Porsche Gewinn verfünffacht

Zur Hauptversammlung hat Porsche Analysten mit einem Gewinnsprung überrascht. Obwohl der Absatz zurückging, hat sich das Vorsteuerergebnis des Autobauers im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres mehr als verfünffacht. Die Stuttgarter profitieren stark von ihrer Volkswagen-Beteiligung.

Stuttgart - Sondererlöse im Zusammenhang mit dem Einstieg bei VW haben Porsche  einen kräftigen Gewinnschub beschert. Der Sportwagenbauer hat in den ersten sechs Monaten seines laufenden Geschäftsjahres 2005/06 einen Gewinnsprung gemacht und den Ausblick für das komplette Geschäftsjahr angehoben.

In den Monaten August bis Januar sei das Vorsteuerergebnis im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 277,8 Millionen auf 1,450 Milliarden Euro gestiegen, teilte der Konzern am Freitag vor Beginn der Hauptversammlung in Stuttgart nach Auswertung vorläufiger Zahlen mit. Das Ergebnis nach Steuern machte ebenfalls einen deutlichen Satz nach oben und stieg von 169,8 Millionen auf 1,050 Milliarden Euro. Der Umsatz gab leicht um 2,9 Prozent auf 3,02 Milliarden Euro nach. Die Zahlen sind bislang nur vorläufig.

Neben den Erlösen aus dem Fahrzeuggeschäft seien Sondereinflüsse in Zusammenhang mit dem Engagement bei Volkswagen  erneut für einen deutlich überdurchschnittlichen Ergebnissprung verantwortlich gewesen.

Porsche-Chef Wendelin Wiedeking hat deshalb eine positive Bilanz des Einstiegs bei Volkswagen gezogen. "Heute kann jeder am aktuellen Volkswagen-Kurs nachlesen, dass unser Investment zwischenzeitlich über eine Miliarde Euro an Wert gestiegen ist. Und diese Wertsteigerung ist nicht ohne unser Zutun zustande gekommen", sagte er am Freitag auf der Hauptversammlung des Sportwagenbauers in Stuttgart. Allein die Neubewertung des VW-Anteils von inzwischen 27,4 Prozent habe 520 Millionen Euro zum Rekordvorsteuergewinn von 1,45 Milliarden Euro in den ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahres beigetragen.

"Wir waren sicher, dass unser spektakulärer Einstieg bei VW den Aktienkurs positiv beeinflussen würde, sobald er bekannt wird", sagte Wiedeking weiter. Dies sei aber ein Einmaleffekt. Insgesamt habe Porsche inzwischen vier Milliarden Euro in seinen VW-Einstieg investiert. "Wer so viel Geld investiert, muss sich um diese Anlage kümmern", sagte Wiedeking weiter. Es müsse sich aber niemand Sorgen machen, dass Porsche wegen des Engagements in Wolfsburg das eigene Geschäft aus den Augen verliere. "Ich versichere Ihnen: Porsche steht weiterhin im Mittelpunkt unseres Denkens und Handels, darüber sollte nicht der geringste Zweifel bestehen."

Wiedeking warb für einen Vorratsbeschluss über eine Kapitalerhöhung um bis zu 50 Prozent. Gleichzeitig betonte er, dass er davon derzeit keinen Gebrauch machen wolle. Erstmals räumte der Porsche-Chef einen Zusammenhang zwischen der Kapitalerhöhung und dem Engagement bei VW ein, stellte jedoch klar, dass Porsche seinen Anteil bei Volkswagen nicht auf mehr als 29,9 Prozent aufstocken wolle. "Wir haben so etwas nicht auf der Agenda", sagte er auf die entsprechende Frage eines Aktionärsschützers. Porsche halte nach wie vor 27,4 Prozent an VW. "Wir nutzen das auch als Hinweis an alle anderen Mitspieler bei Volkswagen, dass wir auch können, wenn wir wollen", sagte Wiedeking.

"Wir spielen in völlig anderer Liga"

"Wir spielen in völlig anderer Liga"

Auf Basis des gegenwärtigen Aktienkurses könnte dies knapp neun Milliarden Euro in die Konzernkasse bringen, sagte Wiedeking. Bereits die Ankündigung des Beschlusses im November hatte Spekulationen ausgelöst, Porsche könne damit seinen Anteil an VW aufstocken oder den Autobauer sogar komplett übernehmen wollen.

