Private Equity Der perfekte Sturm

Das Rad im Private-Equity-Geschäft dreht sich auch dank billiger Fremdkapitalbeschaffung immer schneller. Grund genug, dass Roman Zeller, Geschäftsführer von Alix Partners, eine Warnung ausspricht. In den nächsten beiden Jahren könnten Leveraged Buy-outs im Volumen von bis zu acht Milliarden Euro ausfallen.
Von Rita Syre

Frankfurt am Main - Das Schicksal des Fischkutters "Andrea Gail" besiegelte in dem Film "The Perfect Storm" aus dem Jahr 2000 eine Riesenwelle. An diesen Film denkt Roman Zeller unwillkürlich bei dem Geschehen auf dem Private-Equity-Markt in Europa. "Es rollt auf uns eine Ausfallwelle zu", befürchtet der Geschäftsführer des auf das Turnaround-Management spezialisierten Beratungsunternehmens.

Ausfälle, sprich Pleiten, sind derzeit in Deutschland keineswegs an der Tagesordnung. Aber vergleichsweise viele Automobilzulieferer mit Finanzinvestoren an Bord geraten in immer ärgere Bedrängnis. Krisenfällen wie Edscha, Honsel und Kiekert ist gemeinsam, dass ihnen von den Finanzinvestoren Carlyle, Permira und Ripplewood eine zu hohe Schuldenlast aufgebürdet worden ist.

Kommt es zu einem ernsthaften Problem im operativen Geschäft, geraten sie in finanzielle Not. Nun ist die Autozuliefererbranche ohnehin eine für Krisen anfällige Branche. So gibt es Analysen, nach denen etwa die Hälfte dieser Unternehmen in den nächsten 18 Monaten insolvenzgefährdet ist. Aber der Alix-Geschäftsführer sieht die Situation in der Zuliefererbranche keineswegs als eine Ausnahme.

"Das Leverage ist ja an sich eine ganz wunderbare Sache", hebt Zeller zu der Begründung seiner Warnung vor der Ausfallwelle an. Eine Ansicht, die die Private-Equity-Fonds-Manager mit Sicherheit teilen. Das Leveraged-Buy-out-Geschäft (LBO) brummt. Allein in der Chemiebranche sind nach den Angaben von Alix zwei Drittel aller Transaktionen LBOs. Bei einem Leveraged Buy-out wird ein Unternehmen überwiegend mit Fremdkapital, also Krediten gekauft. Das LBO-Volumen hat sich in Europa allein zwischen 2003 und 2005 auf 218 Milliarden Euro fast verdoppelt.

Leveraged Buy-outs werden teurer

Zum Vergleich: Im Jahr 2001 erreichte das LBO-Volumen gerade mal 66 Milliarden Euro. Das Problem aber besteht darin, dass der Anteil des eingesetzten Eigenkapitals mit dem Anschwellen des LBO-Volumens diametral zum Einsatz von Fremdkapital abgenommen hat. "Im gleichen Zeitraum hat sich das Fremdfinanzierungsvolumen dieser LBO-Transaktionen auf 142 Milliarden Euro verdoppelt", gibt Zeller zu bedenken. Im Jahr 2001 betrug das Volumen gerade einmal 41 Milliarden Euro.

Eine weitere Entwicklung, die der Experte für Turnaround und Ertragssteigerung als Beleg für das Kommen der Ausfallwelle vorbringt, ist der rasante Preisanstieg für Leveraged Buy-outs. So seien für das Fremdkapital 2005 Multiples von 5,4 bezahlt worden, während sie 2003 bei 4,2 lagen. Auslöser der Ausfallwelle sind nach Ansicht von Zeller die steigenden Zinsen; seit Frühjahr vorigen Jahres steigt der für LBOs maßgebliche Drei-Monats-Libor-Satz wieder.

Wenn dann auch noch mit in die Betrachtung einbezogen werde, dass die Ausfallwahrscheinlichkeit spekulativen Fremdkapitals in den Jahren eins bis drei nach der Ausgabe des Kapitals am höchsten sei (etwa 10 Prozent), sei ein "Anschwellen des Volumens stark ausfallgefährdeter Kredite aus Hochzinsfinanzierungen in der Größenordnung von 25 bis 30 Milliarden Euro in Europa in den nächsten beiden Jahren zu erwarten", prognostiziert Zeller.

Den Höhepunkt der Ausfälle, also der Insolvenzwelle von stark fremdkapitalfinanzierten LBOs, erwartet er in spätestens drei Jahren. Das Volumen der ausfallgefährdeten Leveraged Buy-outs in Deutschland beziffert er auf insgesamt sieben Milliarden bis acht Milliarden Euro. "Und vor einem Ausfall sind auch die großen Deals nicht gefeit", fügt Zeller hinzu. Vor allem aber die Automobilzulieferer seien stark gefährdet, da sie im Fokus der Finanzinvestoren stehen würden. "Fälle wie Kiekert und Honsel sind die Vorboten", warnt Zeller.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.