EZB Kein Rütteln am Leitzins

Die Leitzinsen im Euro-Raum bleiben vorerst unverändert bei 3,50 Prozent. Die britische Notenbank dagegen hatte zuvor den Leitzins überraschend auf 5,25 Prozent angehoben - das höchste Niveau seit fünfeinhalb Jahren.

Frankfurt am Main - Die Europäische Zentralbank (EZB) lässt den wichtigsten Zins zur Versorgung der Kreditwirtschaft mit Zentralbankgeld bei 3,5 Prozent. Das teilte die EZB am Donnerstag nach ihrer ersten Ratssitzung in diesem Jahr in Frankfurt mit.

Die Europäische Zentralbank (EZB) sieht jedoch auf mittlere Sicht weiterhin Aufwärtsrisiken für die Preisstabilität. Dazu zählten die Lohn- und Preisentwicklung sowie Steuererhöhungen. Für die Zukunft sei daher "entschlossenes und rechtzeitiges" Handeln geboten, um Preisstabilität auf mittlere Sicht zu gewährleisten, sagte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet am Donnerstag nach der Zinsentscheidung der EZB in Frankfurt. Trichet deutete damit nach Einschätzung von Analysten eine weitere Zinserhöhung frühestens für März an. Der Leitzins von 3,5 Prozent sei weiter niedrig, und die Wirtschaft reichlich mit Geld versorgt, sagte der EZB-Präsident.

Die EZB werde alle Entwicklungen "sehr genau" beobachten, damit auf mittlere Sicht keine Risiken für die Preisstabilität eintreten. Die Schlüsselworte "starke Wachsamkeit", die in der Vergangenheit eine Zinserhöhung bei der kommenden Sitzung signalisierten, wurden von Trichet nicht genannt.

Das Geldmengen- und Kreditwachstum sei kräftig und deute auf mittelfristige Inflationsrisiken hin, sagte Trichet. Zu Beginn des laufenden Jahres dürfte die Inflation in der Eurozone anziehen. Für die Jahre 2007 und 2008 sei mit einer Inflationsrate von etwa 2 Prozent zu rechnen. Die EZB sieht Preisstabilität bei einer Inflationsrate von knapp unter zwei Prozent als gewährleistet an. Die Einschätzung decke sich weitgehend mit den Aussagen vom Dezember.

Robustes Wirtschaftswachstum erwartet

Mit Blick auf das Wirtschaftswachstum zeigte sich Trichet weiterhin optimistisch: Die jüngsten Daten bestätigten, dass das Wachstum in der Eurozone robust sei, sagte Trichet. Auch 2007 dürfte das Wachstum solide bleiben, fügte er hinzu. Wachstumsrisiken für die Weltwirtschaft seien ein zunehmender Protektionismus, höhere Ölpreise und die globalen Ungleichgewichte, sagte Trichet.

Trichet hatte bereits beim Treffen der Notenbanker im Dezember angedeutet, dass wegen des wirtschaftlichen Aufschwungs weitere Zinserhöhungen notwendig seien. Auf einen Zeitpunkt wollte er sich aber nicht festlegen. Seit Dezember 2005 ist der Zins sechs Mal von 2,0 auf 3,5 Prozent gestiegen.

Etliche Banken hoben nach den robusten Konjunkturdaten zu Jahresbeginn ihre Zinsprognose von bisher 3,75 Prozent als Ende der Erhöhungsrunde auf 4,0 Prozent an. Inzwischen rechnet eine leichte Mehrheit der monatlich von der Nachrichtenagentur reuters befragten rund 70 Analysten mit einem Leitzins in dieser Höhe bis September.

Britische Notenbank hebt Leitzins an

Die britische Notenbank hat dagegen zuvor überraschend ihren Leitzins erhöht. Sie hob den Schlüsselzins um 25 Basispunkte auf 5,25 Prozent an, das höchste Niveau seit fünfeinhalb Jahren.

Zur Begründung verwiesen die Währungshüter auf das Wachstum der Binnennachfrage sowie der Kredite und der Geldmenge. Die Inflation werde deshalb zunächst über der Zielmarke der Notenbank bleiben. Auch in Zukunft überwiege das Risiko eines Inflationsanstiegs. Volkswirte hatten fast einstimmig mit unveränderten Zinsen gerechnet.

manager-magazin.de mit Material von dpa, dpa-afx und reuters