Donnerstag, 19. September 2019

Dax-Geflüster Raus mit den Milliarden!

Dividendenjäger dürfen sich die Hände reiben. Deutschlands Großkonzerne werden im Jahr 2007 so viel von ihrem Gewinn ausschütten wie nie zuvor. Um die Aktionäre bei Laune zu halten, gehen sie dafür mitunter an die Substanz. Das ist auch im Fall Deutsche Telekom bedenklich.

Wenn man den Auguren glauben darf, wird das Jahr 2007 ein großartiges Jahr - zumindest für Dividendenjäger. Dann werden Deutschlands 30 größte Unternehmen rund 21,6 Milliarden Euro für das zurückliegende Geschäftsjahr an die Aktionäre verteilen - ohne Sonderausschüttungen wohlgemerkt und damit trotzdem so viel wie nie zuvor.




Zum Vergleich: Im Jahr 2004 waren die Ausschüttungen nicht einmal halb so hoch. Mehr noch: Die Dividenden werden sogar stärker steigen als die Gewinne. Während Letztere im Jahr 2006 voraussichtlich um etwa 10 Prozent klettern dürften, sollen die Dividenden in 2007 gar um rund 19 Prozent anziehen, schätzt die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW).

"Unendlich lange kann man das nicht betreiben. Irgendwann sollte sich da ein Gleichlauf einstellen", räumt LBBW-Stratege Frank Schallenberger ein. Gleichwohl: Mit einer Ausschüttungsquote von rund 40 Prozent der Gewinne liegt der Dax Börsen-Chart zeigen noch 3 bis 5 Prozentpunkte unter dem europäischen Niveau.

"Nachholbedarf" gegenüber dem Rest Europas ist also ein Grund für die deutlich steigenden Ausschüttungen. Nicht zuletzt die Finanzwerte im EuroStoxx50 Börsen-Chart zeigen konnten in den vergangenen Jahren mit einer deutlich höheren Dividendenrendite als Banken und Versicherer hierzulande auftrumpfen. Da will auch die in der Vergangenheit etwas knauserige Allianz nicht mehr zurückstehen und künftig bis zu 40 Prozent des Gewinns an die Aktionäre weiterreichen.

Vor diesem Hintergrund darf es nicht verwundern, dass gleich vier von acht Dax-Konzernen, die ihre Dividende für 2006 um mehr als 25 Prozent anheben, aus dem Finanzsektor kommen. Die Dividende zu senken, kommt ohnehin keinem Konzern in den Sinn.

Andreas Hürkamp, Stratege von der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP), sieht noch einen anderen Grund für die stark ansteigenden Ausschüttungen. "Wir sind davon überzeugt, dass einzelne Dax-Konzerne im Fokus von Hedgefonds und anderen Unternehmen stehen", sagt der Experte. Da sei eine attraktive Dividende eben eine Option, den Aktienkurs nach oben zu treiben, um so eine feindliche Übernahme zu erschweren.

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