Fischer-Kolumne Der Formular-Führer, Teil eins

Das Ausfüllen der Steuererklärungen soll einfacher werden, haben die Behörden versprochen - und versenden neue Formulare. manager-magazin.de stellt Ihnen deshalb in zwei Teilen vor, wie Sie das neue Formular ausfüllen müssen. Zeile für Zeile. Lesen Sie heute, was Sie auf den ersten beiden Seiten des Bogens eintragen müssen.
Von Hartmut Fischer

Nirgendwo auf der Welt werden Jahr für Jahr so viele Erläuterungen zum Steuersystem verfasst, wie in der Bundesrepublik. Kein Wunder dann auch, dass die Vielzahl dieser Bestimmungen viele Bundesbürger verwirrt. Wer aufgrund seines Einkommens davon besonders betroffen ist, kommt deshalb kaum noch ohne professionelle Steuerberatungshilfe aus. Und die Zahl der Betroffenen steigt.

Denn längst beschränkt sich der Staat nicht mehr darauf, von den sogenannten Einkommensmillionären besonders viel zu fordern. Schon ledige Bundesbürger mit einem Einkommen von gut 50.000 Euro brutto pro Jahr erleiden erhebliche Einbußen. Und an diese Summe reichen schon Facharbeiter heran, die wegen des besseren Verdienstes gern nachts arbeiten.

Millionen Bundesbürger nutzen deshalb Leitfaden, mit denen sie den Formularwust ihrer Steuererklärung im Griff zu behalten versuchen. In diesem Jahr beziehen sich die Steuerratgeber auf neuartige Formulare, die ab sofort maschinenlesbar ausgefüllt werden müssen. Lesen Sie hier eine erste Erläuterung der Seiten eins und zwei des vierseitigen neuen Steuererklärungsbogens. Die in Klammern stehenden Zahlen beziehen sich auf die Zeilenziffern im Haupt- oder Mantelbogen.

Die Seite eins des Mantelbogens:

Kreuzen Sie "Einkommensteuererklärung" (1) an und "Antrag auf Festsetzung der Arbeitnehmer-Sparzulage" wenn Sie diese beantragen wollen. In Zeile 2 setzen Sie lediglich ein Kreuz, wenn 2006 Verluste entstanden, die höher sind als die Einkünfte in 2006 und auch 2005 nicht verrechnet werden können (weitere Angaben auf Seite 2).

Haben Sie keine Steuernummer (3) wird diese vom Finanzamt vergeben. Für Sie ist das Finanzamt Ihres Wohnbezirks zuständig (4). War 2006 zeitweise ein anderes Finanzamt zuständig, geben Sie dies zusätzlich an (5).

Es folgen die persönlichen Daten (6 bis 17). Ehepaare wählen meist die Zusammenveranlagung (18). Dann wird der Splittingtarif angewandt: Die Hälfte des Gesamteinkommens wird als Steuerlast verdoppelt. Dadurch wird der Grundfreibetrag verdoppelt und die Steuerprogression abgemildert.

Wo die Unterschrift hingehört

Wo die Unterschrift hingehört

Dauernd getrennt Lebende müssen 2006 einen Tag zusammengelebt haben, um das Splitting zu nutzen. Ist der Partner verstorben wird eine Einzelveranlagung vorgenommen, bei der der Splittingtarif angewandt wird. Eine Gütergemeinschaft (18) kann nachteilig sein. Ein Arbeitsvertrag zwischen den Partnern wird beispielsweise nicht anerkannt.

Nun werden die Bankkontendaten und die Anschrift des Steuerbescheidempfängers (19 bis 25) eingetragen. Vergessen Sie nicht Ihre Unterschrift (26) unter die Seite zu setzen. Gemeinsam Veranlagte unterschreiben gemeinsam, getrennt Veranlagte geben eigene Erklärungen ab, die sie allein unterschreiben.

Die Seite zwei des Mantelbogens:

Hinter den einzelnen Feldern der Einkunftsarten (31 bis 37) sind die beizufügenden Anlagen vermerkt. Nun werden die Anzahl der Anlagen mit Angaben zu den Kindern, ausländischen Einkünften und Steuern und zur Förderung des Wohneigentums eingetragen (38). Traten Sie zwischen dem 4. März 1999 und dem 10. November 2005 einer Verlustzuweisungsgesellschaft bei (39), dürfen Sie entstandene Verluste nur mit positiven Einkünften gleicher Art verrechnen.

