Privatbank Reithinger Geld zurück

Die Privatbank Reithinger wurde bereits im August geschlossen - doch erst jetzt können Anleger aufatmen. Immerhin haben die Behörden entschieden, dass der so genannte Entschädigungsfall vorliegt. Und ohne diese Feststellung gibt es kein Geld.

Singen - Die rund 65000 Kunden der mittlerweile geschlossenen Privatbank Reithinger bekommen zumindest einen Teil ihres Geldes zurück. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) stellte am Donnerstag offiziell den für eine Rückzahlung notwendigen Entschädigungsfall fest. Damit liegen laut der Behörde die gesetzlichen Voraussetzungen dafür vor, dass die Berliner Entschädigungseinrichtung deutscher Banken GmbH (EDB) die Anleger entschädigen kann.

Genauer: Jedem Bankkunden stehen 90 Prozent seiner Einlagen zu - und höchstens 20.000 Euro. Bevor das Geld ausgezahlt werden kann, muss die Bafin allerdings die Namen der Einleger feststellen und ermitteln, wie hoch deren Forderungen sind. Es sei nicht voraussehbar, wie lange das Entschädigungsverfahren dauern werde. Chancen auf eine höhere Entschädigung haben nur die wenigsten: Wer seit spätestens 14. Oktober 2002 seine Einlage bei Reithinger hatte und diese bis Anfang August 2006 nicht fällig oder gekündigt gewesen sei, könnte mehr erhalten. Denn in dieser Zeit sei das Bankhaus noch Mitglied im Einlagensicherungsfonds gewesen, der dafür Sorge trägt, dass rund 1,54 Millionen Euro bereit stehen. Die EDB steht nur für solche Fälle bereit, für die der Einlagensicherungsfonds nicht zuständig ist.

Die Bafin stellte gleichzeitig einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht Konstanz wegen Überschuldung der Bank. Die Kosten des Insolvenzverfahrens, das Insider auf einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag schätzen, gehen zu Lasten der finanziellen Masse der Bank und verringern damit die Chancen der Kunden auf umfängliche Entschädigung. Die Kundengelder waren seit Anfang August eingefroren, als die Bafin der Bank die Betriebslizenz entzog und jegliche Ein- und Auszahlungen verbot.

Ende August nahm die Staatsanwaltschaft Bielefeld Ermittlungen gegen Reithinger-Eigentümer Klaus Thannhuber wegen des Verdachts der Beihilfe zur Untreue sowie der Steuerhinterziehung im Zusammenhang mit angeblich erschlichener Eigenheimzulage in tausenden Fällen auf. Thannhubers Anwalt Michael Scheele wies die Vorwürfe bislang allerdings als unbegründet zurück.

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa

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