MAN/Scania Der Strategie-Tag

Der Lastwagenhersteller MAN muss in der kommenden Woche mit ansehen, wie sein Großaktionär Volkswagen über die eigene Zukunft bestimmt. Dann berät der Aufsichtsrat des Wolfsburger Konzerns offenbar, ob und wie die geplante Scania-Übernahme durch MAN zustande kommen soll. MAN-Aktionäre sind schon jetzt nervös.

Wolfsburg - Das Präsidium des Volkswagen-Aufsichtsrates wird sich nach Informationen aus Konzernkreisen bald mit der geplanten Lastwagen-Allianz von MAN  und Scania  befassen. "Das wird ein wichtiges Thema des sechsköpfigen Gremiums am Donnerstag kommender Woche", sagte eine Volkswagen-Insider der Nachrichtenagentur Reuters .

Europas größter Autokonzern ist zugleich Großaktionär von MAN und Scania und will sein Geschäft mit schweren Lastwagen später in das mögliche Bündnis der beiden Firmen einbringen. MAN möchte Scania zum Preis von etwa zehn Milliarden Euro übernehmen. Die Schweden leisten jedoch Widerstand. Bis zum 31. Januar haben die Scania-Aktionäre Zeit, sich zu entscheiden. Unterdessen hat die EU-Kommission bereits grünes Licht für die angestrebte Übernahme gegeben.

Börsenprofis und Privatanleger lässt die Nachricht aufhorchen, denn der mögliche Zukauf ist für MAN mit immensen Kosten verbunden - bietet aber auch Chancen für die Zukunft. MAN-Aktien verloren gestern deutlicher stärker als der Schnitt aller Dax-Papiere an Wert, und zwar um rund 1,3 Prozent. Scania-Anteilsscheine legten dagegen seit der Übernahmeankündigung vor einigen Wochen von rund 325 Schweden-Kronen pro Titel auf zuletzt rund 500 Kronen je Scania-Aktie zu.

Eine Person aus dem Umfeld des Volkswagen-Kontrollgremiums sagte, das einflussreiche Präsidium solle am Donnerstag im Anschluss an eine Sitzung des Aufsichtsrats tagen. Für den Tag davor, den Mittwoch, ist bereits eine Präsidiumssitzung angesetzt, auf der der neue Volkswagen-Chef Martin Winterkorn seine Pläne zur Umstrukturierung des Konzerns sowie Personalvorschläge erläutern wird. Dazu gehört unter anderem der Wechsel von Audi-Designchef Walter de Silva nach Wolfsburg. Volkswagen  wollte sich dazu nicht äußern.

Winterkorn, der zu Jahresanfang Bernd Pischetsrieder an der Konzernspitze abgelöst hat, will angeblich die Kernmarke VW künftig selbst führen. Zudem wird der frühere Chef der erfolgreichen Ingolstädter Konzerntochter Audi wohl die Konzernstrukturen wieder stärker zentralisieren. Sein Vorgänger hatte dem Konzern eine stärker dezentrale Struktur gegeben.

Es wird erwartet, dass VW-Markenchef Wolfgang Bernhard nächste Woche erklärt, ob er bei Volkswagen bleibt. Dies hatten mehrere mit den Vorgängen bei Volkswagen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters gesagt.

Für Bernhard, der auch Skoda, Bentley und Bugatti vorsteht, wäre in dem neuen Konzept von Winterkorn kaum Platz. In den vergangenen Wochen hatten Medien mehrfach spekuliert, der 46-Jährige werde den Wolfsburger Konzern deshalb verlassen. Bernhard nehme sich lediglich Zeit für einen geordneten Rückzug. Er wolle nicht wieder im Zwist mit seinem Arbeitgeber scheiden, wie es vor gut zwei Jahren bei DaimlerChrysler  der Fall gewesen sei, hatte es geheißen. Bernhard selbst hat sich dazu bisher nicht geäußert.

manager-magazin.de mit Material von reuters