Luftfahrt Lotsenstreik gestoppt, Börse erleichtert

Lufthansa-Aktien schicken sich an, Tagesgewinner im Dax zu werden. Voraussichtlich bleibt die Luftfahrtbranche von einem geplanten Streik der Fluglotsen in den kommenden Wochen verschont. Davon profitierte Air Berlin ebenfalls. Auch langfristig sieht es für die Fluggesellschaften gut aus.

Frankfurt am Main - Aktien der Lufthansa  stiegen entgegen dem Markttrend um 2,4 Prozent auf 22,41 Euro. Als einen Grund nannten Händler, dass der für die nächsten Tage drohende Streik der Fluglotsen vorerst vom Tisch ist. Diese Meldung gab auch Air Berlin  Auftrieb; das Papier legte um 1,99 Prozent auf 17,39 Euro zu.

Die Lotsen-Gewerkschaft GdF lehnte das Angebot der Arbeitgeber zur Wiederaufnahme der Verhandlung zwar ab. Doch die Deutsche Flugsicherung will den ersten Lotsenstreik in Deutschland notfalls per Schlichtung abwenden. Die frühere Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin (SPD) sei als Schlichterin vorgesehen, teilten die Arbeitgeber mit.

"Es ist die einzige Möglichkeit, wie man auf beiden Seiten da ohne Gesichtsverlust herauskommen kann", sagte GdF-Sprecher Hans-Joachim Krüger. Die Deutsche Flugsicherung bietet 3 Prozent mehr Lohn und eine Einmalzahlung für die 5300 Beschäftigten, darunter 1800 Lotsen, an. Die GdF fordert aber mindestens 4 Prozent plus und bezeichnet das Angebot als "unzureichend und unvollständig". Nach bisherigen Plänen sollte der Streik binnen weniger Tage beginnen. Davon wären europaweit hunderttausende Passagiere betroffen. Den genauen Streikbeginn würde die Gewerkschaft erst 24 Stunden vorher bekannt geben. Nun gilt eine zweiwöchige Friedenspflicht. Falls die Schlichtung scheitert, könne der Streik am 20. Januar beginnen, sagte Krüger.

Joachim Hunold, Chef der Fluggesellschaft Air Berlin und Präsident des Bundesverbands der Deutschen Fluggesellschaften, erwartet aufgrund der hohen Lohnforderungen der Fluglotsen steigende Flugpreise in Deutschland. Der "Wirtschaftswoche" sagte Hunold: "Ob mit oder ohne Streik – am Ende wird es in jedem Fall zu einem teuren Tarifabschluss kommen, den zunächst die Fluggesellschaften über höhere Gebühren, am Ende aber Passagiere über höhere Preise bezahlen müssen." Er forderte eine Privatisierung der Flugsicherung.

Die Luftfahrt-Titel profitierten auch vom sinkenden Ölpreis. Der Preis für Rohöl der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) ist auf den tiefsten Stand seit gut einem Jahr gesunken. Zudem haben die Analysten der HSBC das Kursziel für die Deutsche Lufthansa von 22 auf 24 Euro erhöht und die Aktie mit dem Anlageurteil "Overweight" bestätigt. Gründe für das neue Kursziel seien der Einbezug der Ergebniseinschätzungen für 2007 sowie der Verkauf von Thomas Cook, schrieb Analyst Jonathan Wober in einer Studie.

manager-magazin.de mit Material von dpa und rtr