MLP Neue Zahlen, neues Vergütungssystem

Der Finanzdienstleister MLP hat seine Geschäftszahlen für das Jahr 2006 vorgelegt. Die sehen gar nicht so schlecht aus, doch im Kerngeschäft tat sich das Unternehmen weiter schwer. Wachstumsimpulse erhofft sich MLP von neuen Beratern, die künftig anders bezahlt werden sollen.

Heidelberg - Der Finanz- und Versicherungsmakler MLP  hofft nach einem durchwachsenen Jahr 2006 auf deutlich steigende Gewinne. Das Betriebsergebnis soll um 30 Prozent auf 110 Millionen steigen, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Das will MLP unter anderem mit Hilfe einer großen Zahl neuer Kundenberater schaffen, die künftig ein Fixgehalt beziehen sollen.

Im abgelaufenen Jahr stagnierte das Kerngeschäft der auf Akademiker spezialisierten Firma. Die Maklererträge in Form von Provisionen von Versicherungen und Finanzanbietern lagen mit 473 Millionen Euro 1 Prozent über Vorjahr, was Branchenexperten enttäuschte. Aufgrund des sehr starken Jahresendspurts legte der Vorsteuergewinn dennoch um mehr als ein Viertel auf 91 Millionen Euro zu. Mit Hilfe des zugekauften Vermögensverwaltungsgeschäfts und der profitablen Bankgeschäfte erreichte MLP damit knapp die im Sommer um ein Viertel gesenkte Zielmarke. Wegen einer geringeren Steuerquote erhöhte sich der Überschuss um die Hälfte auf 65 Millionen Euro.

Wachstumsimpulse erhofft sich MLP  im laufenden Geschäftsjahr durch zusätzliche Berater, die das Unternehmen in dem hart umkämpften Markt um qualifizierte Kräfte durch ein neues Vergütungssystem gewinnen will. "Wir werden ab dem zweiten Quartal ein garantiertes Fixum einführen", hatte MLP-Sprecher Jan Berg auf Anfrage von manager-magazin.de bereits am Montagabend erklärt. Die garantierte Mindestvergütung für neue Berater soll im ersten Jahr 15.000 Euro betragen, also 1250 Euro monatlich.

Neues Vergütungssystem

Neues Vergütungssystem

Dieses Geld werden die selbständig tätigen jungen Vermittler zusätzlich zu einem monatlichen Vorschuss erhalten, der je nach Vereinbarung zwischen 1000 und 2000 Euro liegen kann. MLP zahlt diesen Vorschuss, da die jungen Berufseinsteiger zunächst keine eigenen Abschlüsse tätigen und somit über keine Einnahmen verfügen. Der als "Anschubfinanzierung" gedachte Vorschuss ist bereits gängige Praxis bei MLP und nach der zweijährigen kostenlosen Ausbildung "niedrig verzinst" zurückzuzahlen.

"Wir stehen in einem enormen Wettbewerb um qualifizierte Mitarbeiter und versprechen uns von dem neuen System, dass die Tätigkeit als MLP-Berater damit noch attraktiver wird", hatte Berg erklärt.

Das jetzt garantierte Fixum sei ein weiteres wichtiges Element in einem Gesamtpaket, das MLP selbst mit "überdurchschnittlichen Einkommenschancen, der Konzentration auf die hochwertige Zielgruppe der Akademiker" und einer "im Markt einzigartigen, hochwertigen Ausbildung" beschreibt.

Ein selbständiger MLP-Berater strich im vergangenen Jahr im Schnitt rund 85.000 Euro an Provisionen ein. Darin sind die Vorschüsse allerdings nicht enthalten.

Ohne ausreichend qualifizierte Berater kann ein Finanzdienstleister sein Neugeschäft nur schwer steigern. Das musste MLP im vergangenen Sommer schmerzlich erfahren. Ein Mangel an Vermittlern hatte dem Finanz- und Versicherungsmakler das Ergebnis verhagelt. MLP kassierte seinerzeit kurzerhand die Jahresziele für 2006 und 2007 ein, Vertriebschef Eugen musste seinen Hut nehmen.

MLP will nach eigenen Angaben bis Ende dieses Jahres rund 3000 Berater beschäftigen, bezeichnet dieses Ziele aber selbst als "ambitioniert". Ende des dritten Quartals 2006 hatte das Unternehmen mit 2551 Berater noch einen anhaltenden Schwund melden müssen, am Jahresende waren es 2650. Mit rund 100 neuen Beratern im vierten Quartal sei die Beraterentwicklung "zufrieden stellend verlaufen", sagte Sprecher Jan Berg. Die durchschnittliche Fluktuation im Jahr liegt bei etwa 350 Mitarbeitern.

Die Mischung guter und schlechter Nachrichten schickte den Aktienkurs von MLP  am Dienstag auf Achterbahnfahrt: Nach einem anfänglichen Minus gewannen die im MDax  gelisteten Papiere bis zum Xetra-Handelsschluss 1,28 Prozent auf 17,42 Euro.

mit Material von reuters

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