Fischer-Kolumne Der Formular-Führer, Teil zwei

Die Bundesbürger geben ihre Steuererklärung für das Jahr 2006 erstmals mit Hilfe neuer Formulare ab. manager-magazin.de stellt Ihnen deshalb vor, was Sie wo einzutragen haben. Lesen Sie heute, welche Angaben Sie auf der dritten und vierten Seite des neuen Steuerbogens machen müssen.
Von Hartmut Fischer

Ihre Steuererklärung anzufertigen, ist für viele Bundesbürger eine Qual. Nur ungern wühlen sie sich durch den Formulardschungel der Steuerbehörden. Jetzt gibt es zumindest neue Formbögen, die alles etwas leichter machen sollen. Gestern lasen Sie, welche Angaben von Ihnen auf den ersten beiden Seiten des neuen vierseitigen Steuerbogens erwartet werden. Heute, welche Daten auf den Seiten drei und vier gefordert sind.

Mantelbogen Seite drei "Sonderausgaben":

Auf Seite drei werden zunächst die Vorsorgeaufwendungen gegen Nachweis geltend gemacht (61 bis 72). Zunächst werden die Altersvorsorgeaufwendungen erfasst:

Gesetzliche Rentenversicherung (GRV) (61), Mit GRV vergleichbare berufsständische oder landwirtschaftliche Vorsorgeeinrichtungen (62) Freiwillige GRV-Versicherung (63) Rürup-Versicherungsbeiträge (64)

Rentenversicherungspflichtige müssen auch den steuerfreien Arbeitgeberanteil zur GRV und vergleichbare Zuschüsse (siehe Lohnsteuerbescheinigung) angeben (65). Arbeitgeber- und –nehmeranteile werden zu 62 Prozent steuerlich anerkannt, wobei jedoch die Arbeitgeberbeiträge danach komplett abgezogen werden. Dadurch werden real nur 24 Prozent der Arbeitnehmerbeiträge anerkannt. Altersvorsorgeaufwendungen sind bis zu einer Höchstgrenze von 12.400 Euro für ledige Bundesbürger absetzbar, für verheiratete 24.800 Euro.

Personen die rentenversicherungsfrei sind und ohne Eigenleistung Ansprüche erhalten wird der Altersvorsorgebetrag um einen fiktiven Beitrag gekürzt (2006: 19,5 Prozent des Gehalts, höchstens 52.800 Euro). Beiträge zur Rürup-Versicherung werden komplett angerechnet.

Wenn Sie oder Ihr Partner Ansprüche auf steuerfreie Zuschüsse zur Krankenversicherung oder Beihilfeansprüche bei Krankheitskosten (66) haben, beeinflusst dies den anrechenbaren Höchstbetrag anderer Vorsorgeaufwendungen (siehe unten):

1500 Euro können Personen geltend machen, die einen steuerfreien Zuschuss zur KV erhalten, oder einen Beihilfeanspruch im Krankheitsfall haben Angestellte, Beamte, Pensionäre, Rentner, familienversicherte Angehörige. 2400 Euro werden Bürgern dagegen angerechnet, die ihre Krankenkassenbeiträge allein aufbringen müssen wie beispielsweise Selbstständige oder Ehepartner von Beamten ohne eigenen Beihilfeanspruch.

Die Rente und die Steuern

Die Rente und die Steuern

Bei zusammenveranlagten Ehegatten werden die Höchstbeträge addiert, gleichgültig, wer die Beiträge zahlte und für wen sie bestimmt sind. Nun folgen "Andere Vorsorgeaufwendungen" (67 bis 72). Machen Sie hier keine Angaben, gilt eine Pauschale, die bereits 2006 bei der Lohnsteuer berücksichtigt wurde.

Riester-Beiträge (73 und Anlage AV) werden zweifach gefördert. Entweder werden einkommensunabhängig Grund- (114 Euro) und Kinderzulagen (138 Euro) gewährt, die dem Vertrag gutgeschrieben werden. Hierzu müssen Sie 2006 mindestens 3 Prozent des Einkommens, höchstens 1575 Euro gespart haben (Geringverdiener: mindestens 60 Euro). Außerdem kann ein Sonderausgabenabzug für die Beiträge gewährt werden. Das Finanzamt prüft, welche Förderung für Sie günstiger ist und wendet diese an.