"Wir spielen heute mit unserem guten Viertel des VW-Konzerns in einer völlig anderen Liga. Und in dieser Liga gibt es andere starke Mitspieler", sagte Wiedeking. "Unsere Kasse ist gut gefüllt und kann gegen vielerlei Risiken eingesetzt werden."

Mit dem Vorratsbeschluss zur Kapitalerhöhung will sich der Sportwagenhersteller für den möglichen Wegfall des so genannten VW-Gesetzes rüsten, das die Stimmrechte auf maximal 20 Prozent pro Aktionär beschränkt. Dann könnte Porsche durchaus ein Interesse haben, den Anteil an VW nochmals aufzustocken.

Porsche versteht sich als langfristiger Investor und damit als Retter vor einer möglicherweise drohenden Übernahme durch Finanzinvestoren. "Vergegenwärtigen Sie sich, dass Hedgefonds und andere Finanzinvestoren lange vor unserem Einstieg für den wahrscheinlichen Fall des VW-Gesetzes versucht haben, ihre Pflöcke einzuschlagen", so Wiedeking. "Wenn diese Strategien fruchtbaren Boden gefunden hätten, wäre das Ergebnis ein anderes gewesen als nach unserem Einstieg." Er sei sich sehr sicher, dass dieses Ergebnis nicht im Sinne von VW gewesen wäre - und damit auch nicht im Sinne von Porsche.

Der Sportwagenhersteller sieht sich bei Volkswagen als strategischer Investor und will den VW-Konzern als "verlängerte Werkbank" nutzen, um die eigenen Fixkosten gering zu halten. Außerdem sollen die technische Zusammenarbeit vertieft und dadurch Entwicklungskosten gering gehalten werden.

Eine Abspaltung Audis vom VW-Konzern schloss Wiedeking erneut aus. Das werde "garantiert nicht" passieren, sagte er auf die Frage eines Aktionärsschützers. Eine Abspaltung sei auch für Audi nicht sinnvoll, da der Ingolstädter Autobauer Synergien aus dem Verbund mit VW erziele. In den Medien hatte es mehrfach Spekulationen gegeben, Porsche könnte an einer Abspaltung von Audi und anschließender Übernahme interessiert sein. Wiedeking hatte entsprechende Spekulationen bereits Angang Dezember zurückgeweisen.

Der Absatz hat nachgegeben

Der Absatz hat nachgegeben

Der Porsche-Absatz gab um 5,9 Prozent auf 39.750 Fahrzeuge nach. Beim Geländewagen Cayenne gab es im Zusammenhang mit dem Modellwechsel ein Minus von 39,8 Prozent auf 10.225 Fahrzeuge. Die Sportwagen der 911er-Reihe rückten dagegen um 15,7 Prozent auf 17.340 Einheiten vor. Der Absatz der Modelle Boxster und Cayman legte um 21,5 Prozent auf 12.170 Autos zu. Im US-Markt - dem wichtigsten für Porsche - fiel der Absatz um 19,2 Prozent auf 14.570 Fahrzeuge.

Porsche will Ende Februar das überarbeitete Modell des sportlichen Geländewagens Cayenne auf den Markt bringen und hatte bereits im Dezember begonnen, das gegenwärtige Modell auslaufen zu lassen. Das Unternehmen rechnet wegen des Modellwechsels daher für die Monate Januar und Februar mit sinkenden Absatzzahlen.

Für das gesamte Geschäftsjahr 2006/07 ist Porsche inzwischen optimistischer. Das Unternehmen will sein hohes Absatzniveau aus dem Vorjahr wieder erreichen. "Dazu werden die Wachstumsmärkte in Osteuropa und Asien ein gutes Stück beitragen", berichtete das Unternehmen. Allein von der Elfer-Baureihe sollen 36.000 Fahrzeuge abgesetzt werden, darunter rund 6000 Turbos.

Der Modellmix zeige eindeutig eine Marktpräferenz für die höherpreisigen Modelle, positive Impulse von der Cayenne-Baureihe seien erst ab dem Geschäftsjahr 2007/2008 zu erwarten, wenn sie erstmals für ein volles Geschäftsjahr im Markt sein werde. Zum Gewinn hieß es weiter, unter der Voraussetzung ausbleibender Überraschungen bei VW oder beim Kurs der VW-Aktie sei Porsche zuversichtlich, im laufenden Geschäftsjahr das Vorjahresergebnis von 2,1 Milliarden Euro übertreffen zu können.

manager-magazin.de mit Material von ap, ddp, dow jones, dpa und dpa-afx

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