Konjunktur Vertrauen in deutsches Wachstum wächst

Die Wirtschaft brummt, das Maastricht-Kriterium wird bereits in diesem Jahr eingehalten: Deutschland bekommt derzeit viel Lob von Konjunkturexperten. Die OECD erhöht ihre Wachstumsprognose für Deutschland deutlich. Der Internationale Währungsfonds und die EU-Kommission dürften mit verbesserten Prognosen folgen.

Frankfurt am Main - Für die größte europäische Volkswirtschaft erhöhte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) am Dienstag ihre Wachstumsprognose auf 2,2 Prozent, für die Euro-Zone auf 2,7 Prozent. Im Frühjahr war die OECD für dieses Jahr noch von einem Wirtschaftswachstum von 1,8 Prozent in Deutschland ausgegangen. Für die gesamte Euro-Zone hatte sie im Mai mit einem Plus von lediglich 2,2 Prozent gerechnet.

In Deutschland hätten sich insbesondere die Fußball-WM und konjunkturelle Anreize der Bundesregierung für die Bau-Industrie positiv ausgewirkt, erklärte die OECD. Auch die EU-Kommission und der Internationale Währungsfonds (IWF) wollen ihre Vorhersagen für die Bundesrepublik erhöhen, wie bekannt wurde.

IWF rechnet mit zwei Prozent Wachstum

Nach Angaben aus Berliner Regierungskreisen geht der IWF für 2006 von einem Wirtschaftswachstum von 2,0 Prozent aus. Noch im Juni hatte er für Deutschland 1,3 Prozent angesetzt. Den Kreisen zufolge rechnet der Fonds mit Sitz in Washington für kommendes Jahr mit einer Abschwächung des konjunkturellen Aufwärtstrends. Dennoch habe er seine Prognose für 2007 von 1,0 auf 1,3 Prozent erhöht, hieß es.

EU-Kommission bei 2,2 Prozent

Nach einem Bericht des "Handelsblatt" will die EU-Kommission ihre Prognose für die Bundesrepublik für 2006 von 1,7 auf 2,2 Prozent anheben. Das Wachstum der Europäischen Union (EU) insgesamt werde 2,7 Prozent betragen. Zuvor hatte die Brüsseler Behörde mit 2,3 Prozent gerechnet. Eine Sprecherin der Kommission wollte den Bericht nicht kommentieren.

Dass die EU ihre Schätzung nach oben revidiert, hatte Reuters schon aus EU-Kreisen erfahren. Die exakte Zahl ist bislang offiziell nicht bekannt. Die Prognose soll am Mittwoch dieser Woche veröffentlicht werden, der IWF präsentiert seine Schätzung Mittwoch nächster Woche.

Auch für die zwölf Mitgliedstaaten der Euro-Zone gehe die Kommission von einem deutlich höheren Wachstum aus. Sie erwarte für 2006 einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um 2,5 Prozent nach bislang 2,1 Prozent. Die Korrektur werde in Kommissionskreisen mit dem Aufschwung im ersten Halbjahr begründet, der überraschend stark ausgefallen sei.

Zinsen dürften weiter steigen

Angesichts der anhaltenden wirtschaftlichen Belebung sei es gerechtfertigt, die Zinsen in der Euro-Zone weiter zu erhöhen, sagte OECD-Chefsvolkswirt Jean-Philippe Cotis bei der Vorlage der neuen Prognosen. "Wir sind sehr glücklich, dass wir zu der nachträglichen Einsicht gelangt sind, dass das Wachstum zurückgekehrt ist", betonte Cotis. "Wir sind unter dem neutralen Zinsniveau, es gibt weiteren Raum zur Straffung", fügte er mit Blick auf die Geldpolitik hinzu.

Zuvor hatten die OECD und der IWF die Europäische Zentralbank (EZB) noch gedrängt, die Zinsen nicht weiter zu erhöhen, um die wirtschaftliche Belebung nicht im Keim zu ersticken. Damit waren sie jedoch bei der EZB auf taube Ohren gestoßen. Seit Dezember des vergangenen Jahres hat sie kontinuierlich ihren Leitzins von damals zwei auf mittlerweile drei Prozent erhöht. An den Märkten wird damit gerechnet, dass der Zins bis zum Jahresende auf 3,5 Prozent steigt. Diese Erwartung stimme mit der OECD-Einschätzung überein, dass sich die Geldpolitik allmählich einem neutralen Niveau annähern sollte, sagte Cotis.

Auch für die US-Notenbank Fed könnte es nötig sein, die Zinsschraube nach der Pause im August weiter anzuziehen. Für die weltgrößte Volkswirtschaft ließ die OECD ihre Wachstumsprognose für 2006 bei unverändert 3,6 Prozent. Die Fed hatte im August nach 17 Zinserhöhungen in Folge eine Pause eingelegt und den Schlüsselzinssatz bei unverändert 5,25 Prozent belassen.

rtr

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