Finanzmarktgesetz Die gläserne AG

Von Samstag an gelten neue Regeln für börsennotierte Firmen. Die europäische Transparenzrichtlinie wird deutsches Gesetz. Die Unternehmen müssen der Öffentlichkeit mehr über ihre Beteiligungen und Bilanzen verraten.

Hamburg - Für börsennotierte Unternehmen gelten von Samstag an schärfere Vorschriften für die Veröffentlichung von Firmenbeteiligungen und Geschäftszahlen. Denn am 20. Januar tritt das neue Finanzmarktgesetz in Kraft, das für mehr Transparenz an den Kapitalmärkten und bessere Informationen für Anleger sorgen soll.

Künftig muss jeder, der mehr als drei Prozent der Stimmrechte an einem börsennotierten Unternehmen erwirbt, dies der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) melden. Außerdem müssen die Informationen europaweit in einem Unternehmensregister bekannt gemacht werden. Damit soll ein unbemerktes "Anschleichen" von Investoren an Unternehmen vermieden werden. Zudem sieht das Gesetz neue Meldeschwellen bei 15, 20 und 30 Prozent vor. Bisher mussten Investoren ihre Anteile nur offen legen, wenn sie die Marken von fünf, zehn, 25, 50 und 75 Prozent über- oder unterschritten haben.

Auch über Bilanzzahlen soll die Öffentlichkeit besser informiert werden: Alle börsennotierten Unternehmen, die keine regelmäßigen Quartalsberichte nach den Vorschriften der Deutschen Börse vorlegen, müssen eine so genannte Zwischenmitteilung der Geschäftsführung publizieren. Darin sollten verschiedene Informationen über die Geschäftstätigkeit und die Finanzlage der Firma enthalten sein. Zudem will die BaFin vor allem bei Halbjahresberichten mehr Bilanzkontrollen durchführen als bisher - allerdings nur, wenn konkrete Verdachtsmomente bestehen.

Das so genannte Transparenzrichtlinie-Umsetzungsgesetz (TUG) hatte vor seiner Verabschiedung für heftige Diskussionen zwischen Politikern und der Wirtschaft gesorgt. Verschiedene Unternehmen hatten die Vorschläge für die Umsetzung der EU-Richtlinie als zu weit gehend und wettbewerbsfeindlich kritisiert. Von vielen ursprünglichen Regelungen wurde schließlich jedoch Abstand genommen. Der Bundestag hatte das Gesetz auf Grundlage der europäischen Transparenzrichtlinie Ende des vergangenen Jahres verabschiedet.

manager-magazin.de mit Material von reuters