BP Rekordbilanz mit Makel

Nach Exxon und Shell legt auch der drittgrößte Ölkonzern BP Rekordzahlen vor. 2006 verlief für die ganze Branche glänzend - bis auf das letzte Quartal, als der Ölpreis deutlich fiel. Außerdem verschlechterten hohe Kosten für Sicherheit und Produktionsausfälle die Bilanz von BP.

London - Der weltweit drittgrößte Ölkonzern BP  hat trotz eines problematischen Geschäftsjahres seinen Gewinn für 2006 deutlich gesteigert. Dank Rekordölpreisen von zeitweise mehr als 78 Dollar je Barrel (159 Liter) verbuchte BP im vergangenen Jahr operativ einen Rekordüberschuss von 22,3 Milliarden Dollar (17,4 Milliarden Euro) und übertraf damit das Vorjahresergebnis um 15 Prozent, teilte das Unternehmen am Dienstag in London mit.

Im vierten Quartal 2006 fiel der Gewinn allerdings um 12 Prozent, eine Folge des Rückgangs der Öl- und Gasfördermengen und sinkender Preise in diesem Zeitraum. Die Produktion war zwischen Oktober und Dezember um mehr als 5 Prozent auf 3,82 Millionen Barrel Öläquivalent pro Tag gefallen. Auch 2007 werde die Produktion 3,9 Millionen Barrel nicht übersteigen, so BP weiter. Im letzten Quartal hätten sich außerdem die ungewöhnlich niedrige Gasnachfrage und die Quotenbeschränkungen der OPEC negativ ausgewirkt, sagte Konzernchef John Browne.

Zudem musste BP seinen Vermögenswert um 253 Millionen Dollar nach unten berichtigen. Im Vorjahr hatte es noch eine positive Wertberichtigung um gut drei Milliarden Dollar gegeben. Der für Aktionäre wichtige Bilanzgewinn fiel daher im vergangenen Jahr um 1,5 Prozent niedriger aus als 2005.

Höhere Ausgaben für die Sicherheit in BP-Raffinerien werden sich nach Unternehmensangaben auch 2007 fortsetzen. Dem Konzern waren in einem Untersuchungsbericht zur Explosion einer Raffinerie im US-Bundesstaat Texas im Jahr 2005 mangelnde Sicherheitsvorkehrungen vorgeworfen worden. Probleme hatte BP auch auf dem Prudhoe Bay Field in Alaska. Wegen eines Lecks in der Pipeline musste das Ölfeld teilweise stillgelegt werden.

Die Produktion werde 2007 sinken und erst zum Ende des Jahrzehnts wieder leicht anziehen, sagt BP voraus. Dafür seien aber höhere Investitionen erforderlich. Bislang war BP von einer jährlichen Steigerung der Produktion um 4 Prozent ausgegangen. BP bezifferte seinen Investitionsbedarf für 2007 mit etwa 18 Milliarden Dollar nach bislang 15,5 Milliarden. Merrill Lynch kündigte angesichts der Quartalszahlen an, seine Gewinnschätzungen für BP eventuell zu überarbeiten. Die Aktie gab in London 2 Prozent nach.

Die Skepsis kommt BP äußerst ungelegen. Der Konzern bemüht sich nach Umwelt-, Sicherheits- und Rechtsproblemen darum, das Vertrauen von Investoren zurück zu gewinnen. BP steht zudem vor einem Führungswechsel. Firmenchef John Browne hatte Mitte Januar angekündigt, schon Ende Juli und damit 17 Monate früher als geplant zurückzutreten. Er hatte erst im Sommer zugesagt, noch bis Ende 2008 zu bleiben. Browne galt in der Branche lange als Visionär. Zuletzt hatte sein Ruf aber gelitten - nicht zuletzt wegen Sicherheitsproblemen an US-Anlagen und einer Reihe tödlicher Unfälle in einer US-Raffinerie. Nachfolger soll Tony Hayward werden, der bisher bei BP für Förderung und Exploration verantwortlich war.

Der größte Konkurrent Exxon Mobil  hat im vergangenen Jahr seinen Überschuss um 9 Prozent auf den Rekordwert von 39,5 Milliarden Dollar gesteigert. Royal Dutch Shell  als Nummer Zwei erhöhte den Jahresgewinn auf 25,4 (Vorjahr: 22,7) Milliarden Dollar. Chevron  kam auf einen Reingewinn von 17,1 (14,1) Milliarden Dollar und Conoco Phillips  legte beim Überschuss um 15 Prozent auf 15,6 Milliarden Dollar zu.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters

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