Eigenkapitalrendite stieg vor Steuern auf 14,3 (im Vorjahr 8,8) Prozent, und das Verhältnis von Kosten zu Ertrag verbesserte sich auf 60,4 (68,8) Prozent. Die Aktionäre, knapp 80 Prozent der Aktien sind im Besitz der Mutter Commerzbank, erhalten eine Dividende von 1,40 Euro.

Wie dieses höhere Wachstum indes 2007 konkret in Euro und Cent aussehen soll, lässt der CEO der Direktbank offen. Er weist darauf hin, dass die Prognose für das laufende Geschäftsjahr zur Jahresmitte vorgelegt wird. Aber die Comdirect sei mit einem Orderplus im Januar von 36 Prozent gut ins neue Jahr gestartet.

Viel lieber widmen sich Carls und seine Finanzchefin Karin Katerbau der Präsentation der Comdirect-Ziele für die kommenden Jahre. So soll die Zahl der Kunden bis Ende 2009 von 804.690 auf 1,3 Millionen steigen. Um die Zielvorgabe zu erreichen, sollen zusätzlich bis zu 150 Millionen Euro in Marketing, Verbesserung des Leistungsangebots und Ausbau der Infrastruktur aufgewendet werden. So soll die Baufinanzierung in diesem Jahr auch online gehen.

Zukauf von Kundenportfolios wahrscheinlich

Der Banker bekräftigt, dass ab 2010 deutlich mehr als 100 Millionen Euro vor Steuern verdient werden. Die Rendite auf das eingesetzte Kapital soll vor Steuern von 14,3 (2006) auf mehr als 25 Prozent steigen. Carls scheint bei der Ergebnisvorgabe ein auffallendes Understatement zu pflegen, denn Comdirect hat bereits 2006 ein Ergebnis vor Steuern von 85,6 (im Vorjahr 52,8) Millionen Euro verdient. "Da ist noch eine Menge Upside drin", beeilen sich Carls und Katerbau unisono zu versichern.

Dieses Upside verbirgt sich nicht nur in dem traditionellen Geschäft mit Wertpapiertransaktionen, die die Kunden über die Comdirect online abwickeln, und dem klassischen Banking wie das Einrichten eines Girokontos. Das Wachstumstempo soll auch durch den Ausbau des Bereichs Beratung und durch Akquisitionen von Kundenportfolios oder Konkurrenten erreicht werden. Ein konkretes Zielunternehmen für eine Akquisition hat Comdirect indes nicht im Blick. Carls lässt durchblicken, dass derzeit wohl ein erneuter Kauf eines Kundenportfolios wahrscheinlicher ist als der Erwerb eines Konkurrenten. Im vergangenen Jahr hatte Comdirect ein Kundenportfolio des amerikanischen Kreditkartenunternehmens American Express gekauft.

Zahl der Geschäftsstellen soll steigen

Bei dem vor drei Jahren gestarteten Bereich Beratung will der Vorstand kräftig investieren. "Bis 2009 soll gut die Hälfte der Erträge aus dem Bereich Beratung stammen", avisiert Katerbau. Im vergangenen Jahr erreichte der Beitrag 33 Prozent. Die Zahl der Geschäftsstellen soll auf 30 bis 40 von derzeit 21 aufgestockt werden. Die Zahl der Berater soll von 180 auf bis zu 300 erhöht werden. Allerdings wird der massive Ausbau des Bereichs auch die Rentabilität in Mitleidenschaft ziehen. So räumt Katerbau ein, dass sich zwischenzeitlich das Verhältnis von Kosten zu Erträgen auf über 70 Prozent verschlechtern werde. "Aber bis 2009 soll sich dann die Kennziffer wieder in Richtung weniger als 50 Prozent entwickelt haben", beeilt sie sich zu versichern.

Der Vorstand sieht die Investitionen in die Beratung als gut angelegtes Geld. Denn schließlich führt Carls den Ausbau des Geschäfts als Grund dafür an, dass der Hebel auf noch mehr Wachstum umgelegt bleibt - auch wenn es zwischenzeitlich zu einem Stimmungsumschwung an den Börsen kommt. Dass sich die Commerzbank-Tochter mit ihrem Ausbau des Beratungsgeschäfts auch immer mehr in Richtung einer Vollbank wie die Großaktionärin Commerzbank im Privatkundengeschäft entwickelt und ihr damit vielleicht ins Gehege kommt, kontert er gewohnt selbstbewusster Manier: "Der Markt gibt genügend Wachstum her, ohne die Commerzbank zu bedrängen." Schließlich seien weniger als 10 Prozent der Neukunden Commerzbank-Kunden.

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