Gas Drastische Preisunterschiede

Das Bundeskartellamt hat erstmals bundesweit die Tarife der Gasversorger verglichen. Dabei stellten die Wettbewerbshüter Preisunterschiede bis zu 59 Prozent fest - für Kartellamtschef Ulf Böge ein weiterer Beleg dafür, dass die Gasversorger ihre Territorien gegen Wettbewerb abschotten.

Bonn - Die gleiche Menge Gas kann bei einem Anbieter bis zu 59 Prozent mehr kosten, als bei einem anderen. Das teilte das Kartellamt am Mittwoch mit. Kartellamtspräsident Ulf Böge rügte deshalb: "Im Gasbereich kommt der Wettbewerb trotz der Liberalisierung nur schleppend in Gang." Angesichts hoher Preise komme der Kontrolle der Anbieter durch die Wettbewerbsbehörde besondere Bedeutung zu.

Der von der Kartellbehörde veröffentlichte Gaspreisvergleich umfasst die Angebote von 739 Gasversorgern im ganzen Land und macht verblüffende Preisunterschiede sichtbar. So verlangen die Stadtwerke Soltau in Niedersachsen derzeit als billigster Anbieter für die Versorgung einer Wohnung mit 7000 Kilowattstunden Gas im Jahr lediglich 381 Euro. Die baden-württembergische Gasversorgung Blaubeuren berechnet dagegen für die gleiche Gasmenge laut Bundeskartellamt 605,86 Euro und damit 59 Prozent mehr.

Nur wenig kleiner fallen die Preisunterschiede bei der Abnahme größerer Gasmengen aus. So schwankt der Preis für die Versorgung eines Einfamilienhauses mit 20.000 Kilowattstunden im Jahr laut Bundeskartellamt zwischen 972 Euro bei den Städtischen Werken Magdeburg in Sachsen-Anhalt und 1392,80 Euro bei der bayerischen Inngas. Der Preisunterschied beträgt damit auch hier mehr als 43 Prozent.

Auch bei der Abnahme noch größerer Gasmengen etwa für ein freistehendes Einfamilienhaus oder ein Sechsfamilienhaus lagen die Preisunterschiede höher als 40 Prozent.

Böge betonte, angesichts der hohen Preise sei es für Wirtschaft und Verbraucher wichtig, dass die Kartellbehörden prüfen, ob die Gasversorger die marktbeherrschende Stellung in ihrem Versorgungsgebiet missbrauchen, um den Abnehmern die Preise diktieren zu können.

Die Veröffentlichung der Gaspreise für Haushaltskunden solle hier mehr Transparenz schaffen. Die nun vorhandene Datenbasis will die Wettbewerbsbehörde nutzen, um ihre Missbrauchsaufsicht noch effektiver zu machen. Dabei sollen die Preise der einzelnen Anbieter an besonders effizienten und strukturell vergleichbaren Gasversorgern gemessen werden. Bereits im vergangenen Jahr hatte das Kartellamt eine Reihe von Verfahren wegen Gaspreismissbrauchs durchgeführt.

manager-magazin.de mit Material von AP