Thielert Kurssturz um 25 Prozent

Das Flugzeugmotorenunternehmen Thielert sorgt für Aufsehen. Angeblich ist gegen die Firmenleitung Anzeige erstattet worden, weil das Management die eigene Bilanz geschönt habe. An der Börse bricht der Aktienkurs der Gesellschaft ein.

Frankfurt am Main - Der Aktienkurs der Maschinenbaufirma Thielert  ist nach schweren Betrugsvorwürfen um rund 25 Prozent auf 17,95 Euro eingebrochen. Gegen das Management des Flugzeugmotorenbauers wurde Anzeige wegen Urkundenfälschung, Bilanzbetrug sowie Prospekt- und Kapitalanlagebetrug erstattet, bestätigte die Staatsanwaltschaft Chemnitz.

Der Verfasser der insgesamt 72 Seiten umfassende Anzeige hat nach Angaben der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) offenbar Zugang zu Kreditverträgen, Liquiditätsplanungen und vertraulichen Prüfungsunterlagen der BDO Deutsche Warentreuhand gehabt, Thielerts Prüfungsgesellschaft. Diese Unterlagen seien in der Anzeige in Form kopierter Originale beigelegt worden.

Den Verantwortlichen des Unternehmens werde vorgeworfen, in den vergangenen Jahren durch fiktive Umsätze und Aktivierung von Forderungen eine falsche und deutlich zu positive Unternehmensdarstellung erzeugt zu haben. So würden beispielsweise in der Anzeige zahlreiche Forderungen aufgeführt, die zum 31. Dezember 2004 bilanziert worden seien, deren Werthaltigkeit aber zweifelhaft sein solle.

Die Firma Thielert ist den Angaben zufolge 2005 von Banken finanziert worden, und zwar in erster Linie durch einen Betriebsmittelkredit in Höhe von 24 Millionen Euro. In der Anzeige werde Thielert vorgeworfen, den Banken hohe Liquiditätseingänge in

Aussicht gestellt zu haben, die dann aber immer wieder verschoben worden seien. Eine "Sonderprüfung der Debitoren und Forderungen" der Banken sei nach Angabe des Anzeigeerstatters am 27. Mai zu dem Zwischenergebnis gekommen, dass von 37 angeforderten Saldenbestätigungen lediglich zwei vorgelegt worden seien.

Mit anderen Worten: Von den zu prüfenden 21 Millionen Euro Forderungsbestand hätten nur 7366 Euro durch beantwortete Saldenbestätigungen positiv festgestellt werden können, schreibt die SdK weiter. Das entsprächen gerade einmal 0,03 Prozent aller angeblich existierenden Forderungen. Trotz dieses Ergebnisses seien von den Sonderprüfern offensichtlich keine weiteren Maßnahmen oder Prüfungen vorgenommen worden.

Ein Händler sagte in einer ersten Reaktion: "Das erinnert an ganz negative Beispiele in der Vergangenheit. Wenn das nur ansatzweise stimmt, sehen wir den Thielert-Kurs in Kürze einstellig." Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger hatte mitgeteilt, dass ihr eine Strafanzeige zugegangen sei, die wohl auch den Staatsanwaltschaften Hamburg und Chemnitz zugestellt wurde.

Der Flugzeugmotorenhersteller Thielert hat Betrugsvorwürfe zurückgewiesen. Das Unternehmen habe weder Urkunden gefälscht noch Bilanzen manipuliert oder Prospekt- und Kapitalanlagebetrug begangen, teilte das Hamburger Unternehmen am Donnerstag mit.

Thielert verwies zur Entkräftung der Vorwürfe unter anderem auf die angewandte Methode der Rechnungslegung. Im Luftfahrt- und im Wehrtechnikbereich hätten Aufträge eine lange Laufzeit, weshalb Leistungen nach dem Grad der Fertigstellung bilanziert würden. Ferner seien die Bilanzen durch Wirtschaftsprüfer testiert und bei Erstellung des Börsenprospektes nochmals überprüft worden.

"Die Vorwürfe sind völlig haltlos", sagte Frank Thielert. "Schon allein die von uns ausgewiesenen und veröffentlichten Zahlen sprechen gegen diese Aussagen". Das Unternehmen hat bei der Staatsanwaltschaft Hamburg Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt.

manager-magazin.de mit Material von dow Jones, dpa und reuters

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