Unterliegen Einkommensersatzleistungen dem Progressionsvorbehalt (40) werden sie zur Ermittlung des Steuersatzes mitgerechnet aber nicht versteuert. Dadurch steigt der Steuersatz, der auf die anderen Einkünfte angewandt wird. Falls möglich, sollten Sie diese Leistungen in der "Anlage N" eintragen.

Aufwendungen getrennt veranlagter Eheleute werden meist hälftig angerechnet, wenn Sie keine andere Aufteilung wählen (41 und 42). Zusätzlich müssen Sie einen formlosen Antrag stellen und ergänzende Angaben im Mantelbogen machen, die wir noch erläutern. Für Unterhaltsleistungen an bedürftige Personen ist die Anlage Unterhalt und für den Ausbildungsfreibetrag die Anlage Kind auszufüllen.

Wohnten Sie 2006 zeitweise im Ausland, wird die einheitlicheVeranlagung mit unbeschränkter Einkommensteuerpflicht angewendet (43 bis 45). Ausländische Einkünfte und ein Fünftel ausländischer außerordentlicher Einkünfte unterliegen dem Progressionsvorbehalt.

So werden Verluste verrechnet

"Grenzpendler" (46 bis 49) können die unbeschränkte Steuerpflicht beantragen, wenn die ausländischen Einkünfte höchstens 10 Prozent der Gesamteinkünfte (maximal 6136 Euro für Ledige sowie 12.272 Euro für Verheiratete) betragen. Die Höchstbeträge können nach der Ländergruppeneinteilung gekürzt werden.

Ausländische Einkünfte und ein Fünftel ausländischer außerordentlicher Einkünfte unterliegen dem Progressionsvorbehalt. Lebt Ihre Familie im Ausland und Sie in Deutschland, gilt unbeschränkte Steuerpflicht (50). Sie können alle personenbezogenen Steuervergünstigungen in Anspruch nehmen. Zusätzlich stehen Ihnen bestimmte familienbezogene Vergünstigungen zu, wenn Sie Europäer sind und Ihre Familienangehörigen oder Ihr geschiedener Partner in einem Staat der Europäischen Union oder des europäischen Wirtschaftsraums wohnt.

Für Angehörige des öffentlichen Dienstes, die dienstlich außerhalb der EU beziehungsweise des EWRs tätig sind, gelten besondere Bestimmungen (51). Wenn Sie Ihre Einkünfte in Deutschland erzielen, aber in Belgien wohnen (52) sind die in Deutschland erzielten Einkünfte in Belgien steuerfrei, unterliegen aber dem Progressionsvorbehalt. Zum Ausgleich für die belgische Gemeindesteuer wird die in Deutschland zu zahlende Steuer um 8 Prozent gekürzt.

Verluste (53 und 54) können grundsätzlich mit allen Einkünften verrechnet werden. Von der Regel ausgenommen sind allerdings Verluste aus privaten Veräußerungs- und Spekulationsgeschäften, sonstigen Leistungen, gewerblicher Tierzucht und –haltung, gewerblichen Termingeschäften sowie Steuerstundungsmodellen, sofern Sie nach dem 10. November 2005 Anleger wurden. Auch Verluste aus Verlustzuweisungsgesellschaften werden nicht angerechnet, sollten Sie sich daran zwischen dem 4. März 1999 und 10. November 2005 beteiligt haben. Die vorgenannten Verluste können nur mit Einnahmen gleicher Herkunft verrechnet werden.

In 2006 nicht verrechenbare Verluste können ledige Steuerpflichtige bis zu 511.500 Euro (Verheiratete bis zu 1.023.000 Euro) nach 2005 übertragen werden. Bleibt ein Rest, darf der bis zu einer Summe von einer Million Euro für ledige Bundesbürger (zwei Millionen für verheiratete) nach 2007 übertragen werden. Darüber hinausgehende Verluste können nur bis 60 Prozent der Gesamteinkünfte geltend gemacht werden.

Bei einem Verlustvortrags-Feststellungsbescheid (53) müssen Sie den Rücktrag begrenzen (54). Sonst verrechnet das Finanzamt den Verlust bis zur Höhe aller Einkünfte in 2005 und Sie verlieren alle Steuervergünstigungen. Soll keine Verrechnung in 2005 erfolgen, müssen Sie in Zeile 54 eine Null einsetzen.

Lesen Sie morgen, welche Angaben Sie auf den beiden letzten Seiten drei und vier des Mantelbogens Ihrer Steuererklärung machen müssen.

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