Reits "Politiker verstehen den Markt nicht"

Reits in Deutschland ohne Wohnimmobilien einzuführen - völlig verfehlt, so das Urteil von Patrick Sumner. Er ist Chef für Immobilienaktien bei Henderson und verantwortet auch den über eine Milliarde Pfund schweren Fonds Pan European Property Equities des Hauses.
Von Arne Gottschalck

mm.de: Reits sollen in Deutschland ohne Wohnimmobilien eingeführt werden - wie wirkt das auf Sie?

Sumner: Entweder die Politiker verstehen die Marktsituation nicht. Oder sie missinterpretieren die Fakten absichtlich, um die Emotionen für taktische Raumgewinne zu nutzten.

mm.de: Harter Tobak, Mr. Sumner. Gibt es nicht auch Gründe, die Wohnungen außen vor zu lassen?

Sumner: Die Frage der Wohnimmobilien wird von deutschen Politikern weitgehend fehlgedeutet, insbesondere von Teilen der SPD. Sie spielen freiwillig mit Mietsteigerungs- oder gar Kündigungsängsten von Mietern, deren Wohnungen an neue Investorengruppen verkauft werden. Und die ausländischen Investoren wie Fortress oder Terra Firma, die große Portfolios gekauft haben, werden oft als Heuschrecken porträtiert, die so viel Profit wie nur möglich in kurzer Zeit aus den Wohnungen pressen wollen und den armen, schutzlosen deutschen Mieter ohne Heimat zurücklassen.

mm.de: Ist das so falsch - Private-Equity-Beteiligungen gehen manchmal ja schon nach hinten los? Im Falle Grohe zum Beispiel haben sich zwei Finanzinvestoren nacheinander am Unternehmen beteiligt, am Ende blieb in erster Linie ein großer Schuldenberg übrig.

Sumner: Das ist ein falscher Eindruck unter vielerlei Aspekten! Erstens bleiben die bereits bestehenden Gesetze zum Schutze der Mieter ja erhalten, sie sind nicht verhandelbar. Es ist also nicht möglich, die Miete über sehr klar definierte Grenzen zu erhöhen. Zweitens ist die Kündigung die einzige Möglichkeit, sich von Mietern gegen ihren Willen zu trennen. Und nur, wenn sie die Miete nicht zahlen. Das Gesetz bietet den Mietern jede Möglichkeit, das zu vermeiden. Es gibt also keinen Beweis dafür, dass das von den Politikern beschriebene Szenario eintritt.

mm.de: Nützt es überhaupt etwas, die Reits außen vor zu lassen - Sie erwähnten ja schon die Private-Equity-Firmen.

Sumner: Genau, die Ausnahme der Reits hat nur einen sehr begrenzten Effekt auf den laufenden Verkauf von Portfolios. Die Verkäufe werden durch eine Reihe von Strukturen und Faktoren beeinflusst - aber nicht durch die G-Reits.

Wenn die Politiker den Eindruck haben, es wäre besser, die Wohnimmobilien fest in deutscher Hand zu belassen, dann wird der Ausschluss von G-Reits den gegenteiligen Effekt haben. Denn man kann davon ausgehen, dass das Gros der Reits-Investoren Deutsche wären. Ohne die G-Reits dürften daher weitaus mehr Deals über ausländische Investoren laufen.

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