Ladenschluss An Werktagen aufheben

Ein lang erwartetes ifo-Gutachten dürfte die Diskussion um die Öffnungszeiten wieder anfachen. Die Wirtschaftsforscher empfehlen völlige Freiheit zumindest unter der Woche.

Berlin - Das Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung hat eine weitere Liberalisierung des Ladenschlusses in Deutschland empfohlen. In dem lange erwarteten Gutachten schlägt das Institut vor, an Werktagen von Montag bis Samstag die gesetzlichen Ladenschlusszeiten völlig aufzuheben. Über die Sonn- und Feiertagsöffnung sollten die Kommunen selbst entscheiden können, heißt es in der am Dienstag in Berlin vorgelegten Studie.

"Die Studie hat gezeigt, dass es keine ökonomisch stichhaltige Begründung für die Beschränkung der Öffnungszeiten gibt und die Liberalisierung mit positiven Wohlfahrtseffekten verbunden ist."

Ein ebenfalls vorgelegtes Gutachten der Sozialforschungsstelle (sfs) aus Dortmund kam zu dem Schluss, dass die seit drei Jahren geltenden längeren Ladenöffnungszeiten nicht die erhofften beschäftigungswirksamen Impulse gebracht haben.

Das Bundeswirtschafts- und das Arbeitsministerium erklärten, die vorgelegten Gutachten würden nun sorgfältig ausgewertet. Sie würden nun unmittelbar den Ländern, Gewerkschaften und Verbänden zur Verfügung gestellt. "Die Frage ob und in wie weit an eine Änderung des geltenden Ladenschlussgesetzes zu denken ist, steht deshalb heute noch nicht zur Debatte." Für die Bundesregierung stehe allerdings fest, dass die Sonn- und Feiertagsruhe nicht angetastet werden dürfe.

Ökonomisch sinnvolle Zeiten am Markt ermitteln

Die Freiheit bei den Ladenöffnungszeiten könne sicher stellen, dass sich über den Wettbewerb Öffnungszeiten nach den Wünschen der Verbraucher und nach betriebswirtschaftlichen Kriterien der Einzelhandelsunternehmen herausbildeten, argumentiert das ifo-Institut. Eine Einschränkung könne nur mit gesellschaftlichen Wertvorstellungen begründet werden, insbesondere bei der Sonn- und Feiertagsruhe, heißt es in dem Gutachten für das Bundeswirtschaftsministerium.

Die Erweiterung der Ladenöffnung bis 20 Uhr unter der Woche und bis 16 Uhr am Samstag werde laut Ifo vor allem von jüngeren und berufstätigen Verbrauchern genutzt.

45 Prozent der Verbraucher wären ohnhin für die Abschaffung der gesetzlichen Ladenschlusszeiten von Montag bis Samstag. Am Sonntag plädierten 46 Prozent eine zum Teil auf wenige Stunden befristete Öffnung. 44 Prozent seien grundsätzlich gegen eine Sonntagsöffnung.

Unter den Einzelhandelsgeschäften befürworteten zumeist größere Unternehmen eine vollständige Liberalisierung. Kleine und mittlere Läden seien dagegen.

Personalabbau im Einzelhandel geht weiter

In dem Sfs-Gutachten heißt es, die neuen Öffnungsmöglichkeiten hätten den Personalabbau im Einzelhandel nicht aufhalten können. Die Zahl der Arbeitsplätze sei seit 1996 um etwa sechs Prozent zurückgegangen. Etwa ein Drittel der Betriebe habe von den neuen Möglichkeiten Gebrauch gemacht, die meisten jedoch keine neuen Stellen geschaffen.

Von der Arbeit zu Spätöffnungszeiten seien insgesamt etwa 940 000 Beschäftigte während der Woche und etwa 800 000 an Samstagen betroffen, heißt es in dem Gutachten für das Arbeitsministerium. "Die beschäftigungspolitischen Hoffnungen, die mit der Lockerung des gesetzlichen Öffnungszeitrahmens verbunden waren, haben sich nicht erfüllt."