Rohstoffe Wärme schüttelt Ölpreis

Wirtschaftsexperten sorgen sich seit Monaten um die Ölpreisentwicklung. Wird der Preisschub für den wichtigen Rohstoff gar den Aufschwung in Deutschland bremsen? Die Gefahr scheint gebannt: Öl wird plötzlich billiger - zum Leidwesen mancher Aktionäre.

Hamburg - Die Ölpreise fallen. Ein Barrel (159 Liter) des schwarzen Rohstoffes kostete heute zeitweise weniger als 54 Dollar - so günstig war Öl während des gesamten Vorjahres nicht zu haben. In Rotterdam gab der Preis für einen Tonne Benzin zeitgleiche von 542 auf 513 Dollar nach.

"Das warme Winterwetter auf der Nordhalbkugel bleibt kurzfristig der stärkste Belastungsfaktor für den Ölpreis", sagte Experte Victor Shum von der Energie-Beratungsfirma Purvin and Gertz. Darüber hinaus reagiere der Markt auf den unerwartet kräftigen Anstieg der US-Lagerbestände an Ölprodukten in der vergangenen Woche. Die Benzinbestände waren um 5,6 Millionen auf 209,5 Millionen Barrel geklettert. Auch die Heizöl- und Dieselvorräte stiegen.

Für Deutschlands Autofahrer bringt der Rückgang des Ölpreises allerdings noch keine Entlastung. Denn Sprit bleibt hierzulande teuer. Speziell die Erhöhung der Mehrwertsteuer zum Neujahrstag hat dazu geführt, dass im bundesweiten Durchschnitt für einen Liter Superbenzin am Freitag 1,28 Euro an Markentankstellen bezahlen, sagten Sprecher der Mineralölbranche. Dieser Preis liegt um sechs Cent je Liter höher als im Dezember. Diesel dagegen kostete 1,12 Euro je Liter und damit nur vier Cent mehr als im Dezember.

Die Unterschiede seien auf den Wettbewerb und die Entwicklung der Einkaufspreise am europäischen Großmarkt für Mineralölprodukte in Rotterdam zurückzuführen, glauben Marktexperten. Die Höhere Mehrwertsteuer in Deutschland konnte der Wettbewerb auf dem Mineralölmarkt indes bis heute nicht ausgleichen.

Ölpreis sinkt, Dax fällt

Die dort sinkenden Preise speziell für Rohöl schlagen sich mittlerweile sogar in den Aktienkursen führender deutscher Energieversorgungsunternehmen nieder. Die Titel von RWE  und Eon  stehen heute mit Kursverlusten in Höhe von 2,6 und 3,1 Prozent am Ende des Frankfurter Dax-Standardwerteindexes. Analyst Christoph Keidel von der LBBW Asset Management verwies zur Begründung auf die Entwicklung der Ölpreise.

"Mit ihnen reduzieren sich auch die Gaspreise, wodurch der Anreiz entsteht, Kohlekraftwerke durch Gaskraftwerke zu ersetzen - dadurch sinkt der Bedarf an CO2-Rechten. Diese wiederum beeinflussen den Strompreis stark", erklärt der Experte die sinkenden Strompreise an der Leipziger Strombörse. Und die beeinflussen nicht zuletzt Umsatz und zum Teil auch Gewinn der Stromriesen wie beispielsweise RWE und Eon.

Sinkende Aktienkurse müssen heute auch Investoren hinnehmen, die Aktien von Solarfirmen gekauft haben - auch das ist eine Folge des fallenden Ölpreises. Solon-Papiere  sanken bisher um 1,45 Prozent, Q-Cells-Titel  gaben um 1,4 Prozent nach und Ersol-Anteilsscheine  verloren 1,3 Prozent. Auch Conergy-  und Solarworld-Aktien  standen im Minus. Das reichte aus, um den gesamten TecDax  in die roten Zahlen zu drücken, denn die Solarfirmen haben mittlerweile großen Einfluss auf Entwicklung des bedeutendsten deutschen Technologieaktienbarometers.

"Wie schon am Vortag trennen sich Anleger wegen des niedrigen Ölpreises von den Solarwerten", sagte ein Händler. "Bei den Solartiteln spielt traditionell die Entwicklung am Ölmarkt eine wichtige Rolle - steht der Ölpreis unter Druck, geht es fast immer auch mit den Solarwerten ins Minus."

Experten rechnen damit, dass der Ölpreis in den kommenden Tagen weiter unter Druck stehen wird. Sollte er allzu kräftig fallen, wollen die Ölfördernationen handeln. Ein iranischer Vertreter des Förderkartells Organisation Erdölproduzierender Länder (Opec) sagte, die Opec beobachte die Entwicklung bereits sehr genau.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx, dpa und reuters