Deutsche Bank Ackermann und die 31

Die Deutsche Bank hat 2006 einen Rekordgewinn erzielt. Mit 31 Prozent lag die Vorsteuerrendite deutlich über dem Ziel von 25 Prozent. Eine Diskussion über seine Nachfolge an der Konzernspitze hält Josef Ackermann daher auch für verfrüht.

Frankfurt am Main - Nach einem kräftigen Gewinnsprung 2006 will die Deutsche Bank  ihre Rekordjagd auch in diesem Jahr fortsetzen. "Wir sehen ausgezeichnete Chancen für weiterhin anhaltende Erfolge im Jahr 2007", sagte Vorstandschef Josef Ackermann bei der Bilanzvorlage am Donnerstag.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr kletterte der Überschuss um 70 Prozent auf 6,0 Milliarden Euro. Vor Steuern legte der Gewinn binnen Jahresfrist um 33 Prozent auf 8,1 Milliarden Euro zu. Für 2008 hatte der Konzern bereits im Herbst das Ziel von 8,4 Milliarden Euro Vorsteuergewinn genannt. Die von Ackermann ausgegebene Marke einer bereinigten Eigenkapitalrendite von 25 Prozent vor Steuern wurde 2006 mit 30,7 (Vorjahr: 24,7) Prozent deutlich übertroffen.

Zu dem Ergebnissprung 2006 trug das Schlussquartal kräftig bei: Vor Steuern gab es von Oktober bis Ende Dezember im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein Plus von 81 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro, nach Steuern betrug das Plus sogar 272 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro.

"Dies ist das beste vierte Quartal in der Geschichte der Deutschen Bank und damit ein hervorragender Abschluss eines außergewöhnlich erfolgreichen Jahres", sagte Ackermann. In dem Quartal flossen auch Erstattungen aus der Körperschaftsteuer in Höhe von 355 Millionen Euro ein. Die Erträge der Bank stiegen 2006 im Vergleich zum Vorjahr um 11 Prozent auf 28,3 Milliarden Euro.

Vor allem Provisionsüberschuss und Handelsergebnis erhöhten sich stärker als erwartet. Der Überschuss im Zinsgeschäft blieb trotz eines starken Anstiegs etwas hinter den Erwartungen zurück. Der Zinsüberschuss nahm um 15 Prozent auf 6,92 Milliarden zu. Das Handelsergebnis legte um 11 Prozent auf 8,25 Milliarden Euro zu, während der Provisionsüberschuss um 14 Prozent auf 11,54 Milliarden Euro kletterte.

Trennung von Industriebeteiligungen

Trennung von Industriebeteiligungen

Die Deutsche Bank will sich unterdessen weiter von ihren verbliebenen Industriebeteiligungen trennen. Auch wenn dies 2006 nur in geringerem Umfang geschehen sei, habe das Ziel weiter Bestand, sagte Ackermann in Frankfurt. Das Institut ist unter anderem an dem Industriegasehersteller Linde  beteiligt.

Angesprochen auf seine Nachfolge sagte Ackermann, die Bank habe außergewöhnlich viele Talente. Er halte nichts von einer Diskussion über Kronprinzen. Er sei als Nachfolger von Rolf Breuer an der Bankspitze zwei Jahre vor dessen Abtritt bestimmt worden, dies sei aber letztlich zu lange gewesen.

Die Zahl ihrer Mitarbeiter baute die Bank im Jahr 2006 aus: Weltweit hatte der deutsche Branchenprimus umgerechnet auf Vollzeitstellen 68.849 Beschäftigte und damit 9 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. In Deutschland blieb die Zahl mit 26.401 fast unverändert.

Bereits am Mittwoch hatte die Deutsche Bank angekündigt, dass sie ihre Aktionäre kräftig am Rekordgewinn des vergangenen Geschäftsjahres beteiligen will: Der Aufsichtsrat schlug eine Ausschüttung von 4,00 Euro je Aktien vor. Über die Dividende entscheidet die Hauptversammlung am 24. Mai.

Im Schlussquartal hat die Bank eigene Aktien im Wert von 277 Millionen Euro zurückgekauft. Von Oktober bis Dezember seien insgesamt 2,8 Millionen Anteilscheine zu einem Durchschnittspreis von je 98,88 Euro erworben worden, teilte Deutschlands größtes Geldhaus weiter mit.

Anfang Januar hatte das Institut mitgeteilt, mittlerweile mehr als 5 Prozent am eigenen Grundkapital zu halten. Im vergangenen Jahr hatten die Aktionäre der Deutschen Bank das fünfte Aktienrückkaufsprogramm genehmigt. Damit ist der Konzern ermächtigt, bis zu 51,91 Millionen Anteilscheine am Markt zu erwerben. Das entspricht rund 10 Prozent des Grundkapitals.

Mehr Privatkunden über die Norisbank

Mehr Privatkunden über die Norisbank

Auch ihr Werben um mehr Privatkunden in Deutschland setzt die Deutsche Bank fort: Bis 2010 soll die Zahl der Kunden bei der Norisbank laut Ackermann von derzeit gut 300.000 auf eine Million Kunden gesteigert werden. Die Deutsche Bank hatte im vergangenen Sommer für 420 Millionen Euro 98 Filialen der Norisbank gekauft.

Zuvor hatte Deutschlands größtes Finanzinstitut bereits die Berliner Bank für 680 Millionen Euro erworben. Es waren die ersten großen Übernahmen im deutschen Privatkundengeschäft in Ackermanns Amtszeit. Ackermann war lange vorgeworfen worden, den Heimatmarkt zugunsten des weltweiten Wachstums zu vernachlässigen.

Aus den jüngsten Zukäufen rechnet die Deutsche Bank mit deutlich positiven Effekten: "Nach unseren Erwartungen werden die vier Akquisitionen im Jahr 2008 mit einer Milliarde Euro zu den Erträgen und mit 200 Millionen Euro zum Ergebnis vor Steuern beitragen", sagte Ackermann. Neben der Berliner Bank und der Norisbank hatten die Frankfurter auch den britischen Vermögensverwalter Tilney Group und die US-Immobiliengesellschaft Mortgage IT übernommen.

Organisches Wachstum sei ein wichtiger Antriebsmotor für die geschäftliche Expansion, so Ackermann. In diesem Zusammenhang verwies er auf Indien. Dort habe die Deutsche Bank im vergangenen Jahr acht Filialen eröffnet und über 800 Mitarbeiter eingestellt. Dadurch seien über 160.000 Kunden gewonnen worden. Im laufenden Jahr sei nun die Eröffnung von zwei weiteren Niederlassungen geplant, für die bereits die Lizenzen erworben worden seien.

Das organische Wachstum solle durch gezielte Akquisitionen ergänzt werden, sofern dies strategisch und wirtschaftlich sinnvoll sei, sagte Ackermann. Dabei werde jede Investition in externes Wachstum danach bewertet, ob sie den strategischen und finanziellen Interessen der Bank dienten und für die Aktionäre tatsächlich Mehrwert schaffe.

"Insbesondere in unseren Geschäftsfeldern Global Transaction Banking, Asset and Wealth Management und Private & Business Clients streben wir eine Beschleunigung des Wachstums an", sagte der Vorstandsvorsitzende weiter. Diese Bereiche würden vom Kapitalmarkt und von Ratingagenturen sehr geschätzt, da sie einen stabilen Beitrag zum Ergebnis lieferten.

Im Bereich "Global Transaction Banking" wolle die Bank in Europa und in den Schwellenmärkten weiter expandieren. Insbesondere sei ein Ausbau der Geschäfts in Asien geplant, sagte Ackermann. Zudem sollten Marktanteile beim transatlantischen Zahlungsverkehr in und aus den USA gewonnen werden. Im Asset Management sei DWS Scudder neu aufgestellt und die Marke DWS im asiatisch-pazifischen Raum eingeführt worden.

Beteiligung an vietnamesischer Bank

Beteiligung an vietnamesischer Bank

In der Sparte Private Wealth Management gelte es, den hohen Nettomittelzufluss zu sichern und vor allem in der Anlageklasse Alternative Investments sowie im Kreditgeschäft deutlich zu wachsen, so Ackermann weiter. Im US-Markt werde dafür die Reichweite des Vertriebs ausgebaut und die Kundenbetreuung optimiert. Der Bereich Private & Business Clients wird den weiteren Angaben Ackermanns zufolge sein Vertriebsnetz in den europäischen Kernmärkten weiter ausbauen und die Präsenz in den Wachstumsmärkten wie Indien und China verstärken.

Die Deutsche Bank gab zudem bekannt, sich mit bis zu 20 Prozent an der vietnamesischen Hanoi Building Commercial Joint Stock Bank (Habubank) zu beteiligen. Eine entsprechende Vereinbarung sei bereits unterzeichnet worden, teilte das Institut mit.

Die Transaktion stehe noch unter Vorbehalt der entsprechenden behördlichen Genehmigungen. Die Deutsche Bank werde größter Einzelaktionär der Habubank und sei berechtigt, im Vorstand des Unternehmens vertreten zu sein. Finanzielle Details wurden nicht bekannt gegeben.

Darüber hinaus werden eine strategische Rahmenkooperation und eine Vereinbarung zum Wissenstransfer geschlossen. Die Kooperation umfasse die gemeinsame Untersuchung einer möglichen Partnerschaft etwa in den Bereichen Kreditkarten oder Bankenleistung für wohlhabende Kunden.

Die Habubank wurde 1988 gegründet und war die erste in Form einer Aktiengesellschaft gegründete Bank in Vietnam. Sie verfügt über ein Netzwerk von 21 Filialen mit rund 560 Mitarbeitern. Der für den Bereich Privat- und Geschäftskunden zuständige Deutsche-Bank-Vorstand Rainer Neske sagte, die Beteiligung an der Habubank stelle einen weiteren Schritt zur Stärkung und zum Ausbau des Privatkundengeschäfts im Raum Asien-Pazifik dar.

manager-magazin.de mit Material von dpa, reuters, dow jones

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