Sonntag, 15. Dezember 2019

Einkommen Verbraucher können sich weniger leisten als vor 15 Jahren

Die Verbraucher in Deutschland können sich statistisch gesehen heute weniger leisten als zu Beginn der 90er Jahre. Die Nettoeinkommen der privaten Haushalte sind seit 1991 real um 2 Prozent gesunken, teilt das Statistische Bundesamt mit. Im Durchschnitt hat jeder Haushalt pro Monat 2800 Euro netto zur Verfügung.

Wiesbaden - Die Nettoeinkommen der privaten Haushalte sind seit Anfang der 90er Jahre real - das heißt nach Abzug der Preissteigerungen - insgesamt um 2 Prozent gesunken, berichtet das Statistische Bundesamt am Montag in Wiesbaden.

Weniger Kaufkraft: Das "deutsche Lohnwunder" macht sich für Verbraucher negativ bemerkbar

Im Jahr 2005 verfügte jeder Haushalt durchschnittlich netto über 33.700 Euro pro Jahr. Nominal waren das zwar etwa 30 Prozent mehr als 1991 mit 26.000 Euro. "Nach Abzug der Preissteigerungen für die Lebenshaltung stand den Haushalten im Durchschnitt aber weniger Einkommen zur Verfügung", meldeten die Statistiker.

Die Statistik weist als Haushaltseinkommen alle Einkünfte der Haushaltsmitglieder aus, das heißt neben Lohn oder Gehalt zählen auch Rente, Sozialhilfe, Kindergeld und Einkommen aus Vermögen dazu.

Löhne und Gehälter steigen nur gering

Ein wesentlicher Grund für die stagnierenden Haushaltseinkommen sind die geringen Lohn- und Gehaltssteigerungen der vergangenen Jahre. Von 1991 bis 2005 stiegen die tariflichen Bruttoeinkommen nach Berechnungen des WSI-Tarifarchivs um 43 Prozent, inflationsbereinigt ergab sich ein Tarifplus von nur 8,3 Prozent.

Volkswirte sehen die stagnierenden Einkommen als wesentlichen Grund für den schwachen Konsum, der in Deutschland seit Jahren stagniert hat. Der private Verbrauch trägt mit zwei Dritteln zum Wachstum bei und ist damit ein wesentlicher Pfeiler des Wirtschaftswachstums. Die geplante Mehrwertsteuererhöhung Anfang 2007 wird voraussichtlich den Verbrauchern 18 Milliarden Euro Kaufkraft entziehen und damit den gerade anziehenden Konsum erneut schwächen.

Selbstständige mit höchstem Nettoeinkommen

Laut Statistik hatten Haushalte von Selbstständigen mit einem durchschnittlichen Netto-Jahreseinkommen von 106.900 Euro im Jahr 2005 das höchste Einkommen. Allerdings müssen sie im Gegensatz zu Arbeitnehmern und Beamten ihre Altersvorsorge aus ihrem Nettoeinkommen bestreiten.

Selbstständige verzeichneten in den 15 Jahren seit der Wiedervereinigung den stärksten Zuwachs von 38 Prozent im Schnitt. Am geringsten war das Plus bei Arbeitern, deren Nettoeinkommen im Schnitt um 25 Prozent auf 30.200 Euro anstieg. Das geringste Nettoeinkommen hatten die Nichterwerbstätigen, die über 21.200 Euro verfügten (plus 28 Prozent).

Die tatsächlichen Einkommen der einzelnen Haushalte können nach Angaben der Statistiker von den Durchschnittswerten erheblich nach oben oder unten abweichen. Rechnet man die Einkommen auf Personen je Haushalt und deren Alter um, so blieb nach Abzug der Preissteigerungen von 1991 bis 2005 ein realer Einkommenszuwachs von 2 Prozent. Dies resultiere aus dem ungebrochenen Trend zu kleineren Haushalten.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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