Rohstoffe Ölpreis gleicht höhere Mehrwertsteuer aus

Der wichtigste Importrohstoff der Bundesrepublik ist derzeit so billig, wie zuletzt vor fast zwei Jahren: Der Ölpreis hat die Marke von 50 Dollar je 159-Liter-Fass erreicht - nicht zuletzt zur Freude der deutschen Autofahrer. Sprit ist derzeit nahezu zum gleichen Preis zu haben, wie vor der Mehrwertsteuererhöhung.

New York - Der Ölpreis ist erstmals seit fast zwei Jahren unter die 50-Dollar-Marke gefallen. Die Notierung für einen Barrel (159 Liter) der Sorte Light Sweet Crude sank an der New Yorker Rohstoffbörse in der Nacht zum Freitag zum ersten Mal seit Mai 2005 wieder kurzzeitig unter 50 Dollar und stand für einige Momente bei 49,90 Dollar. Am Freitagmorgen lag er dann wieder bei 50,68 Dollar. Auch die Spritpreise in Deutschland gingen leicht zurück.

Die Ölhändler hat zuletzt nicht einmal der Ausfall wichtiger Lieferungen aus Russland beeindruckt. Orkan "Kyrill" hat nach ukrainischen Angaben heute den südlichen Strang der "Freundschaft"-Ölpipeline ("Druschba") zum Transport russischen Öls in Richtung Europäische Union lahm gelegt. Zwei Pumpstationen entlang der Pipeline in der Ukraine seien von einem Stromausfall betroffen, teilte der Zivilschutz des westukrainischen Gebietes Lwow (Lemberg). Damit stoppt der russische Ölfluss in die Bundesrepublik erneut in jener Pipeline, die schon vor einigen Wochen die Öllieferungen Russlands nach Deutschland unterbrach.

Marktbeobachter glauben, dass solche Lieferausfälle in Zeiten steigender Ölpreise für einen kräftigen zusätzlichen Preisschub geführt hätten. Derzeit aber fallen Nachrichten über Lieferschwierigkeiten kaum ins Gewicht. Denn nach Expertenangaben bleibt die Nachfrage nach Öl so deutlich unter dem Angebot, dass selbst Lieferausfälle kaum auf den Ölpreis durchschlagen.

"Die Lage hat sich seit Wochen kaum geändert", sagte Experte Rainer Wiek vom Hamburger Energie-Informationsdienst. Das Angebot an Öl sei groß, die Nachfrage wegen des milden Winters in Teilen der USA und Europa aber eher schwach - auch wenn die Temperaturen in einigen Gebieten der USA zu sinken beginnen. "Die Märkte sind derzeit ganz ruhig." Darum hätten einige Fonds ihre Positionen aufgelöst und Spekulanten seien aus dem Markt gegangen, betonte Barbara Meyer-Bukow, Sprecherin des Mineralölwirtschaftsverbandes (MWV) in Hamburg.

"Die Stimmung am Markt deutet tatsächlich auf weiter fallende Preise", sagte ein Analyst von Barclays Capital . Ihn würde es nicht überraschen, wenn der Preis für den schwarzen Rohstoff noch vor dem Wochenende in New York unter die Marke von 50 Dollar rutschen würde.

Auch die Autofahrer in Deutschland profitieren vom sinkenden Ölpreis. Für einen Liter Superbenzin sind nach Angaben der Mineralölkonzerne Esso und Shell heute zwischen 1,22 Euro und 1,23 Euro fällig. Diesel kostete etwa 1,07 Euro pro Liter. "Der Verbraucher hat Glück", sagte ein Esso-Sprecher. Den Preisaufschlag durch die Mehrwertsteuererhöhung hätten die Autofahrer somit wegen der sinkenden Öl- und Produktenpreise kaum zu spüren bekommen.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters

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