Konjunktur Besser als befürchtet

Es hätte schlimmer kommen können. Die deutsche Volkswirtschaft wird zwar im nächsten Jahr nur noch um 1,1 Prozent zulegen, erwartet der Verband privater Banken. Aber damit würde die Wirtschaft hierzulande noch immer stärker wachsen als in vielen Vorjahren. Das allerdings sei kein Verdienst der Bundesregierung.
Von Rita Syre

Frankfurt am Main - Die konjunkturelle Großwetterlage werde auch im kommenden Jahr klar von einem Hoch bestimmt, fasst Kurt Demmer seine Präsentation der Konjunkturprognose 2007 des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB) kurz und bündig zusammen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) werde in diesem Jahr in Deutschland real um 2,2 Prozent wachsen und 2007 um 1,1 Prozent, sagt der Chefvolkswirt der IKB Industriebank .

Auch 2007 werde die Industrie und nicht der Konsum der privaten Haushalte oder des Staates die Konjunktur tragen. Die zehn Chefvolkswirte der privaten Banken erwarten für das kommende Jahr einen Anstieg der Ausrüstungsinvestitionen um 4,6 Prozent verglichen mit 2006. Vor allem im Maschinen- und Anlagenbau gehe es gut voran.

Gedämpft wird das Wachstum hierzulande weniger von Problemen der deutschen Volkswirtschaft, sondern von der nachlassenden Weltkonjunktur. "Im nächsten Jahr kommt es zu einem gewissen Umbruch", sagt Demmer. Schließlich sinke die Drehzahl der amerikanischen Volkswirtschaft, und die sei die wichtigste der Welt. Die US-Wirtschaft werde mit 2,5 Prozent in 2007 unterhalb ihrer Potentialrate wachsen. Das könnten nicht mal die boomenden Volkswirtschaften der Schwellenländer ausgleichen, zumal der Großteil der Exporte der zentralen Volkswirtschaft China in die Vereinigten Staaten geliefert würden.

Die Mehrheit der 10 Chefvolkswirte der BdB-Mitgliedsbanken rechnet darüber hinaus damit, dass Europas Zentralbank ihre Leitzinsen nicht über die Marke von 3,5 Prozent hinaus anheben wird. Demmer weist allerdings darauf hin, dass die im Frühjahr anstehenden Tarifverhandlungen und die Unsicherheit über den Inflationseffekt aus der Mehrwertsteuererhöhung um 3 Prozentpunkte "reichlich Pulver" für weitere Zinserhöhungen bereitstellen würden.

Fazit des IKB-Chefvolkswirts: Deutschlands Wirtschaft kommt voran. Allerdings könne es noch besser laufen, wenn die Große Koalition entschiedener handeln würde. "Angesichts des konjunkturellen Rückenwindes wäre es wichtig gewesen, in diesem Jahr überzeugende Reformpflöcke einzuschlagen", kritisiert er. Die Kritik des Bankenverbandes richtet dich vor allem gegen die geplante Unternehmenssteuerreform.

Die geforderte Nettoentlastung der Firmen hierzulande sei zentrale Voraussetzung für mehr Wachstum und neue Arbeitsplätze in Deutschland. Doch genau diese steuerliche Entlastung bleibe wohl aus, wenn die bisherigen Steuerpläne der Bundesregierung tatsächlich Gesetz würden. Statt dessen drohe die erwogene Besteuerung von Aufwendungen sowie der diskutierte Mindestlohn sogar auf Kosten der bestehenden Arbeitsplätze zu gehen.

"Der Reformprozess des ehemaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder fiel mit seiner Agenda 2010 zielstrebiger aus als der unter Bundeskanzlerin Angela Merkel", sagt Demmer.

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