Gewinnwarnung DaimlerChrysler-Aktie bricht ein

DaimlerChrysler veröffentlicht eine Gewinnwarnung - die US-Tochter hat gepatzt, kam mit dem Marktumfeld nicht zurecht. Die Konzernmutter gelobt Besserung. Chrysler soll nun kleinere Modelle bauen. Derweil reagiert die Börse geschockt.

Stuttgart - DaimlerChrysler  hat am Freitag den Aktienmarkt mit einer überraschenden Gewinnwarnung geschockt. Die US-Tochter Chrysler wird aufgrund des starken Wettbewerbs in den USA sowie den anhaltend hohen Kraftstoffpreisen im Geschäftsjahr 2006 statt eines Gewinns einen operativen Verlust von rund einer Milliarde Euro ausweisen, wie der Automobilhersteller mitteilte. Entsprechend erwartet DaimlerChrysler auch für den Konzern nun nur noch einen operativen Gewinn von rund fünf Milliarden Euro, zuvor waren es rund sechs Milliarden Euro gewesen.

Kurz nach Bekanntgabe der Gewinnwarnung brachen die Aktien des Automobilherstellers zeitweise um über 8 Prozent ein und notierten zum Xetra-Schluss bei 39,18 Euro, ein Minus von 5,57 Prozent. DaimlerChrysler hatte aufgrund der schwierigen Situation auf dem US-Markt und den hohen Lagerbeständen bei den Händler bereits bei der Veröffentlichung der Zweitquartalszahlen eine Gewinnwarnung für Chrysler herausgegeben, die Jahresprognose für den Konzern aber bekräftigt.

Die negative Entwicklung bei Chrysler komme aus seiner Sicht nicht ganz unerwartet, sagte ein Händler in einer ersten Reaktion. Es stelle sich die Frage, wie DaimlerChrysler "aus dieser Sache wieder rauskommen will", äußerte sich Automobilanalyst Michael Punzet von Equinet. Er verwies darauf, dass für die Probleme einige vom Unternehmen nicht zu beeinflussende Faktoren maßgeblich seien, wie die steigenden Kraftstoffpreise oder der Margendruck bei den Geländewagen (SUV).

Erhöhter Margen- und Mengendruck auf US-Markt

Der US-Markt ist schon seit Jahren durch massive Überkapazitäten insbesondere der drei großen US-Hersteller General Motors, Ford und Chrysler geprägt. Daraus entstand ein Rabattwettbewerb, der es den Unternehmen schwer macht, mit den Fahrzeugen Geld zu verdienen. Wesentliche Wettbewerber hätten durch massive Preiszugeständnisse - vor allem bei den Light Trucks - den Margen- und Mengendruck weiter erhöht, begründete nun DaimlerChrysler die Prognosekorrektur.

Außerdem entscheiden sich die US-Kunden aufgrund der anhaltend hohen Kraftstoffkosten derzeit eher für den Kauf eines sparsameren Pkw und lassen die einst äußerst beliebten großen Pick-ups und SUVs links liegen. In diesem an sich hochmargigen Light-Truck-Segment ist Chrysler jedoch besonders stark vertreten, während das Produktportfolio bei kleinen Fahrzeugen eher beschränkt ist. Der Markt sei durch eine stärkere Nachfrageverschiebung hin zu kleineren Fahrzeugen geprägt, so DaimlerChrysler.

Weitere Produktionskürzungen

Weitere Produktionskürzungen

Im dritten Quartal sei es der Chrysler Group nicht gelungen, dem Nachfrageverhalten der Kunden mit dem bestehenden Produktportfolio zu folgen, da das Kundeninteresse sich auf kleinere Fahrzeuge konzentriert habe, hieß es weiter. Deshalb will Chrysler die Produktion im dritten und vierten Quartal noch weiter kürzen. Allein für das dritte Quartal veranschlagt die US-Tochter einen operativen Verlust von 1,2 Milliarden Euro. In den ersten sechs Monaten war noch ein Gewinn von 54 Millionen Euro ausgewiesen worden. Im vergangenen Jahr hatte die Sparte über 1,5 Milliarden Euro verdient.

Während die anderen Sparten des Konzerns allesamt im Plan liegen, sieht DaimlerChrysler weitere Gewinnrisiken durch die Beteiligung am Luft- und Raumfahrtkonzern EADS. Möglicherweise noch entstehende Ergebnisbelastungen durch EADS seien in der aktualisierten Ergebnisprognose noch nicht enthalten, warnte der Automobilhersteller. Der Luft- und Raumfahrtkonzern steckt aufgrund von technischen Problemen in der Flugzeugdivision Airbus in Problemen und hat deshalb vor Kurzem weitere Gewinnbelastungen nicht ausschließen wollen.

DaimlerChrysler hat über eine Verkaufsoption 7,5 Prozent an EADS im Frühjahr abgegeben. Ohne diese Option beläuft sich der Anteil noch auf 22,5 Prozent. Die operativen Ergebnisse von EADS werden in der DaimlerChrysler-Gewinn- und Verlustrechnung mit einem Quartal Verzögerung verbucht.

Am Montag hoher Druck auf die Aktie?

Analyst Punzet rechnet nach der Gewinnwarnung mit zahlreichen Senkungen der Analystenschätzungen für das laufende und kommende Jahr. Seine nach den letzten Quartalszahlen auf "Marketperformer" gesenkte Einstufung für die Aktie will er nicht ändern, die Prognosen werde er aber "noch einmal reduzieren".

Als kritisch für den weiteren Kursverlauf werten Marktteilnehmer den Zeitpunkt der Gewinnwarnung zum sogenannten Hexensabbat: Am Abend werden an den Terminmärkten die Optionen auf die Einzelwerte abgerechnet. Durch die Veröffentlichung ausgerechnet am Verfallstag könnte der Aktie am Montag doppelter Druck drohen: Einerseits durch verfallsbedingt mögliche Überhänge und gleichzeitig durch die zu erwartenden negativen Analystenkommentare.

manager-magazin.de mit Material von vwd

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