SAP Kurssturz nach Warnung

Der größte europäische Softwarehersteller will in den kommenden zwei Jahren 300 und 400 Millionen Euro in neue Geschäftsfelder investieren. Dies geht zu Lasten der Rendite: Die Aktie gibt deutlich nach.

Frankfurt - Der weltgrößte Hersteller für Unternehmenssoftware SAP  nimmt für die Eroberung des Markts für Mittelstands-Software in diesem Jahr einen Renditeschwund in Kauf. Um sich Marktanteile bei den weltweit rund 1,2 Millionen mittelständischen Firmen zu sichern, will SAP bis Ende 2008 zwischen 300 und 400 Millionen Euro investieren, wie der Konzern am Mittwoch in Frankfurt mitteilte.

Damit schickte der Konzern die seit Tagen unter Verkaufsdruck stehenden Aktien nochmals um rund 5 Prozent in den Keller. Die erfolgsverwöhnten Investoren sind skeptisch über die Wachstumsaussichten im hart umkämpften Software-Markt geworden. Die Investitionen werden sich laut SAP ohnehin erst im Jahr 2010 spürbar im Umsatz und Ergebnis niederschlagen.

"Wir sind überzeugt, dass Investitionen der richtige Weg zu Wachstum sind", sagte Vorstandschef Henning Kagermann, über dessen Vertragsverlängerung der Aufsichtsrat im Februar berät. Kagermann strebt im bisher wenig bedienten Markt für Mittelstands-Software den selben globalen Marktanteil an, den SAP mit Software für Großunternehmen binnen 35 Jahren erreicht hat - gut 24 Prozent. Die Finanzmittel sollen nicht in Zukäufe, sondern in die weitere Aufstockung der Belegschaft sowie neue Vertriebswege und Servicecenter für die mittelständischen Kunden fließen.

Rendite: Abschied von der Zielmarke 30 Prozent

Die geplanten Investitionen drücken auf den Gewinn: Die operative Marge werde 2007 voraussichtlich um ein bis zwei Prozentpunkte niedriger ausfallen und zwischen 26,0 und 27,0 Prozent liegen, stellte SAP in Aussicht. 2006 betrug die um Kosten für Akquisitionen und Aktienoptionsprogramme bereinigte operative Rendite noch 27,3 Prozent. Von der seit Jahren verfolgten Zielmarke von 30 Prozent verabschiedete sich der Konzern damit.

Einige Analysten äußerten sich enttäuscht über die Geschäftsaussichten des in hartem Wettbewerb mit dem US-Datenbank-Anbieter Oracle  stehenden Konzerns. "Wir verstehen zwar die Logik der Zukunftsinvestitionen, aber glauben dennoch, dass der Renditeschwund ein Risiko für den Aktienkurs und die Glaubwürdigkeit darstellt", urteilten die Analysten von Cheuvreux.

JP Morgan-Analyst John Segrich erklärte: "Es lässt sich relativ einfach ausrechnen, dass die Marge sinken wird", sagte der Branchenexperte. "Schwieriger zu sagen ist, was das künftige Wachstum angeht. Ich denke, es wird geringer ausfallen, als die meisten Leute glauben." Dies könne zu Verunsicherung führen.

SAP rechnet mit 10.000 neuen Kunden jährlich

Der Aktienkurs von SAP  rutschte am frühen Mittwochnachmittag nochmals um 1,68 Euro auf 36,68 Euro ab, nachdem die zuletzt stagnierenden Softwareerlöse im wichtigen US-Geschäft die Anleger bereits in der vergangenen Wochen zu massiven Verkäufen veranlasst hatten.

Betriebsgewinn kletterte 2006 um 10 Prozent

Weltweit legten die Software-Verkäufe 2006 ohne Berücksichtigung von Wechselkurseffekten lediglich um 12 Prozent auf 3,1 Milliarden Euro zu. Das Unternehmen hatte sich selbst ein Plus von 15 bis 17 Prozent zugetraut. Mit Hilfe einer geringeren Steuerquote stieg der Überschuss trotz Rückkaufs eigener Aktien im vergangenen Jahr um ein Viertel auf 1,9 Milliarden Euro. Der Betriebsgewinn legte um 10 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro zu.

Der beschleunigte Eintritt in den Markt für mittelständische Unternehmenssoftware wird bei SAP künftig zu Veränderungen beim Eingang der Software-Umsätze führen. Denn den Mittelständlern mit meist weniger als 500 Mitarbeitern will SAP seine standardisierten Software-Produkte verstärkt zur Miete und nicht zum Kauf anbieten. Dadurch werden die Lizenzerlöse über längere Zeiträume verteilt, aber auch stabiler.

SAP rechnet mit 10.000 neuen Kunden jährlich

Ab 2010 rechnet SAP mit jährlich 10.000 neuen mittelständischen Kunden, die einen Umsatz von gut einer Milliarde Dollar (umgerechnet 770 Millionen Euro) bringen sollen. Für dieses Geschäftsjahr prognostizierte das 1972 in Walldorf bei Heidelberg gegründete Unternehmen bei den Software-Umsätzen und softwarebezogenen Service-Erlösen ohne Berücksichtigung von Wechselkurseffekten ein Wachstum von 12 bis 14 Prozent. Im beendeten Geschäftsjahr betrug der Zuwachs 12 Prozent auf 6,605 Milliarden Euro.

manager-magazin.de mit Material von reuters