Werden keine anderen Sonderausgaben (74 bis 79) nachgewiesen, wird ein Minibetrag von 36 Euro für Ledige beziehungsweise 72 Euro für Verheiratete berücksichtigt. Renten und dauernde Lasten (74 und 75) werden zum Beispiel bei vorweggenommenen Erbschaften gezahlt. Wird eine Rente (74) nach den Bedürfnissen des Erblassers und den Möglichkeiten des Erbnehmers festgelegt, kann sie auch als Sonderausgaben abgesetzt werden. Unbegrenzte Leibrenten sind ebenfalls als Sonderausgaben absetzbar.

Im Gegensatz zu den Renten können sich dauernde Lasten (75) in der Höhe verändern, beispielsweise bei der Verpflichtung bestimmte anfallende Kosten zu übernehmen. Diese Lasten können komplett als Sonderausgaben abgesetzt werden, wenn eine besondere Verpflichtung zur Übernahme besteht. Das gilt etwa für den Fall vorweggenommener Erbschaften. Aber nur, wenn diese Lasten nicht als Betriebsausgaben oder Werbungskosten berücksichtigt wurden und nicht im Zusammenhang mit steuerfreien Einkünften stehen.

Unterhaltsleistungen an den geschiedenen oder getrennt lebenden Ehegatten (76) können bei Anwendung des Realsplittings bis zu 13.805 Euro als Sonderausgaben geltend gemacht werden (Anlage U beifügen), Unterhaltszahlungen an Eltern oder Kinder und freiwillige Rentenzahlungen dagegen als außergewöhnliche Belastungen. Die Kirchensteuer (77) ist nach Abzug der Kirchensteuererstattung als Sonderausgabe absetzbar.

Ausbildungskosten (78 bis 79) werden nur für die erste Berufsausbildung oder das Erststudium bis zu 4000 Euro pro Jahr anerkannt. Der Höchstbetrag gilt auch, wenn Ausbildung oder Studium nicht das gesamte Jahr andauerten. Folgestudien oder -ausbildungen gelten als Werbungskosten oder Betriebsausgaben. Schulgeld für Ihr Kind an eine Privatschule gelten bis zu 30 Prozent als Sonderausgaben (Antrag über das Formular Kind).

Stiftungen stiften Ausfüllarbeit

Stiftungen stiften Ausfüllarbeit

Steuerlich absetzbar sind Spenden und Zuwendungen zur Förderung mildtätiger, wissenschaftlicher und kultureller Zwecke (Zeile 80) bis 10 Prozent der Gesamteinkünfte. Bis zu 5 Prozent der Gesamteinkünfte rechnet Ihnen der Fiskus an, wenn Sie kirchliche, religiöse und gemeinnütziger Zwecke (Zeile 81) unterstützen. Parteizuwendungen (82) und Zuwendungen an freie Wählervereinigungen (83) werden dagegen direkt von der Steuerschuld abgezogen und zu 50 Prozent (maximal 1650 Euro für Ledige sowie 3300 Euro für Verheiratete) anerkannt.

Bei Stiftungszuwendungen (84 bis 87) unterscheidet man bestehende und neu gegründete Stiftungen. Bei einer bestehenden Stiftung können Sie den Spendenhöchstbetrag plus 20.450 Euro absetzen. Dies gilt nur für Stiftungen für gemeinnützige Zwecke. Bei einer Neugründung können darüber hinaus bis zu 307.000 Euro geltend gemacht werden. Dieser Betrag kann frei auf zehn Jahre verteilt werden. Diese Regelung gilt auch bei Stiftungen für weniger strenge gemeinnützige Zwecke zur Förderung von Freizeitbetätigungen.

Die Seite vier des Mantelbogens:

Auf Seite vier des Mantelbogens werden zunächst die außergewöhnlichen Belastungen erfasst. Der Pauschbetrag für Behinderte (91 bis 94) richtet sich nach dem Grad der Behinderung. Den Behindertenpauschbetrag für Ihr Kind können Sie in der "Anlage Kind" auf sich übertragen.

Zusätzlich können einmalige und atypische Aufwendungen als außergewöhnliche Belastungen geltend gemacht werden. Dazu zählen etwa Kur- und Umzugskosten, Umbauten oder Begleitung bei Urlaubsreisen. Anerkannt werden zudem besondere Aufwendungen wie Kosten für Haushaltshilfen, Fahrtkosten und pflegebedingte Aufwendungen.

Der Hinterbliebenenpauschbetrag (370 Euro) wird gewährt, wenn Ihnen laufende Hinterbliebenenbezüge aufgrund des Bundesversorgungsgesetzes direkt oder indirekt über andere Gesetze bewilligt wurden. Auch dieser Pauschbetrag kann von einem Kind auf die Eltern, Stief- oder Großeltern übertragen werden. Der Antrag erfolgt in der "Anlage Kind".

