Goldman-Sachs-Kolumne Die Sparsamkeit der Unternehmen

Trotz solider Konjunkturzahlen lassen die Investitionen hierzulande etwas an Glanz vermissen. Mit den Aufräumarbeiten der New Economy allein ist diese Schwäche nicht zu erklären.
Von Dirk Schumacher

Die Konjunktur in Euroland läuft rund und das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes für die gesamte Eurozone lag bei knapp unter 3 Prozent im vergangenen Jahr. Die Unternehmensinvestitionen wuchsen ebenfalls stark mit fast 5 Prozent.

Trotz dieser scheinbar soliden Zahlen lassen die Investitionen in diesem Zyklus etwas an Glanz vermissen. So stiegen die Investitionen seit dem konjunkturellen Tiefpunkt im zweiten Quartal 2003 nur um 10,7 Prozent in den darauf folgenden 14 Quartalen (bis zum dritten Quartal 2006 also). Im letzten Aufschwung Mitte der 90er stiegen die Investitionen um ganze 18,7 Prozent über den gleichen Zeitraum.

Zum einen lässt sich das etwas schwächliche Investitionswachstum mit den Nachwehen der New-Economy-Blase erklären. Während der Blase wurde viele Investitionen getätigt die sich im Nachhinein als überflüssig herausstellten – oder zumindest nicht die Renditeerwartungen erfüllten. Um den Kapitalstock wieder auf das optimale Niveau zu bringen, mussten zunächst die Investitionen zurückgeführt werden. Außerdem hat sich die Verschuldung der Unternehmen dramatisch erhöht. Die notwendige Bereinigung der Bilanzen ging auch zu Lasten der Investitionen.

Mittlerweile allerdings scheint die relative Investitionsschwäche zu lange anzudauern, um allein mit den Aufräumarbeiten der New Economy erklärt werden zu können. Ein weiterer wichtiger Faktor scheint ein geändertes Verhalten der Unternehmen bei der Beteilung der Aktionäre am Betriebserfolg durch Dividendenzahlungen zu sein.

Immer großzügigere Dividenden

So zeigen Daten unserer Kollegen aus dem Aktien Research, dass europäische Unternehmen immer großzügiger Dividenden an ihre Aktionäre ausschütten – anstatt zu investieren. War das Verhältnis von Dividendenzahlungen zu Investitionen bei den von uns untersuchten Unternehmen in Jahr 2000 noch bei 30 Prozent, so ist es 2006 auf 50,6 Prozent angestiegen. Bis 2008 erwarten wir sogar einen weiteren Anstieg auf 53,4 Prozent.

Die hierbei betroffenen Zahlungen sind von einer Größenordnung die man auch auf der volkswirtschaftlichen Ebene spürt. So wären beispielsweise rund 40 Milliarden Euro an zusätzlichen Investitionen im letzten Jahr möglich gewesen, wenn die Dividendenzahlungen auf dem Niveau des Jahres 2003 geblieben wären.

Es ist nicht leicht festzustellen, zu welchem Grad es sich hier um zyklische Faktoren oder den Beginn einer fundamentalen Verschiebung im Verhalten großer Unternehmen handelt. Es gibt erste Anzeichen dafür, dass die Aktienmärkte wieder anfangen Unternehmen zu belohnen die investieren. So sind über die letzten zwölf Monate die Kurse von denjenigen Unternehmen die stärker investieren deutlicher gestiegen als für Unternehmen die sich zurückhaltend verhalten haben. Dies spricht dafür, dass es zu einer weiteren Normalisierung des Investitionsverhaltens kommen wird.

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