Alternative Investments Anlageguru warnt vor sich selbst

David Swensen hat alternative Anlagen wie Hedgefonds, Private Equity oder Rohstoffe in Mode gebracht. Mit einem alternativen Portfolio machte der Vermögensmanager der US-Privatuniversität Yale in zwanzig Jahren aus 1,3 Milliarden Dollar 18 Milliarden. Diesen Erfolg möchten viele kopieren - doch Swensen rät Privatanlegern ab.

Hamburg - Hohe Renditen mit geringem Risiko - das ist genau die Geschichte, die Anleger hören wollen. David Swensen hat sie mit seiner Performance als Chief Investment Officer der Universitätsstiftung von Yale geschrieben. Als Wirtschaftsnobelpreisträger James Tobin ihn 1985 auf den Posten holte, war Swensen ein Pionier der alternativen Anlagestrategie. Heute ist alternatives Investment in Mode.

Das Prinzip ist eingängig: Die Yale-Stiftung hält nur noch ein Drittel ihres Vermögens in herkömmlichen Anlagen wie Aktien und Renten. Der Rest ist zum Großteil in Hedgefonds und außerbörsliche Beteiligungen, aber auch in Waldgrundstücke, investiert. Im vergangenen Jahr brachte diese Strategie eine Traumrendite von 22,9 Prozent. Selbst im Aktienkrisenjahr 2001 verzeichnete Swensen ein positives Ergebnis. Und sogar im finanziellen Wettbewerb mit der größeren Konkurrenz aus Harvard hat Yale nun die Nase vorn.

Deshalb gilt Swensen jenen als Vorbild, die nach institutionellen Anlegern auch Private für alternative Anlagestrategien begeistern wollen - beispielsweise der Deutschen Bank, die ihren Kunden empfiehlt, den Hedgefondsanteil an ihrem Portfolio zu erhöhen. "Yale ist das Paradebeispiel für den erfolgreichen Einsatz alternativer Investments", lobt die Investmentabteilung für Privatkunden in ihrem Marktausblick für 2007. Die "bestechende Investmentphilosophie" sei "durchaus auch auf Portfolios von Privatanlegern übertragbar".

Doch Swensen selbst behauptet das Gegenteil - publikumswirksam in einem Ratgeber, der jetzt auf Deutsch in die Buchläden kommt. Privatanleger hätten "weder die Zeit noch die Mittel, ihr Portfolio erfolgreich aktiv zu verwalten", heißt es darin. Das Management alternativer Anlagen sei jedoch viel aufwendiger als das von Aktien.

Indexfonds als günstige Alternative

Indexfonds als günstige Alternative

Nur wenige der besten Private-Equity-Fonds erzielten ausreichend hohe Renditen, "um die Anleger für die mangelnde Liquidität und das höhere Risiko zu entschädigen", meint Swensen. Um die Spreu vom Weizen zu unterscheiden, benötige man erstklassige Fähigkeiten oder außerordentliches Glück. Gleiches gelte für Hedgefonds, deren hohe Gebühren außerdem die Renditen auf ein "unakzeptables Niveau" sinken ließen.

Swensen hält ein Verbot privater Beteiligungen an Hedgefonds und Private-Equity-Firmen für sinnvoll, um Anleger zu schützen. Als Strategie mit geringem Risiko empfiehlt er, sich ausschließlich an Indexfonds zu beteiligen, die sich etwa an Aktienindizes wie dem Dax orientieren und daher ohne aktives Management auskommen - dafür aber auch nur eine durchschnittliche Rendite erzielen.

Dirk Söhnholz, Geschäftsführer des Vermögensverwalters Feri Institutional Advisors, hat die Lektüre nicht gefallen. "Ich war erstaunt", sagt er. Die "beeindruckende Bilanz" Swensens als Finanzmanager spreche zwar für sich, doch seine Empfehlung sei falsch. Das gelte besonders für Deutschland, wo geringere Mittel nötig seien als in den USA, um an attraktive Instrumente wie Zertifikate, Dach-Hedgefonds oder Kommanditbeteiligungen zu kommen.

Die Zeiten zweistelliger Renditen sind vorbei

Die Zeiten zweistelliger Renditen sind vorbei

"Die Zeiten, wo man ohne großes Risiko zweistellige Renditen in Hedgefondsbereich erzielen konnte, sind vorbei", gesteht auch Söhnholz. Doch trotz der hohen Gebühren seien "durchaus attraktive Renditen für Privatanleger möglich, auch für kleinere Kunden". Sehr vermögenden Kunden empfehle sein Haus ein Portfolio mit 20 Prozent Private-Equity-Anlagen, 20 Prozent Hedgefonds und einem großen Immobilienanteil. Auch 100 Prozent Hedgefonds seien akzeptabel. "In der Schweiz gibt es die eine oder andere Familie, die das macht", sagt Söhnholz.

Neben dem Vermögen komme es vor allem auf den Anlagehorizont an. Eine Investition in Private Equity oder Immobilien lohne sich ab zehn Jahren, in Hedgefonds schon ab drei Jahren.

Wer hat nun Recht? David Swensen wendet sich zumindest dagegen, seine Erfahrung als Vermögensverwalter zu verallgemeinern. Auch wenn Lob von prominenter Stelle kommt. Yale-Ökonom Robert Shiller beispielsweise meint, Swensens Erfolg widerlege die Markteffizienzhypothese, derzufolge alle Akteure über die besten Anlagemöglichkeiten informiert sind und deshalb niemand dauerhaft mehr Rendite erzielen kann als der Marktdurchschnitt.

Swensen selbst dagegen nimmt auch hier einen ganz eigenen Standpunkt ein. Er sieht in dieser Theorie "einen brauchbaren Rahmen, um den Markt zu verstehen, einschließlich der Existenz von Ineffizienzen, die wir in Yale ausnutzen". Nur in einem Punkt will er von sich auf andere schließen lassen. "Meine persönliche Investitionsstrategie spiegelt meine Empfehlungen in ‚Erfolgreich investieren’ wieder", sagt er. Und auch mit Indexfonds bewies er ein glückliches Händchen. Hohe Rendite, geringes Risiko - genau die Geschichte, die Anleger hören wollen.

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