Kosten für Haushaltshilfen (95 bis 96) können Sie geltend machen, wenn ein Ehepartner über 60 Jahre alt ist (maximal 624 Euro) oder für ein erkranktes Haushaltsmitglied eine Haushaltshilfe erforderlich ist (maximal 924 Euro). Sind die Kosten höher, können Sie für den Rest (106 bis 113) eine Steuerermäßigung nach Paragraf 35a EStG erhalten, wobei ein bestimmter Prozentsatz bis zu einem Höchstbetrag anerkannt wird:

  • Haushaltshilfe bis 400 Euro monatlich: 10 Prozent, höchstens 510 Euro
  • sozialversicherungspflichtige Haushaltshilfe: 12 Prozent, maximal 2400 Euro
  • selbstständige Dienstleister: 20 Prozent, maximal 600 Euro

Außergewöhnliche Belastungen

Außergewöhnliche Belastungen

Muss ein Ehepartner in ein Pflege- oder Altenheim umziehen, erhält er den Heimbewohner-Abzugsbetrag (97 bis 99) von 624 Euro (Altenheim) beziehungsweise 924 Euro (Pflege-, Altenpflege-, Behindertenheim oder Pflegeabteilung eines Altenheims). Die übersteigenden Beträge können nach Abzug eines Eigenanteils als außergewöhnliche Belastungen abgesetzt werden.

Versorgen Sie eine pflegebedürftige Person, zu der Sie eine enge persönliche Bindung haben, machen Sie den Pflegepauschbetrag (100 bis 101) geltend (924 Euro).

Für Unterhaltsleistungen an folgende bedürftige Personen können bis zu 7680 Euro abgesetzt werden (hier ist erstmals die "Anlage Unterhalt" auszufüllen):

  • Ehegatten intakter Familien, die in einem Nicht-EU-Staat leben.
  • Ehegatten nach dem Jahr der Trennung oder Scheidung, denn dann ist kein Realsplitting mehr möglich.
  • Gesetzlich unterhaltsberechtigte Personen, für die kein Anspruch auf Kindergeld oder -freibetrag besteht
  • Verwandte, Verschwägerte in einer Haushaltsgemeinschaft oder Partner einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft, denen wegen des Zusammenlebens öffentliche Mittel gekürzt wurden.
  • Partner in eingetragener Lebenspartnerschaft
  • Mütter eines nichtehelichen Kindes von sechs Wochen vor und bis zu drei Jahren nach der Geburt des Kindes.

Außergewöhnliche Belastungen allgemeiner Art (103 bis 105) sind im Gesetz nicht genau definiert. Anerkannt werden Kosten, die außergewöhnlich, zwangsläufig, notwendig und angemessen sind (Paragraf 33 EStG). Solche Kosten sind abzüglich eines Eigenanteils als außergewöhnliche Belastungen absetzbar.

Der oben angesprochene Eigenanteil (zumutbare Belastung) wird nach Familienstand und Gesamteinkünften festgelegt. Zu den haushaltsnahen Beschäftigungsverhältnissen und Dienstleistungen (106 bis 112) werden Aufwendungen für Pflege- und Betreuungsleistungen zu 20 Prozent bis zu einem Höchstbetrag von 1200 Euro von der Steuerschuld abgesetzt, wenn daneben keine weiteren haushaltsnahen Dienstleistungen geltend gemacht werden. Die Kosten müssen durch Rechnung und Überweisung belegt werden.

Handwerkerleistungen (112) sind Renovierungs-, Erhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen für die selbst genutzte Wohnung. Sie werden zu 20 Prozent bis zu einem Höchstbetrag von 600 Euro direkt von der Steuerschuld abgezogen. Dies gilt nur für die Handwerkerleistung, nicht für das Material. Sie müssen hierfür die Rechnung und die Überweisung (keine Barzahlungsquittung!) vorlegen.

Leben zwei Alleinstehende zusammen (113), können die Höchstbeträge nur einmal genutzt werden. Beide geben aber eine Steuererklärung ab. Geht aus der Rechnung ein Auftraggeber hervor, sind die Aufwendungen nur bei ihm absetzbar. Sind beide Alleinstehenden Auftraggeber, wirken sich die Kosten zugunsten des Zahlenden aus oder werden geteilt. Auf Antrag ist aber auch eine andere Aufteilung möglich.

Im nächsten und letzten Teil unserer Steuerserie lesen Sie, wie die "Anlage Unterhalt" auszufüllen ist.