Versteckte Steuern Bei 19 Prozent ist noch nicht Schluss

Bürger klagen über die Erhöhung der Mehrwertsteuer - doch die ist bescheiden im Vergleich zu den versteckten Steuern, die der Staat seit Jahren zusätzlich kassiert. Wer Kaffee trinkt oder seine Wohnung heizt, zahlt ebenso stolze Sonderabgaben wie ein Raucher, Konzertbesucher oder Biertrinker.

Berlin - Seit wenigen Tagen gilt der neue Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent. Doch es gibt auch Steuern, die den Geldbeutel erheblich stärker belasten. Denn für eine Menge Posten des täglichen Lebens zahlt der Verbraucher unbemerkt Extra-Abgaben, die zur erhöhten Mehrwertsteuer noch dazu kommen.

Steuer auf die Steuer: Für Verbraucher nicht erkennbar, kassiert Vater Staat bei jeder Tasse Kaffee, bei jedem Glas Sekt, Bier oder Schnaps mit. Wer dem Glücksspiel oder dem Rauchen zuneigt, zahlt ebenso Sondersteuern wie derjenige, der lediglich seine Wohnung beheizen oder beleuchten will.

"Der Staat kassiert damit doppelt ab", kritisiert Karl Heinz Däke, Präsident des Bundes der Steuerzahler. Zur Mehrwertsteuer kommen noch zahlreiche verdeckte Verbrauchsteuern wie die Schaumwein-, Mineralöl- oder Stromsteuer, die Spielbankabgabe, die Rennwett- oder Getränkesteuer hinzu.

Mehr als zwei Euro Steuern pro Kilo Kaffee

Pro Kilogramm Röstkaffee zahlt ein Kunde auf diese Weise stolze 2,19 Euro an Steuern, ohne dass dieser Betrag auf Verpackung oder Kassenbon gesondert ausgewiesen wird. Bei löslichem Kaffee ist der Fiskus gar mit 4,78 Euro pro Kilo dabei. Ein passionierter Kaffeetrinker muss auf diese Weise Extra-Steuern von schätzungsweise bis zu 45 Euro im Jahr aufbringen.

Wer sich's gut gehen lässt, wird besonders stark zur Kasse gebeten. Beim Bier am Abend wird die verdeckte Zwangsabgabe von 9,44 Cent pro Liter fällig, pro Flasche Sekt gehen 1,02 Euro an den Staatssäckel. "Bei einem billigen Schaumwein kann die Steuer höher ausfallen als der reine Warenwert", meint Hans-Ulrich Liebern vom Bund der Steuerzahler in Nordrhein-Westfalen. Bei Hochprozentigem langt der Fiskus mit 2,28 Euro bis 3,83 Euro je 0,7-Liter-Flasche zu, je nach Alkoholgehalt.

Trinken, rauchen spielen für den Fiskus

Trinken, rauchen, spielen für den Fiskus

Wer dann auch noch eine Zigarette raucht, muss wieder indirekt zahlen und zwar 13,17 Cent pro Glimmstängel. Und wer gern spielt, dem zieht der Fiskus ebenfalls unsichtbare Steuern aus der Tasche.

Beim Tippen werden nämlich 20 Prozent Lotteriesteuer auf den Einsatz fällig, bei Sport- und Pferdewetten über 16 Prozent.

Auch beim Glücksspiel in der Spielbank weicht das Finanzamt seinen Bürgern nicht von der Seite. Gleiches gilt für den Besuch von Kinos, Discotheken oder Rockkonzerten. Wer sich amüsieren will, muss die Vergnügungssteuer mitbezahlen, die auf dem Ticket nicht auftaucht, aber bis 20 Prozent des Eintrittspreises ausmachen kann.

4,7 Milliarden fürs Heizen, 40 Milliarden Euro fürs Tanken

Eine weitere Unbekannte ist die Feuerschutzsteuer. Das ist eine Abgabe, die mit der Hausrat- oder Gebäudeversicherung fällig wird. Dagegen wissen die meisten Verbraucher: Hundebesitzer zahlen Hundesteuer, eine so genannte Bagatellsteuer, die es bereits seit etwa 1500 gibt.

Fürs Heizen mit Öl müssen die Bürger zurzeit 6,135 Cent pro Liter extra abführen, für je zehn Kilowatt Erdgas 5,5 Cent. Auf diese Weise kassierte der Staat im Jahr 2005 fast 4,7 Milliarden allein fürs Heizen, das Mehrwertsteueraufkommen noch nicht mitgerechnet. Eine noch ertragreichere Quelle ist die Mineralölsteuer, zugleich eine der bekanntesten Verbrauchsteuern. Pro Liter Benzin fließen 67 Cent in die Staatskasse. 2005 kamen so über 40 Milliarden Euro zusammen.

Auf diese Weise zahlten die Bundesbürger im vergangenen Jahr die stolze Gesamtsumme von 216,345 Milliarden Euro - ohne es recht zu wissen.

In diesem Jahr dürfte es nicht weniger sein. Die Einnahmen aus den Verbrauchsteuern steigen seit Jahren schon kräftig an: Von 1993 bis 2005 um 34,1 Prozent, wie der Steuerzahlerbund berechnete.

Von Berrit Gräber, ap

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