Bayer Schering Abschied von Aktionären

Der Bayer-Konzern hat die letzten freien Schering-Aktionäre aus der Gesellschaft gedrängt. Die Eigner stimmten auf einer außerordentlichen Hauptversammlung einem Squeeze-out zu. Die abgefundenen Aktionäre erhalten jedoch einen Aufschlag.

Berlin - Die Eigner stimmten dem Squeeze-out auf einer außerordentlichen Hauptversammlung, die bis Mittwoch Abend andauerte, zu. 99,6 Prozent der abgegebenen Stimmen waren nach einer rund zwölfstündigen Sitzung in Berlin schließlich auf den Antrag entfallen.

Allerdings wird der Beschluss, dass die verbliebenen freien Aktionäre für ihre knapp vier Prozent Anteile zwangsweise abgefunden werden, erst nach der Eintragung ins Handelsregister wirksam. Dies werde voraussichtlich nicht vor dem 23. Mai 2007 sein, sagte Vorstandsmitglied Werner Baumann am Mittwoch. Für den Tag ist die ordentliche Hauptversammlung von Bayer Schering Pharma geplant. Danach soll auch der Börsenhandel mit den Papieren enden.

Versüßt wurde den Schering-Aktionären der Abschied durch eine Abfindung in Höhe von 98,98 Euro je Aktie. Das sind rund zehn Euro mehr, als Bayer  für die Übernahme Mitte 2006 gezahlt hatte. An der Börse notierten Bayer-Schering-Papiere  am Mittwoch bei rund 100 Euro.

Für den Leverkusener Chemie- und Pharmakonzern war die Akquisition mit mehr 17 Milliarden Euro die teuerste in der Firmengeschichte. Mit rund 9 Milliarden Euro Umsatz und rund 40 000 Beschäftigten (September 2006) sieht sich der neue Pharmariese als Nummer eins in Deutschland und weltweit unter den zehn führenden Anbietern.

Aktionärsschützer kritisierten das Vorgehen zur angestrebten vollständigen Eingliederung in den Bayer-Konzern. Es sei kein faires Verfahren gewesen, dass den freien Aktionären in den vergangenen Monaten mehrfach höhere Abfindungszahlungen mitgeteilt wurden. So hätten viele bereits zu einem geringeren Preis verkauft. "Das war kein freundliches Zusammengehen, sondern eine mit aller Härte durchgesetzte Übernahme", sagte Malte Diesselhorst von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Das mache einen "ganz schlechten Eindruck", der das Vertrauen in die Aktionärskultur schädige.

Insgesamt sei das Verfahren kompliziert, transparent, und nicht fair gewesen. Die DSW werde gegen den Beschluss zum Ausschluss der Minderheitsaktionäre Widerspruch einlegen. Auch die Schutzgemeinschaft für Kapitalanleger (SdK) nannte die Höhe der Barabfindung "inakzeptabel" und wollte eine Spruchstelle anrufen. SdK-Vertreter Kai Weigert sagte, unter anderem seien die guten Aussichten für das Multiple-Sklerose-Medikament von Schering nicht ausreichend berücksichtigt worden.

Bayer hatte die Barabfindung mit Hilfe der Wirtschaftsprüfer von KPMG im Dezember festgelegt. Ein gerichtlich bestellter Prüfer hatte die Angemessenheit des Betrags bestätigt. Das aufgrund des Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrages zuvor veröffentlichte Abfindungsangebot hatte 89,36 Euro je Aktie betragen. Den Unterschied begründete Bayer mit dem Rückgang der Kapitalmarktrenditen seit dem September 2006.

manager-magazin.de mit Material von dpa und dow jones

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