Wünsche Littmann geht

Der frühere Boss-Manager Littmann sollte aus dem Hamburger Konzern eine weitere textile Erfolgsgeschichte schneidern. Nun baut sich Wünsche, künftig "Ventana", ohne ihn um. Modemacher Joop hat den Machtkampf offenbar gewonnen.

Hamburg - Die Wünsche AG und ihr Vorstandsvorsitzender Prof. Dr. Peter Littmann, haben sich getrennt. Wie das Unternehmen am Montag ad hoc mitteilte, wurde Peter H. Miebach mit sofortiger Wirkung zum Vorstandsmitglied bestellt. Miebach war zuletzt als Finanzvorstand des Reemtsma-Konzerns tätig. Von dort kommt auch der gerade gewählte Wünsche-Aufsichtsratchef Staby.

Littmann, der den Herrenschneider Boss zum Erfolg geführt hat, wollte Wünsche ebenfalls zu einem textilen Lifestyle-Konzern ausbauen. Dazu wurden unter anderem die Marken Joop und Cinque erworben. Littmanns Verpflichtung sollte eine Neuorientierung des Unternehmens einleiten.

Erst Ende September war der früherer Vorstandsvorsitzende Kai Wünsche, dem eine völlig fehlgeschlagene Diversifizierung, massive Substanzverluste und eine langjährige Orientierungslosigkeit vorgeworfen werden, aus dem Aufsichtsrat ausgeschieden.

Allerdings schien auch Littmann nicht besonders erfolgreich. Er verlor kurzfristig seinen Finanzchef. Die von ihm als Aufsichtsratchef geleitete Modegruppe Mondi musste vor wenigen Wochen Konkurs anmelden. Mit Modemacher Joop, seiner wichtigsten Unternehmensbeteiligung, gab es Dauer-Ärger (siehe: "Duell der Diven").

Dennoch sollte die Textilgruppe mit den Bekleidungsmarken Cinque und Joop zum Life-Style-Konzern werden - ohne Joop. Das dazu nötige Kapital verschaffte sich Littmann zunächst durch den Verkauf der Wünsche-Beteiligung am Bau-Verein zu Hamburg. Das brachte der Wünsche AG einen "Betrag in der Grössenordnung von 100 Millionen Mark" in die Kassen, teilte Littmann noch zur Hauptversammlung mit.

Eine Kapitalerhöhung im Anfang 2000 sollte den Plänen endgültig auf die Sprünge helfen. Allerdings war unklar, ob sich Littmann nach den jüngsten Kursverlusten das nötige Vertrauen der Anleger erwerben könnte.

Der Aufsichtsrat entschied offenbar anders - für Joop. Die Kapitalerhöhung wird nun durchgeführt, doch der Umbau des Unternehmens geht ohne Littmann weiter.

Aus genehmigtem Kapital soll nun eine Kapitalerhöhung erfolgen, die dem Unternehmen etwa 90 Millionen Mark Eigenmittel zuführen wird. Eine Gruppe von Großaktionären habe die vollständige Plazierung garantiert, heißt es in der Ad-hoc-Meldung von Montag. Der nächsten ordentlichen Hauptversammlung der Wünsche AG wird die Verwaltung ausserdem vorschlagen, die Firma in "Ventana AG" zu ändern.