Solarfirmen Sonnenreich im Schatten

Lieferverzögerungen haben der Solarfirma Conergy die Finanzziele für das vergangene Jahr durchkreuzt. Umsatzverschiebungen und weniger Gewinn als vielfach erwartet sind die Folge - und ein kräftiges Minus des Conergy-Aktienkurses.

Hamburg - Anleger schicken die Conergy-Anteilsscheine  heute auf Talfahrt. Der Wert der Aktie fällt um 7,5 Prozent auf 45 Euro und führt damit die Verliererliste im Technologieindex TecDax  an. Mehr noch: Schon am Vorabend büßten die Titel 11 Prozent ihres vorherigen Wertes ein.

Der Grund: Conergy wies für 2006 einen Umsatzanstieg von mehr als 40 Prozent auf gut 750 Millionen Euro aus. Angestrebt waren aber 800 Millionen Euro.

Auch Aktienbesitzer andere Solarunternehmen mussten daraufhin heute Verluste ihrer Investments hinnehmen. Q-Cells-Papiere  beispielsweise stehen mit mehr als einem Prozent im Minus, Solarworld-Anteilsscheine  mit 1,15 Prozent. beispielsweise

"Lieferverzögerungen bei Solarmodulen und Windrädern haben zu Projekt- und entsprechenden Umsatzverschiebungen in Höhe von rund 53 Millionen Euro in das Jahr 2007 geführt", erläuterte das Hamburger Unternehmen. Dies habe zur Folge, dass der Jahresüberschuss zwar über dem Vorjahreswert von 27,8 Millionen Euro, aber unter den bisherigen Erwartungen von 40 Millionen Euro liege. Conergy erzielt wegen seines stark saisonabhängigen Geschäfts rund 50 Prozent seiner Erlöse im vierten Quartal.

Aufgeschoben soll nicht aufgehoben sein

Die Analysten der WestLB sind nach der Gewinnwarnung des Unternehmens vorsichtiger geworden. Sie raten Anlegern nun nicht mehr, die Titel zu kaufen. Conergy habe im Grunde sein gesamtes Wachstum außerhalb Deutschlands erzielt und einen beträchtlichen Anteil mit Produkten außerhalb der Photovoltaik. "Das bedeutet für uns, dass auf Deutschland fokussierte Photovoltaik-Firmen immer noch eine Menge Probleme haben", sagte WestLB-Analyst Marc Koebernick.

Durch die verschobenen Geschäfte sollen Umsatz und Gewinn bei Conergy im laufenden Jahr höher ausfallen als erwartet. "Der Ergebnisbeitrag wird 2007 nachgeholt und zu einem entsprechend höheren als dem bisher geplanten Jahresüberschuss in Höhe von 60 Millionen Euro führen", stellte Conergy in Aussicht. Auch der Umsatz soll stärker zulegen als bislang angestrebt, und zwar um über 60 Prozent auf etwa 1,25 Milliarden Euro. Der im Januar vorliegende Auftragsbestand habe sich gegenüber dem Vorjahresniveau auf 813 Millionen Euro mehr als verdreifacht.

Der Gewinn soll sich 2007 überdurchschnittlich verbessern. Dazu soll unter anderem das weiter wachsende Auslandsgeschäft beitragen, dessen Anteil am Konzernumsatz 2006 stärker gestiegen war als erwartet, nämlich auf 38 Prozent, nach 14 Prozent im Vorjahr. Zudem erwartet Conergy höhere Erträge in den Bereichen Solarthermie und Bioenergie.

Der Solarzellenhersteller Ersol  hatte schon im vergangenen November seine Ergebnisprognose wegen Lieferschwierigkeiten des für die Firma wichtigen Vorproduktes Wafer gesenkt.

manager-magazin.de mit Material von reuters