Finanzplatz Frankfurt Der Standort braucht ein Gesicht

Nach dem Scheitern der Fusion mit Euronext kämpft die Frankfurter Börse allein. Zumindest Deutschland sollte geschlossen hinter seinem größten Finanzplatz stehen, fordert der hessische Bankenpräsident Peter Gatti. Er wünscht sich einen international bekannten Lobbyisten.

Frankfurt am Main - Der Bankenverband Hessen fordert einen Repräsentanten, um den Finanzplatz Frankfurt im Wettbewerb der Finanzmetropolen zu behaupten. "Eine solche Galionsfigur könnte ein Banker oder ein Politiker sein", sagte der Vorstandsvorsitzende der Interessenvertretung der privaten Banken in Hessen, Peter Gatti am Freitag.

Entscheidend sei, dass der Finanzplatz mit einer Stimme spreche und auch stellvertretend für das ganze Land stehe. "Deutschland ist zu zersplittert - Düsseldorf, München und Stuttgart wollen auch Finanzplätze sein", sagte Gatti, der als persönlich haftender Gesellschafter der Privatbank Hauck & Aufhäuser tätig ist. Für die Wahrnehmung von außen sei diese Aufstellung wenig sinnvoll.

Damit die Mainmetropole und Deutschland insgesamt mehr ausländisches Kapital anziehe, müssten gleichzeitig die Rahmenbedingungen etwa bei den steuerlichen Regelungen verbessert werden. Es sei kein Wunder, dass Luxemburg als Finanzplatz Erfolge feiere, meinte Gatti. Dort könnten die Angebote für Investoren "einfacher, effizienter und professioneller" gestaltet werden.

Gatti sieht weitere Stellenstreichungen bei den Banken in Verwaltung und Abwicklung voraus, da standardisierte Abläufe künftig zusammengefasst und zentral gesteuert würden. Frankfurt habe gute Chancen, Standort für solche gebündelten Geschäfte zu werden. Er plädiere aber auch dafür, Mitarbeiter von Banken für höher qualifizierte, spezialisierte Aufgaben umzuschulen. "Wenn man das von langer Hand mit drei bis fünf Jahren Vorlauf plant, geht das", sagte Gatti. In der Kundenbetreuung würden inzwischen wieder neue Jobs geschaffen. Derzeit hätten die Banken allerdings selbst in Frankfurt Schwierigkeiten, genügend Fachkräfte dafür zu finden.

Die nun beschlossene Fusion der von Paris aus gesteuerten Börse Euronext  und der New York Stock Exchange  und damit das Scheitern eines Zusammenschlusses der Deutschen Börse  mit Euronext hält Gatti nicht für dramatisch. "Die Leistungsfähigkeit einer Börse ist entscheidender als die reine Größe", sagte der Banker. Solange die Frankfurter Börse technologisch führend sei, bestehe kein Anlass zur Sorge. "Die Deutsche Börse sollte jetzt den Blick in Richtung Asien wenden", betonte Gatti. Dort gebe es ebenfalls attraktive Möglichkeiten für die Zusammenarbeit mit anderen Handelsplätzen.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx